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Leuchtturmbild

 


 

 

 

komm ich mal dir einen Leuchtturm
himmelhoch mit dicken Streifen
wie ein ellenlanger Finger
der will nach den Wolken greifen

oben unter spitzem Dach
hat er Fenster ganz ringsum
dort zuhause ist sein Licht
das sich nachts dreht um und um

allen Schiffen weist es Wege
auf dem großen weiten Meer
damit diese gut nach Haus' kommen
das wär' sonst schon ziemlich schwer

gleich darunter sind die Zimmer
wo der Leuchtturmwärter wohnt
winzig klein mit runden Wänden
doch das ist der so gewohnt

ganz am Fuß kommt noch die Türe
denn man muss ja wohl hinein
auch braucht sie feste Scharniere
gegen Sturm und Scherereien

weiß und rot werd' ich ihn malen
rechts und links zwei Häuschen stehen
darin wohnen Frau und Kinder
doch die sind noch nicht zu sehen 
 

 

veredit©isabella.kramer2024






Gemälde copyright: Isabella Kramer 





Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de

 
 

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Der Schmetterling

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Der Schmetterling

Ein Jugendbild

Ein Räuplein saß auf kleinem Blatt,
Es saß nicht hoch, doch aß es satt
Und war auch wohl geborgen;
Da ward das kleine Raupending
Zum Schmetterling,
An einem schönen Morgen
Zum bunten Schmetterling.

Der Schmetterling blickt um sich her,
Es wogt um ihn ein goldnes Meer
Von Farben und von Düften;
Er regt entzückt die Flügelein:
Muß bei euch sein,
Ihr Blumen auf den Triften,
Muß ewig bei euch sein!

Er schwingt sich auf, ihn trägt die Luft
So leicht empor, er schwelgt in Duft,
O Freude, Freude, Freude!
Da saus't ein scharfer Wind vorbei,
Reißt ihm entzwei
Die Flügel alle beide,
Der Wind reißt sie entzwei.

Er taumelt, ach! so matt, so matt,
Zurück nun auf das kleine Blatt,
Das ihn ernährt als Raupe.
O weh', o weh', du armes Ding!
Ein Schmetterling,
Der nährt sich nicht vom Laube –
Du armer Schmetterling!

Ihm ist das Blatt jetzt eine Gruft,
Ihn letzt nur Blumensaft und Duft,
Die kann er nicht erlangen,
Und eh' noch kommt das Abendroth,
Sieht man ihn todt
An seinem Blättlein hangen,
Ach kalt, erstarrt und todt!


Friedrich Hebbel, 1813 - 1863





photo copyright: Isabella Kramer


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Fischer Wichtel

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Fischer Wichtel 

Gunnar Garrlson ist sein Name
und man rollt dabei das R,
das kann Gunnar echt gut leiden
fast so sehr wie jedes Meer,
dass der Gunnar je befahren.
Ja, da staunst du ganz zu Recht, 
denn das Wichtel gern zur See fahr'n,
weiß fast niemand, das steht fest. 

Gunnar ist schon so geboren,
immer eine Hand am Fisch
und wo andere seekrank wurden,
ist der Gunnar munter, frisch.
Sturm ist seine zweite Heimat,
ihm kann's gar nicht genug brausen.
Gunnar liebt es wichtelmäßig
über Wellen hinzusausen. 

Dabei hilft er, wo er kann,
ob beim Fischfang ganz weit draußen,
oder wenn die Mannschaft wieder vorhat
einen Hafen anzulaufen. 
Gunnar ist ein Fischerwichtel,
wie es keinen zweiten gibt.
Und sein Weihnachtsdienst am Leuchtturm,
macht ihn gleich noch mehr beliebt.

Klar, das wär' kein Heiligabend 
ohne Gunnars leck'ren Fisch.
Leuchtturmwärters Gattin Gesche
brät ihn, zack, steht auf dem Tisch
ein Kanne Wichtelsaft
und das krosse Brot vom Hinnack.
Ja, das gibt so richtig Kraft,
für ein neues Wichteljahr,
wie wir Gunnar viele wünschen,
ob in grünen Gummistiefel oder 
selbstgestrickten Strümpfen. 




veredit©isabella.kramer2022


Hier gibt es noch ein kleines -> Video zum Bild



Gemälde Copyright: Isabella Kramer 


auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


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Krebs-Gedicht, oder auch nicht

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Krebs-Gedicht, oder auch nicht...

