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An die Sonne

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Wie bist du schön, wenn du der müden Erde
Den Flammenmantel um die Glieder schlägst
Und in den Staub des Welkens und Vergehens
Die Keime schon des künftgen Frühlings legst.
Wenn du dem Wald das Sterben zu versüßen,
Ihn einmal noch mit lichten Farben schmückst,
Das dunkle Tal, den Strom zu seinen Füßen,
Mit deinen Strahlen golden überbrückst.

Wie bist du schön, wenn du des Meeres Fluten
Mit hellen Lichtern spielend überhauchst,
Der Wolke Saum, die dir vorüberwandert,
In wundervolle Purpurtöne tauchst.
Wenn du der Blüte, die der Herbst vergessen,
Das warme Lächeln deiner Gnade schenkst,
Die späte Frucht, des Weines volle Traube
Mit herber Kraft und Süßigkeit durchtränkst!

Wenn du dem Greis die müden Hände streichelst,
Und dich ins Lockenhaar der Kinder schmiegst,
Der Sehnsucht, die, des Erdenwallens müde,
Den Himmel sucht, liebreich entgegen fliegst!
In heilgen Händen trägst du Kraft und Schönheit
Und pflanzest in die bange Schweigsamkeit
Der Winternot dein leuchtend Hoffnungszeichen,
Als Himmelsbotin einer bessren Zeit!



Anna Ritter, aus der Sammlung "Über den Stürmen"



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