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Ein Wintermärchen

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Ich bin im Winterwald verirrt. Kann keinen Weg mehr finden.
An allen Tannenzweigen klirrt der Schnee in kalten Winden.

Da huscht ein Wichtelmann vorbei mit Hack und blankem Spaten.
Da ziehen Rehe fromm und scheu auf die verschneiten Saaten.

Da sitzt die Eisfrau tief im Grund und spinnt an Silberwocken.
Und tut den Zwergen Weisheit kund, die lauschend um sie hocken.

Auf weißem Hirsch kommt fein und stolz ein Elf vorbeigeritten.
Ein anderer fährt durchs Unterholz auf einem goldnen Schlitten.

Ein dritter winkt mir lachend zu aus den Machangelzweigen,
ein vierter tanzt ohn' Strümpf und Schuh im Schnee nach lustigen Geigen.

Kreuzschnäbel fliegen rot wie Blut durch silberweiße Äste.
Sie bauen schon für ihre Brut am halbverschneiten Neste.

Da kommt ein großer Wandersmann vom Berge her gegangen.
Sein Bart ist bis zur Brust heran mit lauter Eis behangen.

Sein langer blauer Mantel weht, sein Blick sucht in die Weite.
Ein griesegrauer Wolfshund geht behutsam ihm zur Seite.

Da schweigt der muntre Geigenklang, da wird die Luft so leise.
Nichts stört des mächtigen Alten Gang und seine ewige Reise.

Nur in der Tannen grün Geäst die Kreuzschnäbel singen.
Und um ihr kleines, warmes Nest geht frühlingsfrohes Klingen.

Der Alte hört's. Er steht und schaut und lächelt in die Tannen.
Das Eis in seinem Bart zertaut, und still geht er von dannen.





Anne Marie Koeppen, 1899–1940



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Raureif vor Weihnachten

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Das Christkind ist durch den Wald gegangen,
Sein Schleier blieb an den Zweigen hangen,
Da fror er fest in der Winterluft
Und glänzt heut´morgen wie lauter Duft.

Ich gehe still durch des Christkinds Garten,
Im Herzen regt sich ein süß Erwarten:
Ist schon die Erde so reich bedacht,
Was hat es mir da erst mitgebracht!



Anna Ritter (1865-1921)


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Weihnachtszeit

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Glitzer, Glimmer, Weihnachtsschimmer
Tannengrün, Bratapfelduft,
Kerzenglanz in jedem Zimmer,
Weihnachtszeit liegt in der Luft.

Draußen knirscht der Schnee ganz leise,
drinnen warm der Ofen prasselt,
Christkind geht auf seine Reise,
Wintersturm am Fenster rasselt.

Keksbackdüfte ziehn durchs Haus,
jedermann summt Weihnachtslieder.
Was gibt's wohl zum Festtagsschmaus?
Kindheitsszenen kehren wieder.

Weihnachtsmärchen alter Dichter,
Glockenklänge in der Nacht.
glücklich lächelnde Gesichter,
Gabentische voller Pracht.

Weihnachtsträume werden wahr,
Frieden kehrt im Herzen ein,
Weihnachtszeit ist wunderbar,
könnt doch immer Weihnacht sein!




Isabella Kramer©veredit07



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Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de

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Wenn es nach Zimt duftet

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Ein Zimbold ist ein kleiner Wicht,
aktiv zur Weihnachtszeit.
wo er sich rumtreibt, riecht es gut,
und Zimtlust macht sich breit.

Ist er verstört und aufgeregt,
verstärkt sich noch der Duft.
Wenn er auch noch sein Mützchen sucht,
dann rülpst er Glitzerluft.

Blau-weiß gestrubbelt Wichtelhaar
ziert seinen kleinen Kopf
und eine dicke Mandel,
nutzt er als Jackenknopf.

An sich ist er ganz hilfreich,
tut Gutes, wo er kann.
Doch mag er auch ein Schelm sein,
stibitzt gern – dann und wann.

So fehlt mal hier ein Plätzchen,
und dort ein Schokokringel.
Er kann es halt nicht lassen,
der Zimbold ist ein Schlingel.

Von Herzen ganz ein Sanfter,
summt er gern Weihnachtslieder
und bist du mal recht traurig,
erheitert er dich wieder.

Nachts flüstert er dir Märchen,
beim Schlaf ganz leis‘ ins Ohr
und zaubert so schneeweißes
Traumlandgefühl hervor.

Nur eins mag er nicht haben,
dann wird er wirklich wild,
die Anti-Weihnachtsmenschen,
da ist er gar nicht mild‘.

Die zwickt und zwackt er tüchtig,
schafft Nüsse in die Schuh.
Er kann da recht bestimmt sein
und gibt nicht eher Ruh,

bis alle Augen strahlen
und jeder weit und breit,
es fühlt mit ganzem Herzen:
das Glück der Weihnachtszeit!






veredit©09 isabella kramer



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Wir backen Plätzchen

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Wir backen Plätzchen

Zuckrigsüß verschmierte Lippen.
Nasen weißbestäubt mit Mehl.
Finger kneten, pappen, rollen.
Manches geht dabei auch fehl.

