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Der kluge Peter

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Der kluge Peter


Der Peter sass im Sonnenschein
     Auf einem Stein
Und freute sich und lachte.
Was freut sich Peter nur so sehr?


Das Rätsel schien mir wahrlich schwer –
     Doch er sass da und lachte.

Als ich die Neugier nicht mehr trug
     Und endlich frug,
Warum er denn so lachte?


Sprach er: »Die Welt ist wunderschön!
Und ich darf drin spazieren gehn!«
     Er sah mich an und lachte.

»Ei, Peter, du hast wirklich Recht!
     Das ist nicht schlecht!«


»Nicht wahr?« sprach er und lachte,
»Die Weisheit lernet Ihr erst jetzt?«
Da hab ich mich zu ihm gesetzt
     Und freute mich, und lachte.


August Sturm, 1852 - 1923





Foto von Albert Klein auf Unsplash

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Mittsommer

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Mittsommer

Der längste Tag, ganz kurz die Nacht - 
das ist die Sommersonnenwende.
Ein Grund zum Feiern allemal,
denn Sonnenlicht scheint ohne Ende

auf fröhlich strahlende Gesichter,
auf Locken unter Blumenkränzen,
wirbelnde Freunde, die bei Tänzen
sich lachend an den Händen halten.

Johannisnächte heißt's in alten
Geschichten, das sind Zaubernächte. 
Voll Glück und Gaben der Natur,
selbst Seen und Flüsse haben Mächte. 

Manch einer sammelt Blumen, Pflanzen,
heut' Nacht sind ihre Kräfte stark.
Mit Trollen um die Feuer tanzen,
auch drüber springen, wenn man mag.


Durchlässig ist in dieser Nacht
die Wand ins Reich der Feenmagie.
Ja, selbst im Morgentau danach,
natürlich barfuß, spürst du sie. 


veredit©isabella.kramer25



Gemälde copyright: Isabella Kramer 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de


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Der Sommer

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Der Sommer


Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
Nach bunten Schmetterlingen
Und spielen manches Spiel.

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
Im Schatten hoher Buchen
Und laben Herz und Mund.

Der Sommer, der Sommer,
Der heißt uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
Und halten Reigentänze
Beim Abendsonnenschein.



von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben,1798-1874 




Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Frühlingsbotschaft

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Frühlingsbotschaft

Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald:
Lasset uns singen,
Tanzen und springen!
Frühling, Frühling wird es nun bald.

Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrei'n:
Kommt in die Felder,
Wiesen und Wälder!
Frühling, Frühling, stelle dich ein!

Kuckuck, Kuckuck, trefflicher Held!
Was du gesungen,
Ist dir gelungen:
Winter, Winter räumet das Feld.





Hoffmann von Fallersleben, 1798 - 1874



Photo copyright: Isabella Kramer


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Vorfrühling

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Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigen’s.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.


Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926





Photo copyright: Isabella Kramer

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Drachen Wesen

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Drachen Wesen


Drachen kriegen nie genug
von dem krassen Pustewind.
Ja, sie finden ihn voll lustig.
Das weiß heut' doch jedes Kind!

Himmelhoch in Wolken steigen,
lustig mit dem Schwanz uns winken,
oder wild die Zähne zeigen, wenn 
sie steil nach unten sinken. 

Drachentanz und -pirouetten,
da ist Zuschaun wie Theater,
wenn sie dann die Birken kitzeln,
staunt selbst unser alter Kater. 

Den sonst wenig noch beeindruckt, 
Drachenjagen find' er toll. 
So ist Spaß auf allen Seiten,
ganz so wie es auch sein soll. 



veredit©isabella.kramer25




Illustration copyright: Isabella Kramer 


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Quecksilber

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Quecksilber

So zierlich wie Keine
Kann Trudchen alleine
Sich wenden und drehn, -
Hübsch ist es zu sehn!

Im schwingenden Seile
Da hüpft sie mit Eile,
Mit eins, zwei und drei,
Springt niemals vorbei.

Sie tanzt so manierlich,
Behende und zierlich,
Und läuft so geschwind
Einher wie der Wind.

Fast scheint sie zu fliegen,
Kann Keiner sie kriegen!
Fast hat man sie schon, -
Husch! ist sie davon.

Ja tanzen und springen,
Das will ihr gelingen,
Ach, wenn nur so schwer
Das Sitzen nicht wär!

Sie hat solche kleine
Quecksilberne Beine,
Die halten nicht still,
Selbst wenn sie es will.


