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Fabel vom Unkraut

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Fabel vom Unkraut

Hirtentäschel sprach zur Melde:
„Warum haben wir kein Beet?
Selbst aus seinem größten Felde
mürrisch uns der Bauer jät.

Raps und Leinen sind von allen
wohlgelitten und gehegt,
plumpe Rüben auch gefallen,
und die Erbse wird gepflegt.

Sind wir denn von mindrer Güte
als des Krautes blauer Kopf?
Zierten wir nicht manche Hüte,
flochten Kränze manchem Schopf?“

Und die Nessel und die Möhre
mischten ihre Stimmen ein,
auch des Schachtelhalmes Föhre
wollte nicht verachtet sein.

Schickten drum zu jenem Gotte,
der sie spielend einst gebar.
„Löst uns von diesem Spotte!“
rief der Blumen Klägerschar.

Winde schwenkte weiße Glocken,
Distel ihren Dornenhut,
um den Gott zu sich zu locken,
werbend um sein Gnadengut.

„Ach, wenn nicht die Kinder wären
und die Bienen nimmersatt“,
schrien sie unter Honigzähren,
„längst wärn wir des Blühens satt.“

Beugte sich der Gott zu jeder,
hob sie vor sein Angesicht,
pries der Nelke rote Feder
und des Senfkrauts gelbes Licht.

„Blüht ihr nicht vor meinem Auge?“
mahnte mild, der sie gemacht.
„Fragt ich, ob der Mensch mir tauge,
reuten müsst ich Tag und Nacht.“



Martin Raschke, 1905 - 1943





Photo credit: Isabella Kramer

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Mittsommer

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Mittsommer

Der längste Tag, ganz kurz die Nacht - 
das ist die Sommersonnenwende.
Ein Grund zum Feiern allemal,
denn Sonnenlicht scheint ohne Ende

auf fröhlich strahlende Gesichter,
auf Locken unter Blumenkränzen,
wirbelnde Freunde, die bei Tänzen
sich lachend an den Händen halten.

Johannisnächte heißt's in alten
Geschichten, das sind Zaubernächte. 
Voll Glück und Gaben der Natur,
selbst Seen und Flüsse haben Mächte. 

Manch einer sammelt Blumen, Pflanzen,
heut' Nacht sind ihre Kräfte stark.
Mit Trollen um die Feuer tanzen,
auch drüber springen, wenn man mag.


Durchlässig ist in dieser Nacht
die Wand ins Reich der Feenmagie.
Ja, selbst im Morgentau danach,
natürlich barfuß, spürst du sie. 


veredit©isabella.kramer25



Gemälde copyright: Isabella Kramer 


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Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de


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Am Moor

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Am Moor

Wanderer im schwarzen Wind; leise flüstert das dürre Rohr
In der Stille des Moors. Am grauen Himmel
Ein Zug von wilden Vögeln folgt;
Quere über finsteren Wassern.

Aufruhr. In verfallener Hütte
Aufflattert mit schwarzen Flügeln die Fäulnis;
Verkrüppelte Birken seufzen im Wind.

Abend in verlassener Schenke. Den Heimweg umwittert
Die sanfte Schwermut grasender Herden,
Erscheinung der Nacht: Kröten tauchen aus silbernen Wassern.


Georg Trakl 





Photo credit: Isabella Kramer


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Der Sommer

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Der Sommer


Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
Nach bunten Schmetterlingen
Und spielen manches Spiel.

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
Im Schatten hoher Buchen
Und laben Herz und Mund.

Der Sommer, der Sommer,
Der heißt uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
Und halten Reigentänze
Beim Abendsonnenschein.



von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben,1798-1874 




Photo copyright: 
Isabella Kramer

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