Doch die werden gleich vertilgt.
Schade drum, doch wirklich lecker.
Eifrig werkeln und verzieren,
ehrt die Weihnachtskeksebäcker.

Eischnee bildet weiße Berge
und es duftet fein nach Zimt.
Schokokuss und Mandelherzen,
diese Menge reicht bestimmt!

Orangeat und Zuckerguss,
Liebesperlen richtig dick.
Jedes Teil ein kleines Kunstwerk.
Ja, so sind sie richtig chic.

Ab damit in schmucke Dosen.
Huch! - die ganze Küche klebt.
Es ist jedes Jahr das Gleiche.
Mama lacht: Weihnachten lebt!



Isabella Kramer - veredit©08.12.09



Wir backen Plätzchen - (c) - Isabella Kramer Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
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Durch den Nebel

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Graue Nebel sind gekommen,
Jetzt ist ihre Jahreszeit.
Bäume seh ich nur verschwommen;
Bis zum Teich ist ´s nicht mehr weit.

Worte hab ich ausgewählt,
Die den Weg zum Teich hin finden,
Aber wenn ´s am Herzen fehlt,
Werd ich sie umsonst verkünden.

Denn der Weg zum Teich ist leise,
Nur die Herzen hören ihn,
Darum sing ich diese Weise,
Dass die Nebel sich verziehn.

Langsam zeigen sich die Bäume,
Die den Teich durchs Jahr begleiten,
Und sie finden ihre Träume,
Weil sich ihre Herzen weiten.




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Nutzen der Nacktheit

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Ob die armen Bäume frieren,
Wenn sie keine Blätter zieren? -
Wenn die Blätter runter purzeln,
Dann bedecken sie die Wurzeln,
Um den ganzen Baum zu schützen:
So kann auch die Nacktheit nützen.







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Rätsel aus Turandot - Friedrich Schiller

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Von Perlen baut sich eine Brücke
Hoch über einen grauen See,
Sie baut sich auf im Augenblicke,
Und schwindelnd steigt sie in die Höh.

Der höchsten Schiffe höchste Masten
Ziehn unter ihrem Bogen hin,
Sie selber trug noch keine Lasten
Und scheint, wenn du ihr nahst, zu fliehn.

Sie wird erst mit dem Strom, und schwindet,
Sowie des Wassers Flut versiegt.
So sprich, wo sich die Brücke findet,
Und wer sie künstlich hat gefügt?

Diese Brücke, die von Perlen sich erbaut,
Sich glänzend hebt und in die Lüfte gründet,
Die mit dem Strom erst wird und mit dem Strome schwindet
Und über die kein Wandrer noch gezogen,
Am Himmel siehst du sie, sie heißt – der Regenbogen.


Johann Christoph Friedrich von Schiller, (1759 - 1805), deutscher Dichter und Dramatiker Quelle : Rätsel aus »Turandot«

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Moorsee





kein Windhauch
tiefschwarz, atemlos
lockender Onyxspiegel

träg‘ schwankt das Riet
blass fließt das Licht, weiß
klingt Salomones Siegel

fahlgelb
der Tanz der Birken
ein Auerhahn schräg lacht

die Jungfern
ihre Kreise wirken
gib auf den Tritt fein acht

und huscht
ein Schatten grau
durch schäumendes Geginster

dann raunt der See
dir ahnungsvoll -
die Wolken drohen finster

vom Grund her
mahnen Glocken
an längst versunk‘ne Zeit

sanft schließt
das Moor die Lippen -
wahrt die Vergangenheit



veredit©09


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Segelschiffe

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photo by courtesy of
Robert Weber ©Copyright



Sie haben das mächtige Meer unterm Bauch
Und über sich Wolken und Sterne.
Sie lassen sich fahren vom himmlischen Hauch
mit Herrenblick in die Ferne.

Sie schaukeln kokett in des Schicksals Hand
Wie trunkene Schmetterlinge.
Aber sie tragen von Land zu Land
Fürsorglich wertvolle Dinge.

Wie das im Wind liegt und sich wiegt,
Tauwebüberspannt durch die Wogen,
Da ist eine Kunst, die friedlich siegt,
Und ihr Fleiß ist nicht verlogen.

Es rauscht wie Freiheit. Es riecht wie Welt. -
Natur gewordene Planken
Sind Segelschiffe. - Ihr Anblick erhellt
Und weitet unsre Gedanken




Joachim Ringelnatz, 1883-1934





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Die Buche










Die Buche sagt: Mein Walten bleibt das Laub.
Ich bin kein Baum mit sprechenden Gedanken,
Mein Ausdruck wird ein Ästeüberranken,
Ich bin das Laub, die Krone überm Staub.