Heinrich Seidel 




Foto von Johnny McClung auf Unsplash

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Die Heide

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Die Heide 

Es zeigt so gar die dürre Heide,
Zu unsrer nicht geringen Freude,
Wenn man sie recht genau betracht,
Des großen Schöpfers Wunder-Macht.

Wenn wir die obenhin besehn,
So scheint sie traurig, schwarz, verdorrt und schlecht:
Allein betrachtet man sie recht;
So ist auch sie nicht minder schön,
Und sieht man wunderbar in ihr
Der Farben Pracht, der Bildung Zier
Fast unverbesserlich verbunden.

Ich habe dieses wahr befunden.
Denn als ich jüngst mich etwas zu vertreten,
Mich auf das Feld begab; befand ich alsobald,
Daß in des Heide-Krauts so zierlicher Gestalt,
Nicht weniger als sonst, der Schöpfer anzubeten.

Ich setzte mich, und rupfte manchen Strauß,
Sie besser zu besehen, aus.
Mein Gott! wie viel, wie mancherlei
Veränderung, Schmuck und Zierlichkeiten
Fand ich in diesem Kraut, das doch von weiten
Nicht anders lässt, als obs nur braun gefärbet sei.
Ich ward zugleich, wie schön, wie wunderbar.
Wie mannigfaltig die Bildung sei, gewahr.

Die größten Bäume trifft man hier
In solcher Schön- und netten Kleinheit an,
Daß man der Stämme Zweig' und Blätter holde Zier
Nicht genug besehn, nicht gnug bewundern kann.
Ich fand dass ob sie gleich sehr klein,
Die Stämme wahres Holz, wie große Stämme, sein.
Es hat die Festigkeit, es brennet, eine Rinde
Umgibt sie, ja ich finde
Dieselbe recht mit Moos, gleich den bejahrten Eichen,
Umgeben und geziert. Die Blümchen, die so schön,
Auf jedem kleinem Zweig', als Apfel-Blüte, stehn,
Sieht man der Bienen Heer die süße Nahrung reichen.

Betrachte denn forthin, geliebter Mensch, die Heide
Nicht sonder Gottes Lob, nicht sonder Freude!

Barthold Heinrich Brockes, 1680 - 1747





Photo copyright: Isabella Kramer


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Am See

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Am See


Heute ist das Wasser warm,

Heute kann's nicht schaden.

Schnell hinunter an den See!

Heute geh'n wir baden.

1, 2, 3, die Hosen aus,

Schuhe, Rock und Wäsche,

und dann, plumps ins Wasser rein,

gerade wie die Frösche.

Und der schönste Sonnenschein

brennt uns nach dem Bade

Brust und Buckel knusperbraun,

braun wie Schokolade.



Adolf Holst, 1867 - 1945 




Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


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Kränze aus Papier - Kinderlied

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Kränze aus Papier - Kinderlied


Ich und du und du und du,

Zwei mal zwei ist viere,

Tragen Kränze auf dem Kopf,

Kränze aus Papiere;

Rechts herum und links herum,

Röck' und Zöpfe fliegen,

Wenn wir alle schwindlig sind,

Falln wir um und liegen,

Purzelpatsch, wir liegen da,

Patschelpurz, im Grase:

Wer die längste Nase hat,

Der fällt auf die Nase.


Otto Julius Bierbaum







Photo copyright: 
Isabella Kramer


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Wie freu ich mich der Sommerwonne

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Wie freu ich mich der Sommerwonne

Wie freu‘ ich mich der Sommerwonne,
Des frischen Grüns in Feld und Wald,
Wenn’s lebt und webt im Glanz der Sonne
Und wenn’s von allen Zweigen schallt!

Ich möchte jedes Blümchen fragen:
Hast du nicht einen Gruß für mich?
Ich möchte jedem Vogel sagen:
Sing, Vöglein, sing und freue dich!

Die Welt ist mein, ich fühl es wieder:
Wer wollte sich nicht ihrer freu’n,
Wenn er durch frohe Frühlingslieder
Sich seine Jugend kann erneu’n?

Kein Sehnen zieht mich in die Ferne,
Kein Hoffen lohnet mich mit Schmerz;
Da wo ich bin, da bin ich gerne,
Denn meine Heimat ist mein Herz.


Hoffmann von Fallersleben 





Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Was der Frühling alles tun muss!