Von Krebsen wollte ich euch schreiben,
von Krabbelwesen diesen leisen, die nachts 
sich unterm Bett verstecken und dort die großen
Monster wecken, die nur ein warmes
Licht vertreibt oder wenn Paps die Stirn 
einreibt mit jener Paste, die so duftet, 
wie ein kompletter Feenwald. 

Sofort sind Krebs und Krabbelwesen,
selbst Monster fort in jenem Spalt,
den Liebe und Fürsorge gibt.
Darum ist der auch so beliebt.

Und so gesehen, sollt' ich passen, 
die Krebse Krebse sein lassen,
im Meer, am Strand, wo sie auch leben,
besser auch mich ins Bett begeben.
Schnurstracks und ohne jede Zirkus, 
kein Krebsgedicht, nur einfach Schluss. 




veredit©isabella.kramer23 





.zur Hörversion geht es hier -> Krebs-Gedicht oder auch nicht 
 


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Strandidyll

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Strandidyll

Auf dem Rücken im warmen Sand
Nie ein schöneres Lager ich fand.
Murmelnde, kichernde Wellen zu Füßen,
Oben im Wind ein Lispeln und Grüßen
Schwankender Halme und leises Gesumm
Sammelnder Bienen, sonst Stille ringsum.
Ja, ringsum!
Nur selten, bald ferne, bald nahebei
Ein Möwenschrei.

Durch das halbgeöffnete Lid
Blinzelt das Auge hinüber zum Ried.
Blendendes, zitterndes Sonnengegleiße;
Schmetterlingsspiele. Blaue und weiße
Kinder der Stunde. Nun löst aus der Schar
Sich ein bläulich geflügeltes Paar,
Liebespaar!
Das schaukelt und gaukelt und flügelt und giebt
Sich sehr verliebt.

Plötzlich, ei fällt denn der Himmel ein?
Weitet sich, breitet sich bläulicher Schein.
Lässt sich das zärtliche Pärchen nieder
Frech mir gerad' auf die Augenlider?
Aber schon merk' ich's am salzigen Geruch,
Und schon fühl' ich's am derben Tuch,
Schürzentuch,
Und hör es am Lachen, die Grete, die Katz,
Beschlich ihren Schatz.

Seit an Seit und Hand in Hand,
Schäferstündchen am stillen Strand.
Schmeichelnder Wind und schäkernde Wellen;
Faltergeschwirr im zitternden, hellen
Sonnengeflirr überm Dünenhang;
Irgendwoher ein verwehter Klang,
Glockenklang,
Und Hundegebell und das klägliche Muh
Einer einsamen Kuh.




Gustav Falke, 1853 - 1916



Foto Copyright: Isabella Kramer.

Wasser

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Wasser

Wasser trägt im Ozeane
Tröstend fernhin den Betrübten,
Spült im Fluß auf leichtem Kahne
Den Geliebten zur Geliebten.

Wasser rauscht aus Felsenklüften
Als Gesang herab zum Tale,
Perlt als Tau aus Morgenlüften
In der Blumen Duftpokale.

Wasser träuft, als milder Regen,
Kühlend in die trockne Erde,
Wasser labt als Quell an Wegen
Wand'rer, Hirten, Wild und Herde.

Ohne daß es Wasser sauge,
Stürb' auf Erden alles Schöne,
Ach! und nur im Menschenauge
Ist das Wasser – eine Träne.



Karl Egon Ebert, 1801 - 1882





Foto von Todd Cravens auf Unsplash

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Weltende

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Weltende


Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,

In allen Lüften hallt es wie Geschrei,

Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei

Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.


Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen

An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.

Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.

Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.




Jakob van Hoddis, 1887 - 1942




Photo copyright: Isabella Kramer


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Der Traum des kleinen Buchenblattes



Der Traum des kleinen Buchenblattes

Fest klammert es sich unverzagt
an Mutters ausgestreckte Arme,
ob Sturm es ruckelt und zerrt, 
ob Schnee und Eis es schier verbarg.
Es würde bleiben, unverbrüchlich, 
nur seine große Chance zählt, 
erst wenn der Wind aus Süden kommt
und es zum Reisen auserwählt.