Dem warmen Aufruf mag ich rasch vertraun,
Ich fang im Frühling selig an zu reden,
Ich wende mich in schlichter Art an jeden.
Du staunst, denn ich beginne rostigbraun!

Mein Waldgehaben zeigt sich sommerfroh.
Ich will, dass Nebel sich um Äste legen,
Ich mag das Nass, ich selber bin der Regen.
Die Hitze stirbt: ich grüne lichterloh!

Die Winterspflicht erfüll ich ernst und grau.
Doch schütt ich erst den Herbst aus meinem Wesen.
Er ist noch niemals ohne mich gewesen.
Da werd ich Teppich, sammetrote Au.






Theodor Däubler, 1876 - 1934


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November










Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdriesslich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist ’ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn’ Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelsthau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt’s an jedem Zweig,
Einer dicken Thräne gleich.

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch’ unvernünft’ges Toben
Schon im Voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So, dass wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!



Heinrich Seidel, 1842 - 1906


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Die Fledermaus

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Ein kleines Mäuschen kroch
stets unzufrieden in sein Loch;
stets wünscht' es: Wär' ich doch
der kleine Vogel nur
und flög' in freier Luft! Zeus sagte zum
Merkur:
Ich will der Närrin Wunsch gewähren,
Erscheine, Maus! - Sie kam,
den Götterspruch zu hören.
Wohlan, sprach Zeus, zum Zeitvertreib,
geb' ich Dir Flügel an den Leib.
Nun flieg!
Halb Vogel und halb Maus,
flog sie und hieß die Fledermaus.
Merkur sah sie und lachte;
Nun fliegt sie nur bei Nachte.





Johann Wilhelm Ludwig Gleim, 1719 - 1803


Bild von wikicommons: Square-townsend-fledermaus

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Krah! oder.... Krawall im Morgengrauen





Raben zetern in den Wipfeln
Schrilles Krah stört Schläfers Ruh.
Gott Erbarmen! Vier Uhr dreißig
Und ich krieg kein Aug' mehr zu.

Mit Gekrächz sie disputieren,
Raben sind nicht gern allein.
Doch statt freundlich zuzuhören,
Scheinen die sich anzuschreien.

Jetzt – sie schweigen, kann’s kaum fassen!
Eingekuschelt, Traumland winkt.
Selig gerade eingeschlummert,
Als es frech von draußen klingt.


Krah!






veredit©08

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Foto©Copyright Brigitte Lorenz 




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Pflaumenregen





Es steht ein Baum im Garten,
von Pflaumen voll und schwer.
Die Kinder drunten warten
und lauschen ringsumher,
ob nicht der Wind ihn rüttelt
und all die Pflaumen schüttelt,
daß alle purzeln kreuz und quer.

Doch horcht, wie's rauscht und rappelt!
Im Wald wacht auf der Wind.
Schon zischelt er und zappelt
und trappelt her geschwind
und wiegt und biegt die Äste,
daß schier in ihrem Neste
die Finken nimmer sicher sind.

Nun fällt ein Pflaumenregen,
der aber macht nicht naß.
Im Gras herumzufegen,
ist da der größte Spaß.
O Wind, o Wind, o rüttle,
o Wind, o Wind, o schüttle!
Wir grapsen ohne Unterlaß.










Friedrich Wilhelm Güll, 1812 – 1879 



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Leise







Leise, Peterle, leise!
Der Mond geht auf die Reise,
Er hat ein weißes Pferd gezäumt,
Das geht so still, als ob es träumt…
Leise, Peterle, leise!

Stille, Peterle, stille!
Der Mond hat eine Brille:
Ein graues Wölkchen schob sich vor,
Das sitzt ihm grad auf Nas und Ohr.
Stille, Peterle, stille!

Träume, Peterle, träume!
Der Mond guckt durch die Blume;
Ich glaube gar, nun bleibt er stehn,
Um Peterle im Schlaf zu sehen.
Träume, Peterle, träume!

Ruhe, Peterle, ruhe!
Der Mond hat goldene Schuhe.
Er hat sie schon bei Tag geputzt,
Weil er sie ja nur nachts benutzt.
Ruhe, Peterle, ruhe!

Schlafe, Peterle, schlafe!
Der Mond hat goldene Schafe.
Sie gehn am Himmel still und sacht
Und sagen Peterle "Gut' Nacht!"
Schlafe, Peterle, schlafe!



Paula Dehmel, 1862 - 1918

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Das Karussell





Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
Sich eine kleine Weile der Bestand
Von bunten Pferden, alle aus dem Land,
Das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
Doch alle haben Mut in ihren Mienen;
Ein böser roter Löwe geht mit ihnen

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
Nur daß er einen Sattel trägt und drüber
Ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
Und hält sich mit der kleinen heißen Hand,
Dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
Auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
Fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
Schauen sie auf, irgendwohin, herüber -

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
Und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
Ein kleines kaum begonnenes Profil.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
Ein seliges, das blendet und verschwendet
An dieses atemlose blinde Spiel ...




Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926



Gemälde "Carousel at Night at the Fair" von Ferdinand du Puigaudeau (1864-1930)  ....commons.wikimedia.org

Hutsaison








Modenschau im Zwergenwald
jetzt ist Hochsaison für Hut
Winterwinde drohen bald
da kommt Chic am Kopfe gut

Die Modelle sind entzückend
Auswahl, Farben – grenzenlos
Formenvielfalt schier berückend
Kreationen ganz famos

Spritzig gelbe für die Elfen
leuchtend, pfiffig, angesagt
kokett, wippend Gräser helfen
fühlt man sich schon zu betagt

Frech, frivole Moosrandmützen
letzter Schrei für jeden Beau*
elegant vor Kälte schützen
zeigen Stil mit viel Niveau

Schillernd blaue, voller Federn
schon als Trend vorhergesagt
andere ähneln Wagenrädern
da ist Mut zum Hut gefragt

Braune, kernig, ganz aus Rinde
für den Zwergenmann von Welt
gar die Farnkrauthochgebinde
wär‘n schon was Frau so gefällt

Zwergenmädchen mit viel Chic
zeigen wahre Traummodelle
Spinnwebschleifchen im Genick
zart getönt, wie Aquarelle

Jeder Typ wird hier verwöhnt
Warmes, Edles mit Esprit
laut der Schlussapplaus ertönt
solche Hüte gab‘s noch nie!



veredit©24.09.08


auch als Hörversion verfügbar: Hutsaison!!







Safe Creative #1009267442515


*Beau -  kommt aus dem Französischen und bedeutet "der Schöne" ... du weißt schon, in der Modeszene sprechen sie alle gern mit französischem Akzent ...


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Blätterfall








Der Herbstwald raschelt um mich her.
Ein unabsehbar Blättermeer
Entperlt dem Netz der Zweige.
Du aber, dessen schweres Herz
Mitklagen will den großen Schmerz:
Sei stark, sei stark und schweige!



Du lerne lächeln, wenn das Laub
Dem leichteren Wind ein leichter Raub
Hinabschwankt und verschwindet.
Du weißt, dass just Vergänglichkeit
Das Schwert, womit der Geist der Zeit
Sich selber überwindet.



Christian Morgenstern, 1871 - 1914

Das Mäuselein







Still stand die Wiege, das Kind schlief fest,
Ein Mäuselein sich blicken lässt,
Wippelndes, trippelndes Ding!
Es dreht das Köpfchen hin und her,
Es hüpft und tänzelt kreuz und quer,
Hin und her, kreuz und quer.
Mach' kein Geräusch, o Mäuselein!
Sonst fängt mein Kind gleich an zu schrei'n.

Das Mäuselein nimmt sich wohl in Acht,
Es schleicht zur Wiege sacht, ganz sacht,
Wippelndes, trippelndes Ding!
Es schaut und schnuppert rings umher,
Wo wohl ein Krümchen Kuchen wär',
Kuchen wär', Kuchen wär',
Mach' kein Geräusch, o Mäuselein!
Sonst fängt mein Kind gleich an zu schrei'n.

Und alle Krümchen, die da sind,
Die gönnt dir alle gern mein Kind,
Wippelndes, trippelndes Ding!
Wie hat's geschmeckt dem Mäuslein doch!
's Ist eins zwei drei in seinem Loch,
Seinem Loch, seinem Loch.
Mäuselein, hast es gut gemacht:
Mein Kindlein schläft, nun gute Nacht.






Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874


Das Samenkorn






Ein Samenkorn lag auf dem Rücken,
Die Amsel wollte es zerpicken.

Aus Mitleid hat sie es verschont
Und wurde dafür reich belohnt.

Das Korn, das auf der Erde lag,
Das wuchs und wuchs von Tag zu Tag.

Jetzt ist es schon ein hoher Baum
Und trägt ein Nest aus weichem Flaum.

Die Amsel hat das Nest erbaut;
Dort sitzt sie nun und zwitschert laut.







Joachim Ringelnatz, 1883-1934

Fingerhütchen




Liebe Kinder, wißt ihr, wo
Fingerhut zu Hause?
Tief im Tal von Acherloo
Hat er Herd und Klause;
Aber schon in jungen Tagen
Muß er einen Höcker tragen,
Geht er, wunderlicher nie
Wallte man auf Erden!
Sitzt er, staunen Kinn und Knie,
Daß sie Nachbarn werden.

Körbe flicht aus Binsen er,
Früh und spät sich regend,
Trägt sie zum Verkauf umher
In der ganze Gegend,
Und er gäbe sich zufrieden,
Wär' er nicht im Volk gemieden;
Denn man zischelt mancherlei:
Daß ein Hexenmeister,
Daß er kräuterkundig sei
Und im Bund der Geister.

