Das erfrorene Vögelchen

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Das erfrorene Vögelchen

Lag ein graugelb Vögelein 
über dem weißen Schnee, 
festgeschlossen die Augen klein, 
Beinchen in die Höh. 

Sprangen lustig vom Dorf herbei 
Kinder mit ihrem Hund, 
standen auf einmal still die drei 
vor dem Vogel am Grund. 

Hob das Mädchen ihn auf vom Schnee; 
traurig das Köpfchen hing. 
Tat den beiden das Herzchen weh; 
sprachen: "Das arme Ding!

Fand schon lange kein Körnchen mehr; 
alles so dick verschneit! 
Wenn's zu uns doch gekommen wär, 
hätten wir gerne gestreut!" 

Trugen sie's langsam zum Garten fort, 
machten ihm da sein Grab 
an den allerstillsten Ort, 
den es nur irgend gab. 

Aus dem Schnee ragt ein Hüglein frei, 
drüber ein Zweiglein gut. 
Piepen zwei kleine Vöglein dabei, 
wissen nicht, wer da ruht.



Viktor Blüthgen , 1844 - 1920

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Wir bauen einen Schneemann






Wir bauen einen Schneemann

Man nehme Schnee, leicht feucht, gut klebrig
rollt eine große Kugel draus,
die formt man dick und ganz behäbig,
setzt dann eine kleinere obenauf.

Die Dritte muss am kleinsten sein.
Zum Abschluss bildet sie den Kopf.
Zwei Kohlenäuglein glitzern fein,
perfekt als Hut ein alter Topf.

Sechs Kieseln zaubern ihm ein Lachen,
die gelbe Möhre wird zur Nase,
ein dicker Schal, zur Seit' sein Besen,
das war des Bauplans letzte Phase.


Isabella Kramer©veredit2013




auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


Photo copyright: Isabella Kramer


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An meine Gartenblumen

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An meine Gartenblumen

Schlaft, liebe Blumen, schlafet,
Mit weichem Schnee bedeckt,
Bis euch des neuen Lenzes
Gelinder Odem weckt!
Jetzt herrscht im Land der Winter:
Er selbst ein lieber Mann;
Doch seine Stürme schnaubten
Euch, Blumen, unsanft an.
Drum, liebe Blumen, schlafet,
Mit weichem Schnee bedeckt,
Bis euch des jungen Lenzes
Gelinder Odem weckt!




Elisabeth Kulmann, 1808 - 1825







Foto copyright: Isabella Kramer


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Winterschlaf

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Winterschlaf

Indem man sich nunmehr zum Winter wendet,
Hat es der Dichter schwer,
Der Sommer ist geendet,
Und eine Blume wächst nicht mehr.


Was soll man da besingen?
Die meisten Requisiten sind vereist.
Man muß schon in die eigene Seele dringen
- Jedoch, da haperts meist.


Man sitzt besorgt auf seinen Hintern,
Man sinnt und sitzt sich seine Hose durch,
- Da hilft das eben nichts, da muß man eben überwintern
Wie Frosch und Lurch.


 Klabund, 1890 - 1928





Gemälde copyright: Isabella Kramer


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