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Frühling

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Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
»Er kam, er kam ja immer noch«,
Die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuß auf Schuß;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.




Theodor Fontane, 1819 - 1898




Photo copyright: Isabella Kramer
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März

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März

Der Nachtschnee färbt die Straße blau.
Schwarz wächst der Wald am Weg empor,
streckt kahles Ästewerk hervor
wie drohende Wehr aus Feindesbau.

Wer hat den feuchten Schnee gehäuft?
Wer hat den Himmel grau verdeckt?
Wer hat den irren Fuß geschreckt,
daß er in lauernde Ängste läuft?

Das ist der März: der drückt und droht.
Das ist die Schwangerschaft der Welt.
Das ist, vom Frühlingsdunst zerspellt,
des Winters röchelnde Sterbensnot.




Erich Mühsam, 1878 - 1934 (ermordet im KZ Oranienburg)




Photo copyright: Isabella Kramer

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März

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März


Im März fängt bunt de Frühling aa.

Die Blümmcher blühe hie un da,

umschwärmt von Biencher mit Gesumm.

Aa Glück: De Winter is erum!

De aale Urlaub werd genomme.

Der is aan jetzt so recht willkomme.


Zum Winterschlaf in dere Zeit

kimmt oft noch Frühjahrsmüdigkeit.

Doch wenn in alle Äst un Zweische

so nach un nach die Säfte steische,

erwache Triebe, lacht des Herz.

En scheene Monat is der März!

Aus Frankfurt




Frankfurter Mundartgedicht



Photo credit: Isabella Kramer


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März

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März

Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
So lockend die Sonne vom Himmel blitzt,
so lockend alles gänzt und glitzt…

Sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!
Es werden Tage wieder kommen,
bevor erblüht, wovon du träumst,
da alles wie vorher trostlos weh
im Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!

Und doch und dennoch: Mit jubelndem Liede
grüße dies frohe befreiende Blau
über all dem farblosen Grau,
freu dich der flimmernden Mittagsstunden,
sonne das Herz dir zu keimender Kraft,
daß es dem müde machenden Winter
und seiner Enttäuschung sich wieder entrafft!

Nur warte, nur wart noch! Es wird sich erfüllen,
es wird sich erfüllen, was du ersehnst:
Glutig auflodern wird es am Himmel,
über die Berge her wird es wehn
und wie donnernde Osterglocken
wird es durch die Lande gehn…

Nur warte, nur wart noch und hab Geduld!
So schön und so köstlich dies blitzende Blau
mit seinem süßen stillen Locken,
es kommen Tage noch und Wochen,
farblos grau,
da alles wie vorher trostlos weh
in Regen sich begräbt und Schnee,
Tage voll Traurigkeit, Tage voll Müh…
sprich noch nicht vom Frühling, es ist zu früh!


Cäsar Flaischlen, 1864 - 1920




Photo Copyright: Isabella Kramer





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Märzlied

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Märzlied

Eh' noch der Lenz beginnt,
Schnee von den Bergen rinnt,
Singet das Vöglein schon
Freudigen Ton.

Noch blüht kein Veilchen blau,
Noch ist der Wald so grau;
Was mag das Vögelein
Denn so erfreun?

Wärme und heller Schein
Hauchen ihm Ahnung ein:
Bald kommt mit neuem Glück
Frühling zurück.

Voll dieser Fröhlichkeit
Singt's ob der dürren Heid',
Lernt auf den künft'gen Mai
Lieder sich neu.


Abraham Emanuel Fröhlich, 1796 - 1865




Photo copyright: Isabella Kramer
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Lauer Märzwind

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Lauer Märzwind ...


Lauer Märzwind
jagt verspätete Flocken.

Von unten
gegen die schwarze Erddecke
drücken lebendige Finger.

Unruhig laufen die Menschen,
die Tiere.

Fern,
immer näher rauscht
die Springflut
von Licht
und Glück.



Georg Stolzenberg, 1857-1941





Foto copyright: Isabella Kramer

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Der Frühling hat sich eingestellt

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Der Frühling hat sich eingestellt


Der Frühling hat sich eingestellt,
wohlan, wer will ihn sehen?
Der muß mit mir ins freie Feld,
ins grüne Feld nun gehn.

Er hielt im Walde sich versteckt,
daß niemand ihn mehr sah;
ein Vöglein hat ihn aufgeweckt,
jetzt ist er wieder da.

Jetzt ist der Frühling wieder da:
Ihm folgt, wohin er zieht,
nur lauter Freude fern und nah
und lauter Spiel und Lied.

Und allen hat er, groß und klein,
was Schönes mitgebracht,
und sollt's auch nur ein Sträußchen sein,
er hat an uns gedacht.

Drum frisch hinaus ins freie Feld,
ins grüne Feld hinaus!
Der Frühling hat sich eingestellt,
wer bliebe da zu Haus?



Heinrich Hoffmann von Fallersleben 



Photo copyright: Isabella Kramer






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