Solches ist die Wahrheit nicht,
Ist ein leeres Meinen,
Doch das Volk im Dämmerlicht
Schaudert vor dem Kleinen.
So die Jungen wie die Alten
Weichen aus dem Ungestalten -
Doch vorüber wohlgemut
Auf des Schusters Räppchen
Trabt er. Blauer Fingerhut
Nickt von seinem Käppchen.

Einmal geht er heim bei Nacht
Nach des Tages Lasten,
Hat den halben Weg gemacht,
Darf ein bißchen rasten,
Setzt sich und den Korb daneben,
Schimmernd hebt der Mond sich eben:
Fingerhut ist gar nicht bang,
Ihm ist gar nicht schaurig,
Nur daß noch der Weg so lang,
Macht den Kleinen traurig.

Etwas hört er klingen fein -
Nicht mit rechten Dingen,
Mitten aus dem grünen Rain
Ein melodisch Singen:
"Silberfähre, gleitest leise" -
Schon verstummt die kurze Weise.
Fingerhütchen spähet scharf
Und kann nichts entdecken,
Aber was er hören darf,
Ist nicht zum Erschrecken.

Wieder hebt das Liedchen an
Unter Busch und Hecken,
Doch es bleibt der Reimgespan
Stets im Hügel stecken.
"Silberfähre, gleitest leise" -
Wiederum verstummt die Weise.
Lieblich ist, doch einerlei
Der Gesang der Elfen,
Fingerhütchen fällt es bei,
Ihnen einzuhelfen.

Fingerhütchen lauert still
Auf der Töne Leiter,
Wie das Liedchen enden will,
Führt er leicht es weiter:
"Silberfähre, gleitest leise" -
"Ohne Ruder, ohne Gleise."
Aus dem Hügel ruft's empor:
"Das ist dir gelungen!"
Unterm Boden kommt hervor
Kleines Volk gesprungen.

"Fingerhütchen, Fingerhut",
Lärmt die tolle Runde,
"Faß dir einen frischen Mut!
Günstig ist die Stunde!
Silberfähre, gleitest leise
Ohne Ruder, ohne Gleise!
Dieses hast du brav gemacht,
Lernet es, ihr Sänger!
Wie du es zustand gebracht,
Hübscher ist's und länger!

Zeig dich einmal, schöner Mann!
Laß dich einmal sehen!
Vorn zuerst und hinten dann!
Laß dich einmal drehen!
Weh! Was müssen wir erblicken!
Fingerhütchen, welch ein Rücken!
Auf der Schulter, liebe Zeit,
Trägst du grause Bürde!
Ohne hübsche Leiblichkeit
Was ist Geisteswürde?

Eine ganze Stirne voll
Glücklicher Gedanken,
Unter einem Höcker soll
Länger nicht sie schwanken!
Strecket euch, verkrümmte Glieder!
Garstger Buckel, purzle nieder!
Fingerhut, nun bist du grad,
Deines Fehls genesen!
Heil zum schlanken Rückengrat!
Heil zum neuen Wesen!"

Plötzlich steckt der Elfenchor
Wieder tief im Raine,
Aus dem Hügelrund empor
Tönt's im Mondenscheine:
"Silberfähre, gleitest leise
Ohne Ruder, ohne Gleise."
Fingerhütchen wird es satt,
Wäre gern daheime,
Er entschlummert laß und matt
An dem eignen Reime.

Schlummert eine ganze Nacht
Auf derselben Stelle,
Wie er endlich auferwacht,
Scheint die Sonne helle:
Kühe weiden, Schafe grasen
Auf des Elfenhügels Rasen.
Fingerhut ist bald bekannt,
Läßt die Blicke schweifen,
Sachte dreht er dann die Hand,
Hinter sich zu greifen.

Ist ihm Heil im Traum geschehn?
Ist das Heil die Wahrheit?
Wird das Elfenwort bestehn
Vor des Tages Klarheit?
Und er tastet, tastet, tastet:
Unbebürdet! Unbelastet!
"Jetzt bin ich ein grader Mann!"
Jauchzt er ohne Ende,
Wie ein Hirschlein jagt er dann
Über Feld behende.

Fingerhut steht plötzlich still,
Tastet leicht und leise,
Ob er wieder wachsen will?
Nein, in keiner Weise!
Selig preist er Nacht und Stunde,
Da er sang im Geisterbunde -
Fingerhütchen wandelt schlank,
Gleich als hätt' er Flügel,
Seit er schlummernd niedersank
Nachts am Elfenhügel.








Conrad Ferdinand Meyer, 1825 - 1898





Fotos mit freundlicher Genehmigung von ©Copyright Brigitte Lorenz


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Badespaß - Ein Ottergedicht!





Paul Knackfisch – unser Oberotter,
fand Schwimmen nur im See zu fade,
beschloss zu testen, wie es wäre,
wenn er im Pool der Nachbarn bade.

