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Windes Schlaflied

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Sei still, mein Kind,
und lausch dem Wind,
der wispert, raunt
und rauscht geschwind
ums Haus, mit Saus
und mit
Geheul und viel Gebraus.

Hör zu, wie's klopft
und regentropft
auf Dach und First
über dem Kopf.
Bett´ gut zur Ruh´
dich hin
und mach die Äuglein zu.

Lass wiegen dich
in festen Schlummer
von Windes Klang,
der jeden Kummer
mit sich nimmt im Nu.

Drum sei nicht bang:
's ist die Natur,
und Teil davon, mein Kind, bist DU.







mit freundlicher Genehmigung von ©die amelie ´ 09

Gemälde: Gerhard Wilhelm von Reutern, 1843


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Im hellen Sonnenglanz

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Im hellen Sonnenglanz


Wie sieht die Welt so anders aus
Im hellen Sonnenglanz!
Da ist der Wald ein schmuckes Haus,
Erhellt zu Spiel und Tanz.

Der Vöglein buntgefiedert Chor
Spielt auf im muntern Takt,
Von Sanges Luft sind Schilf und Rohr
Und Gras und Halm gepackt.

Der Käfer summt und surrt vergnügt.
Das Heimchen zirpt sein Lied,
Der Schmetterling sich tosend schmiegt
An Blume, Blatt und Blüt’.

Und in dem grünen Blätterhaus
Prangt rings der Blumen Kranz.
Wie sieht die Welt so anders aus
Im hellen Sonnenglanz!







Hugo Lissauer, 1843-1910





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Kinderlied

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ach wär ich 
ein Wölkchen
mitten auf Blau
luftig gehoben
vom Wind geschoben
und doch frei

ach wär ich
ein Lämmchen
allein unter vielen
vom Schäfer geherzt
vom Hund getrieben
und doch frei

ach wär ich
das Kind
auf Sommerwiesen
mit bloßen Füßen
tanzte ich mich
frei











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Frühling

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Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!"

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
"Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!"

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
"Der Frühling, der Frühling!" - da wußt' ich genug!






Heinrich Seidel, 1842 - 1906 





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