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Erst die Sonne höher heben,
dann die Gräser grün anstreichen,
allen, die auf Erden leben,
brüderlich die Hände reichen,

Schlangen häuten, Schatten schwärzen,
Felder kämmen, auch die Wiesen,
sorgen, dass Kastanienkerzen
brennen, Weidenruten schießen,

für die Vögel Noten schreiben
und die Rosenblätter zählen,
mit den Kindern Unfug treiben,
Wäldern neue Farben wählen,

Käfern ihre Panzer putzen,
Zäunen guten Morgen sagen,
Tau als Schmuck für Gras benutzen,
Licht in Mauselöcher tragen,

weil die Bienen gern was hätten,
Honig in die Blüten stecken,
alle Katzenfelle glätten -
und die Kinder morgens wecken!

Ja der Frühling hat zu tun,
und was machen wir denn nun?


 
 
Frantisek Halas, 1901 - 1949

 

 

 


Gemälde copyright: Isabella Kramer 

 

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Der Schneemann auf der Straße

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Der Schneemann auf der Straße 


Der Schneemann auf der Straße
trägt einen weißen Rock,
hat eine rote Nase
und einen dicken Stock.

Er rührt sich nicht vom Flecke,
auch wenn es stürmt und schneit.
Stumm steht er an der Ecke
zur kalten Winterszeit.

Doch tropft es von den Dächern
im ersten Sonnenschein,
da fängt er an zu laufen,
und niemand holt ihn ein.


Robert Reinick, 1805 - 1852 








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Der alte Schlitten

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Der alte Schlitten


An eine Kellerwand gelehnt,
der alte Schlitten steht, sich sehnt
nach winterlicher Jahreszeit;
wähnt Kälte, Schnee nicht allzu weit.

Am nächsten Morgen schneit’s fein still;
geschieht tatsächlich, was er will.
Geräusch ertönt, grell scheint ein Licht;
die Zeit des Nichtstun unterbricht.

Ein Kind trägt ihn zum Korridor,
holt Werkzeug und ein Tuch hervor.
Er wird geschliffen und entstaubt.
Stets hatte er daran geglaubt…

Es lockt und funkelt Pulverschnee.
Die Schlittenfahrt ein Spaß – juchhe!



C.M. Beisswenger





Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


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Schlittenlied

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Schlittenlied


Unter muntrer Glöcklein Schallen
Raschelt’s wie ein Elfenzug,
Freudig drein die Peitschen knallen,
Alles schwindet hin im Flug:
Rosse, Reiter, in der Mitten
Muthig die besonnten Schlitten,
Die, in Samt und Pelz gehüllt,
Niedlich Feenvolk erfüllt.

Kaum begonnen hat die Wonne;
Ist schon wieder alles aus?
Weg aus Duft und Schnee und Sonne
Sollen wir ins dumpfe Haus?
Doch es öffnen sich die Türen
Unter lust’gem Musizieren;
Freundlich steht zu Tanz und Mahl
Aufgeschmückt der kleine Saal.

Eilig streift die Winterhülle
Jedes schöne Kind von sich,
Schmuck und hell, in süßer Fülle,
Leuchten alle sommerlich;
Wissen mit den stillen Blicken
Ach! so lieblich zu beglücken,
Holde Rede klingt darein –
Kann es wohl noch Winter sein?

Wie sich’s tanzt so freudig heute,
Sich’s noch besser schmaust und singt!
Wenn, die Freundlichen zur Seite,
Glas mit Glas zusammenklingt;
Wenn, was Keiner wagt zu sagen,
Jeder darf zu singen wagen;
Rauscht das Lied, und glüht der Wein –
Kann es wohl noch Winter sein?

Draußen spielet licht und leise
Mit dem Schnee der Mondenschein;
Fromm beschickt man sich zur Reise,
Fliegt im hellen Traum herein,
Wirft sich träumend hin aufs Bette,
Und um jede Schlummerstätte
Wogt im Schlafe Tanz und Sang
Noch die ganze Nacht entlang.

Wer, zur Hand die treue Leier,
Dieses kleine Lied erdacht,
Preist zum letzten Mal die Feier
Solcher schönen Winternacht:
Wann die Flocken wieder flüstern,
Wohnt er unter den Philistern;
Fahrt kehrt wieder, Sang und Klang, –
Doch vergessen ist er lang!


Gustav Schwab, 1792 - 1850







Bild von Tomasz Proszek auf Pixabay

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Im Herbst

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Im Herbst

Durch die Wälder streif' ich munter,
Wenn der Wind die Stämme rüttelt
Und im Rascheln bunt und bunter
Blatt auf Blatt herunterschüttelt.