Berauscht von diesem wundervollen Einfall,
schlich er sich flugs, am hellen Tag
in Schulzes wunderschönen Garten,
wo unberührt sein Traumziel lag.

Ach, das war eine wahre Wonne!
Mit einem Hechtsprung war er drin.
Im Salto kurz emporgeschnellt,
so macht das Otterleben Sinn.

Das gab ein Quietschen und ein Spritzen!
Paul’s Äuglein glitzern vor Entzücken,
er prustet, rollt und taucht und paddelt,
zieht pfeilschnell Bahnen auf dem Rücken.

Die Gaudi fand ein jähes Ende,
als Friedhelm Schulz, ganz Herr des Reichs,
am Beckenrand mit finstrer Miene
sprach: „Sofort raus aus meinem Teich!

Für Otter hab ich zwar ne Schwäche,
doch nur im Zoo und hinter Glas.
Hier ist mein Nass, du hast das deine,
drum endet hier dein Badespaß!“

Vorbei der Jux. Der Paul, der trollt sich.
Da ist der See ihm doch viel lieber,
denn dort ist er der Oberotter,
verteilt nur er die Nasenstüber.



veredit© Isabella Kramer 19.07.08




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Foto von Wikimedia Commons



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Rätsel - von Paula Dehmel

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Ich habe Flügel, rate Kind,
doch flieg ich nur im Kreise,
und singen tu ich, wenn der Wind
mir vorpfeift, laut und leise,
was ihr den Feldern abgewinnt,
kau ich auf meine Weise,
doch – was mir durch die Kehle rinnt,
das mundet euch als Speise.



Paula Dehmel, 1862-1918






















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Brombeerfest bei den Waldmäusen

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Erntefest im Brombeerhag!
Jetzt schöpft jeder aus dem Vollen.
Fips und Tini, auch Freund Snaag
dürfen schlemmen, wie sie wollen.

Also wird geturnt, gehangelt,
hochgesprungen, abgeseilt,
Schwänzchen sich an Schwänzchen rangelt,
wenn man zu der Beute eilt.

Denn ein jeder möcht‘ die prallen
leckerschmecker Beerenbälle,
die zuhauf zu Boden fallen,
heimwärts schleppen auf die Schnelle.

Doch die besten hängen oben,
von der Sonne süß verwöhnt.
Rasch die Leitern rangeschoben.
Siegesfrohes Lachen tönt.

Max, der Kleinste, wuselt gleich
ganz nach oben mit Geschick.
Schnappt sich zwei auf einen Streich.
Jedes Jahr der gleiche Trick.

Friedolin und Maus Sophie
stimmen an das Brombeerlied.
Froher singen Mäuse nie,
als mit blauem Saft beschmiert.

Alle ausgelassen toben,
andere kochen oder schlemmen,
Nachbars Saftrezepte loben,
manches Brombeerkrügerl stemmen.

Längst schon ist der Mond erschienen
und beleuchtet sanft das Fest.
Brombeerselig sind die Mienen,
als man müde es verlässt.




veredit©isabella.kramer 08




Auch als Hörversion verfügbar: Brombeerfest bei den Waldmäusen




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Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
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Tannenwald






Wo bin ich gewesen?
Nun rat einmal schön!
Im Wald bist gewesen,
das kann ich ja sehn.

Spinnweben am Kleidchen,
Tannnadeln im Haar,
das bringt ja nur mit,
wer im Tannenwald war.

Was tat ich im Walde?
Sprich, weißt du das auch?
Hast Beerlein gepickt
vom Heidelbeerstrauch.

O sieh nur, wie blau
um das Mündchen du bist!
Das bekommt man ja nur,
wenn man Heidelbeern isst!







Johannes Trojan, 1837-1915

Ich bin der Juli




Grüß Gott! Erlaubt mir, dass ich sitze.
Ich bin der Juli, spürt ihr die Hitze?
Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,
die Ähren sind zum Bersten voll;
reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Rüben und Bohnen und Schoten.


So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf nun ein bisschen im Schatten ruhn.
Duftender Lindenbaum,
rausche den Sommertraum!
Seht ihr die Wolke? Fühlt ihr die Schwüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.






Paula Dehmel, 1862-1918




.

Schneckenparty



Die Schnirkelschnecke Schabernack
frisst sich zu gern an Funkien satt.
Mit ihren feinen Schneckenzähnen,
kann sie nicht nur entzückend gähnen,

nein, mit schönsten Löchern ziseliert,
sie kunstgerecht und höchst versiert,
so manchen Gartens Pflanzenwelt,
wie’s Schneckenart nun mal gefällt.

Kein Kräutlein wird da übersehen,
schon ist‘s mit einem Biss versehen.
Und weil sie ungern schmaust allein,
lädt sie geschwind Verwandtschaft ein.

