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Sommernacht - Manfred Kyber











Wenn der Mond ins weite Land
seine Silbersichel spannt,
lugt hervor beim Eulenruf,
was ein Zauberwort erschuf,
was auf leisen Sohlen geht
und der Nachtwind hergeweht.

Käferlein im grünen Tann
zünden ihr Laternchen an.
Blau im blauen Mondenschein
tanzt der Elfen Geisterreihn.

Jedes aus der kleinen Schar
trägt ein Falterflügelpaar,
schwingt es durch die laue Luft
taumeltoll im Blütenduft.

In der Glockenblumen Klang
summt ihr feiner Silbersang,
und im wunderwirren Lauf
flammen kleine Kronen auf.

Aus verfallnem Geisterhaus
heimlich huscht Frau Fledermaus.
Krallenflügel flattern schnell
überm Abendrock von Fell.

Eine Moosfrau, fingergroß,
wiegt ein Kind auf ihrem Schoß,
hat es an ihr Kleid genäht,
dass es nicht verloren geht.
Und ein Männchen dürr und klein
steht auf einem Entenbein.

Alte Unken, Mann und Frau,
baden sich im Abendtau.
Dicke Pilze, rotgetupft,
kommen aus dem Wald gehupft,
nicken mit den Köpfen schwer
und bewundern alles sehr.
Und ein Rabe mit Geschrei
predigt Wissenschaft vom Ei.

Eine Maus hat sehr erschreckt
schnell ihr Abendbrot versteckt.
Meister Maulwurf klagt empört,
dass man seine Ruhe stört.

Und Titanias Lachen lacht
silbern durch die Sommernacht.
Wie ein bunter Schmetterling
flieht und fängt sich jedes Ding,
Reih'um Reihe, Ring um Ring,
Ring um Ring und Reih'um Reih'-

und beim ersten Hahnenschrei
ist's vorbei.



Manfred Kyber (1880 - 1933)
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