Denn es träumt bei solchem Klange
Sich gar schön vom Frühlingshauche,
Von der Nachtigall Gesange,
Und vom jungen Grün am Strauche.

Lustig schreit' ich durchs Gefilde,
Wo verdorrte Disteln nicken,
Denk' an Maienröslein milde
Mit den morgenfrischen Blicken.

Nach dem Himmel schau' ich gerne,
Wenn ihn Wolken schwarz bedecken;
Denk' an tausend liebe Sterne,
Die dahinter sich verstecken.



Friedrich von Sallet, 1812 - 1843





Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


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Der Zwerg

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Der Zwerg

Hang an Hang, und Hang an Feld und Felder,
Strauch an Baum, und Wald an Wälder,
Tal an Berg und Tal an Berg:
Erden-Weite-Breite rundherüberall:

Und der Mensch, der Zwerg:

Tappt verschüchtert,
Geht ernüchtert,
Stolzt voll Dünkel hier und dort,
Schürft sich Lehm und backt sich Ziegel,
Häuft aus Mauern, Dächern seinen Ort.
Schließt mit Schloß und Riegel
Sorgevoll sein Haus,
Klopft und bohrt darin herum –
Dünkt sich klug und andre dumm –
Geht kaum aus der Straße raus – –

Draußen reiht sich Feld an Feld:
Draußen weitet sich die Welt:
Ungeheure Runde!




Gerrit Engelke, 1890 - 1918




Photo copyright: Isabella Kramer

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Versteckens!

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 Versteckens!

 

Im Nachbarhof – o schöne Welt!
Mit Brettern, Stangen, Dielen,
Wie ist da alles vollgestellt,
Recht zum Versteckens spielen.

Da ist ein Hügel, ein Mauerloch,
Ein kleiner Stall für Schweine,
Des Hundes Hütte und dazu noch
Die lustigen, großen Steine.

Wie uns in stiller Seligkeit
Die Stunden da entschwinden
Kein schönrer Fleck ist weit und breit
Auf dieser Welt zu finden!

In allen Winkeln groß und klein
Die einen sich verstecken,
Die andern suchen aus und ein
An allen End' und Ecken.

Es folgen Hund und Vögelein
Dem fröhlichen Gewimmel.
O Kind, dir ist kein Raum zu klein,
Und jeder Raum ein Himmel!



Franz Bonn, 1830 - 1894


  

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Foto von Arno Smit auf Unsplash

 

 

 

Den Fluss hinab

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Den Fluß hinab

Im Mittagsschein
fahr ich im Boot allein
den Fluß hinab, der mit mir sinnt und träumt.
Kein Laut im Kreis;
der Kiel gluckst schläfrig, leis;
von Linden ist das Ufer hoch umsäumt.

Der Sonne Glut
strahlt wider aus der Flut
mit Bäumen, deren Kronen abwärts stehn.
Im Fluß erhellt
sich eine Spiegelwelt,
wieviel auch Wellen kommen und vergehn.

Metallen blank,
stahlblau und zierlich schlank
fliegt die Libelle auf der Spiegelung.
So leichtbeschwingt,
von Sonnengold umringt,
flog meine Seele einst, sehnsuchtsvoll, jung.

Zu jung vielleicht,
getäuscht, enttäuscht so leicht,
genoß sie Hoffnung nur, wenn sie genoß;
verfolgte wild
ihr eignes Spiegelbild
in einer Welt, die wie ein Fluß zerfloß.



Eduard Stucken, 1865 - 1936




Photo copyright: Isabella Kramer



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Ostervorfreude

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Ostervorfreude 

Wenn Prinzen wieder
Schneckenkronen tragen
und zartes Grün von Blatt und
Baum ans Licht sich wagen

dann gibt es auch für uns
kein Halten mehr
denn der Frühling kommt
in unseren Garten und ebenso

wie tausend kleine Blütenköpfe
wollen auch wir nicht länger warten
und die Nasen wohlig gen Sonne
strecken und schon mal erste Nester

bauen für den Osterhasen damit 
er reichlich Zeit hat unsere Ostereier
zu verstecken 
und unter blühenden Bäumen
liegend  Wolkenbilder raten
umschwirrt von Bienen Hummeln
ersten Schmetterlingen aller Arten

Drum achte auf die Zeichen
damit du sicher seien kannst 
du kannst es wagen

Es ist wenn Prinzen 
Schneckenkronen tragen 



veredit©isabella.kramer24


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Photo copyright: Isabella Kramer


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