Gemeinsam schlemmt sich‘s einfach netter,
am besten noch bei Regenwetter.
Dann gibt es Regenschneckenfeste,
wo sie serviert dann nur das Beste.

Für Vetter Kurt den Kopfsalat,
denn der schmeckt heut besonders zart
und für Cousine Schleimchenspur,
die achtet immer auf Figur,

gibt es von feiner Akelei
ein Blättchen oder doch heut‘ zwei?
Am End‘ sind alle glücklich satt,
dem Garten fehlt so manches Blatt.

Wie gut, dass auch in Nachbars Garten,
gar deliziöse Triebe warten,
auf Lochmuster vom Schneckenzähnen,
denkt sie mit einem letztem Gähnen.

Für heute ist die Party aus!
Zum Schlafen geht’s ins Schneckenhaus,
denn Schnecken haben‘s wirklich nett,
schwupps, sind sie gleich in ihrem Bett.




veredit©isabella.kramer 08


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zum Hören: hier



auch als Video:






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Nach einem Regen



 


Sieh, der Himmel wird blau;
die Schwalben jagen sich
wie Fische über den nassen Birken.
Und du willst weinen?

In deiner Seele werden bald
die blanken Bäume und blauen Vögel
ein goldnes Bild sein.
Und du weinst?

Mit meinen Augen
seh' ich in deinen
zwei kleine Sonnen.
Und du lächelst.






 





Richard Fedor Leopold Dehmel, 1863 - 1920

Souris heißt Maus





Souris heißt Maus, das schien mir passend,
als Katzenname ungemein,
denn sie sieht grau aus und ganz ängstlich
und macht sich gerne klitzeklein.

Und niemals kommt ihr in den Sinn,
sie könnt‘ ja selber mal was jagen.
Als Mäusefängerin kein Gewinn,
lässt sie sich auf dem Arm rumtragen.

Mit ihren Äuglein - rund und riesig,
verschreckt sie in der Welt rumblickt.
Dafür find‘jeder sie „Voll niedlich!“
und sie ist drauf total beglückt.

Wie alle Mäuschen ist sie listig
und findet immer einen Weg.
Statt fauchend, ist sie einfach witzig.
Ein Charme, dem niemand widersteht.

Denn wer laut lacht, der kann schlecht schelten.
Und auf Humor folgt Toleranz.
Die Regeln, die für andere gelten,
wickelt sie um den Katzenschwanz.

Sie ist 'ne Katze und heißt Maus.
Kein Name würd ihr besser passen.
Französisch wurd‘ dann Souris draus,
ein bisschen Adel muss man ihr lassen.


veredit©2008



auch als Hörversion verfügbar:
Souris heißt Maus - 



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Wassermuhmen










In dem See die Wassermuhmen
wollen ihr Vergnügen haben,
fangen Mädchen sich und Knaben,
machen Frösche draus und Blumen.

Wie die Blümlein zärtlich knicksen,
wie die Frösche zärtlich quaken,
wie sie flüstern, wie sie schnaken,
so was freut die alten Nixen.









Wilhelm Busch, 1832 - 1908




* Muhme - ursprüngliche Anwendung dieser veralteten Bezeichnung für die Schwester der Mutter, also Tante - spätere Ausweitung auf jegliche weibliche Verwandte. Auch wurden Naturgeister oft mit dem Zusatz bezeichnet wie z.B. Roggenmuhme

Das Märchen von der Wolke







Der Tag ging aus mit mildem Tone,
so wie ein Hammerschlag verklang.
Wie eine gelbe Goldmelone
lag groß der Mond im Kraut am Hang.

Ein Wölkchen wollte davon naschen,
und es gelang ihm, ein paar Zoll
des hellen Rundes zu erhaschen,
rasch kaut es sich die Bäckchen voll.

Es hielt sich lange auf der Flucht auf
und sog sich ganz mit Lichte an; -
da hob die Nacht die goldne Frucht auf:
Schwarz ward die Wolke und zerrann.









Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926










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Eine seltsame Kaffeegesellschaft








Die Witwe Frau von Gänseschwein,
Die lud sich die Gesellschaft ein,
Die neulich auf dem Forsthaus war
Bei einem Kaffee wunderbar.
Es sitzen da an einem Tisch:
Herr Fischent und Frau Entenfisch,
Herr Hahnenhund, Frau Schnauzerhuhn,
Die wollen sich recht gütlich tun,
Dazu kommt noch Frau Schlangenspatz,
Mit ihrem Freund Herrn Ratzenkatz.
Sie trinken viele Tassen leer,
Es schmeckt der gute Kuchen sehr.
Dann lecken sie die Teller rein
Und putzen sich die Mäuler fein,
Sie grüßen sich und sagen:
Auf Wiedersehn in acht Tagen!






Heinrich Hoffmann, 1809-1894

Ein Frosch




Ein Frosch – denkt Ihr, der sei gewöhnlich?
Doch dabei habt Ihr weit gefehlt.
Denn es ist, wie im richtigen Leben,
wo nicht nur äußere Schönheit zählt.



