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Sommer - Manfred Kyber





Sommer


Mittagsglut und Mittagsschweigen,
zeitenlos die Stunde flieht.
Nur im Gras die Grillen geigen
und ein Vogel ruft im Ried.


Über ährengoldenen Hügeln
eine Ferne blau und weit.
Leise schwingt auf Falterflügeln
Sommersonnenseligkeit ...





Manfred Kyber, 1880 - 1933






Photo copyright: 
Isabella Kramer




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Abendlied

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wie harmlos kommt's daher ...

müde bin ich geh zur Ruh
schließe meine Augen zu
leg mich hin ganz wie ich will
halte meine Füße still
mal mir einen bunten Traum
sinke tief in Blütenschaum
grab mich ein in warmen Schlamm
lutsche Daumen hab es warm
sammle für den nächsten Tag
was die Nacht mir geben mag

müde bin ich geh zur Ruh
wink dem Tag noch einmal zu
lass ihn dann ganz einfach gehen
morgen werd ich weitersehen
morgen wird ein neuer Tag
komme was da kommen mag





von Monika Reinfurt



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Der Schnupfen

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Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf dass er sich ein Opfer fasse
- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.
Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

 






Christian Morgenstern, 1871-1914










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Dämmernd liegt der Sommerabend

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Dämmernd liegt der Sommerabend 

Dämmernd liegt der Sommerabend
Über Wald und grünen Wiesen;
Goldner Mond, im blauen Himmel,
Strahlt herunter; duftig labend.

An dem Bache zirpt die Grille,
Und es regt sich in dem Wasser;
Und der Wandrer hört ein Plätschern
Und ein Atmen in der Stille.

Dorten, an dem Bach alleine,
Badet sich die schöne Elfe;
Arm und Nacken, weiß und lieblich,
Schimmern in dem Mondenscheine.






Heinrich Heine, 1797 - 1856




Foto copyright: Isabella Kramer

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Im Walde

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Im Walde

Hier an der Bergeshalde
Verstummet ganz der Wind;
Die Zweige hängen nieder;
Darunter sitzt das Kind.

Sie sitzt im Thymiane,
Sie sitzt in lauter Duft;
Die blauen Fliegen summen
Und blitzen durch die Luft.

Es steht der Wald so schweigend,
Sie schaut so klug darein;
Um ihre braunen Locken
Hinfließt der Sonnenschein.

Der Kuckuck lacht von ferne,
Es geht mir durch den Sinn:
Sie hat die goldnen Augen
Der Waldeskönigin.





Theodor Storm

Eine sehr rohe Romanze von einem Sonnenstrahl

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Vom Himmel fuhr ein Sonnenstrahl,
Zu blau war ihm die Höhe,
Er fuhr herab ins grüne Tal,
Daß er was andres sehe.
Schöner, grüner,
Veilchenblauer Sonnenstrahl.

Im grünen Tal ein Wirtshaus stand
Und auf dem Tisch ein Käse;
Der Sonnenstrahl fuhr durch die Wand
Und fuhr in diesen Käse.
Schöner, grüner usw.

Am Tisch ein alter Hausknecht saß,
Hungrig war's ihm zu Sinnen.
Derselbige den Käse fraß
Mit samt dem Strahle drinnen.
Schöner, grüner usw.

O Sonnenstrahl, du bist blamiert
In dieses Hausknechts Magen,
Sieh zu, daß er dich 'rausbugsiert,
Du kannst das nit vertragen.
Schöner, grüner usw.

Der Sonnenstrahl im Schweizerkäs
Begann ein stark Rumoren,
Bis in des Hausknechts Magen es
Gar fürchterlich gegoren.
Schöner, grüner usw.

Und als aus dieser Gärerei
Blähungen sich entspannen,
Da ward der Sonnenstrahl auch frei
Und fuhr als –! von dannen.
Schöner, grüner usw.







Joseph Victor von Scheffel, 1826 - 1886





Foto Copyright: Isabella Kramer


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