Mit goldnem Krönchen er regiert,

oft ganz versteckt im Märchenwald,
verwunschne Quellen, reich verziert,
wo Nymphen oder in Gestalt


von Nixen Zauberwesen leben.

Uns gut bekannt aus Kindertagen.
Sie sollen Träumen Hoffnung geben.
Wird uns erzählt in alten Sagen.


In manchen Fröschen wir vermuten,

hält sich ein kleiner Prinz versteckt.
Der wendet alles dann zum Guten,
erfüllt manch edlen anderen Zweck.

Und drum sind Frösche nicht banal,

nicht glitschig, grün und oft auch feucht,
sie haben auch in großer Zahl
versteckte Werte, wie es deucht!





Isabella Kramer © veredit 



auch als Videoversion verfügbar: Link anklicken, Ein Frosch - gedicht viel, viel Vergnügen!







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Künstlerleben einer Maus







In Notre Dame da lebt Jean-Pierre,
als Kirchenmaus und Maler.
Er hat viel Charme, Talent, Esprit,
halt Künstler – ein genialer.

Jean-Pi der Große nennt man ihn
und das mit Fug und Recht.
Sein Pinselstrich ist manifiek,
sein Künstlerbart stilecht.

An diesem Morgen spürt er es,
Paris ist strahlend schön.
Die ganze Luft ist himmelblau,
die Sonne küsst die Seine.

Auf bunten Wolken schwebt Jean-Pierre,
fühlt kribblig Frühlingsziehen.
Schnappt Farben, Leinwand, Pinsel sich -
„Auf in die Tüllerien!“

Der kleine Klappstuhl muss noch mit,
dann ist Jean Pierre komplett.
Die Tauben gurren „Orewoar
und mach’s dir richtig nett!“

Im Park gibt es kein Halten mehr,
er malt wie in Ekstase,
verwechselt Schwanz und Pinsel gar,
Farbspritzer bis zur Nase.

Magnolien, Tulpen, Akelein,
Veilchen wie blaue Seen.
Erst als die Sonne sanft verglüht,
beschließt auch er zu gehen.

Der kleine Kopf vor Farben schwirrt,
sein Kittel voll bekleckst.
Der Schritt beschwingt, der Magen knurrt
„plein air“ hat ihn behext.

Selbst noch im Schlaf in dieser Nacht,
hat er nur eins im Sinn
und murmelt leis‘ im Traum für sich:
"Ein glücklisch Maus isch bin!"





veredit©Isabella Kramer 2009



 mehr von Jean Pierre gibt es: hier
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Pinadoras Suche





Das kleine Käuzchen Pinadora
ist schon viel zu lang allein,
abgrundtraurig klingt ihr Kiwitt,
möchte nicht mehr einsam sein.

Deshalb denkt sie sich im Stillen,
nichts bringt mir mein Weh und Klagen,
muss mein Glück mir selber suchen,
heute werde ich es wagen!

Schon fliegt sie am hellen Tage,
obschon sie da sonst doch ruht,
zu den Auwaldwiesen rüber – schau
ein Storch stelzt dort, wie gut!

Lieber Storch, ich grüß euch herzlich,
suche einen Freund fürs Leben.
Ich bin jung und recht verträglich,
könnten wir ein Paar abgeben?

Meister Adebar - der Eitle -
gönnt ihr nicht mal einen Blick.
Spreizt blasiert nur sein Gefieder,
visiert einen Frosch und - pick!

Doch schon bei dem Apfelbauern
Pinadoras nächste Wahl,
fällt auf Hofhahn Friedrich-Peter.
Muster eines Prachtgemahl!

Jener kräht gleich übereifrig:
Frauen - die hab‘ ich in Massen,
du kannst nicht mal richtig gackern.
Käuzchen, nein, da muss ich passen!

Als der Mond die Nacht ankündigt,
ist des Käuzchens Herz ganz schwer,
ihre Flügel hängen traurig
und die Augen schauen leer.

Müde sucht sie sich als Plätzchen,
wo sie ausruhen kann und träumen,
die verfallene Wildschutzhütte,
gut beschützt von Eichenbäumen.

Dort hat einstmals sie vor Jahren,
einen jungen Kauz gehört.
Warb um sie so lieb und innig -
hätte sie ihn nur erhört.

Als sie lautlos unters Dach huscht,
sich an einen Balken schmiegt
hört sie leises, zartes Rufen -
urvertrautes Käuzchenlied.

Er, der Jahre dort gewartet,
sehnsüchtig um sie geweint,
sicher war, sie würde kommen,
freut sich, nun sind sie vereint!




veredit©isabella.kramer 08/14






Safe Creative #1004115965314

 Aquarellstudie nach Meyer-Jaspers, daher unverkäuflich ©isabella kramer - veredit1992

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