"Wir Buchenblätter leben lange!"
erinnert es Großvaters Worte und
glaubt ganz fest an seine Hoffnung;
die es dann bringt an jene Orte,
von denen all die Vögel sprachen
wenn sie auf ihren Ästen saßen.

So war sein Fernweh einst erweckt, 
sein Traum zu reisen war geboren. 
Es war gewiss, es würde merken, 
wenn jener Tag kam, der erkoren
war für den großen Flug und da,
in seinen Traum hinein,
kam ein Böe, zart und klug,
die wisperte: "Ich bin gekommen,
um dir zu zeigen kleines Blatt,
welch Wunderbares man erlebt,
wenn man noch seine Träume hat."

Da löste es die alten Bande,
gleich einem kleinen Schmetterling,
erhob es sich flog Richtung Wolken. 
die Böe es zärtlich, fest umfing.
Sie war ganz warm und roch nach Meer, 
das Blättchen fühlte sich benommen.
Von Aufregung und Glück gepackt,
konnt' gar nicht aus dem Staunen kommen....

Siehst du also am Winterende
ein kleines Blatt gen Süden treiben,
dann weißt du, was dafür der Grund war,
dies alles für dich aufzuschreiben. 




veredit©isabella.kramer2022 

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Novemberlied




Novemberlied

Der Wald wird still; von dem Idyll,
Das einst als Angebinde
Der Lenz ihm schrieb, nur übrig blieb
Ein welkes Blatt im Winde.
Grau zieht vom Meer der Nebel her
Und weht den Trauerschleier.
Das ist die Zeit, dem Ernst geweiht
Der stillen Totenfeier.

Ach, laut genug mahnt uns der Zug,
Der bleiche, bange, lange;
Sein: nimmermehr! Macht wieder schwer
Das Herz und feucht die Wange. –
Doch nicht hinab auf Graus und Grab
Laßt uns trübsinnig schauen,
Nein, froh hinauf und mit Glückauf
Heut hellem Stern vertrauen!

Der Stern, der warm in Not und Harm
Strahlt auch dem ärmsten Schlucker,
Und allemal wie Sonnenstrahl
Der herben Frucht reift Zucker.
Der, wenn auch oft uns unverhofft
Die Rosen all erfrieren,
Doch sorgt dafür, daß unsre Tür
Noch grüne Maien zieren.

Hoch der Humor! Wer ihn erkor,
Den Stern der wahren Weisen,
Kann wohl mit Fug im Wandelflug
Der Zeit sich glücklich preisen.
Kein trüber Tag, kein Wetterschlag
Macht den zum Weltverächter,
Der sie bezwingt und auf sich schwingt
Mit göttlichem Gelächter.




Theobald Nöthig, 1841 - 1900



Photo copyright: Isabella Kramer



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Wie schändlich!



Wie schändlich du gehandelt,
Ich hab es den Menschen verhehlet,
Und bin hinausgefahren aufs Meer,
Und hab es den Fischen erzählet.

Ich laß dir den guten Namen
Nur auf dem festen Lande;
Aber im ganzen Ozean
Weiß man von deiner Schande.



Heinrich Heine, 1797 - 1856


Photo copyright: Isabella Kramer
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Der Gesang des Meeres

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Der Gesang des Meeres

Wolken, meine Kinder, wandern gehen
Wollt ihr? Fahret wohl! Auf Wiedersehen!
Eure wandellustigen Gestalten
Kann ich nicht in Mutterbanden halten.

Ihr langweilet euch auf meinen Wogen,
Dort die Erde hat euch angezogen:
Küsten, Klippen und des Leuchtturms Feuer!
Ziehet, Kinder! Geht auf Abenteuer!

Segelt, kühne Schiffer, in den Lüften!
Sucht die Gipfel! Ruhet über Klüften!
Brauet Stürme! Blitzet! Liefert Schlachten!
Traget glühnden Kampfes Purpurtrachten!

Rauscht im Regen! Murmelt in den Quellen!
Füllt die Brunnen! Rieselt in die Wellen!
Braust in Strömen durch die Lande nieder –
Kommet, meine Kinder, kommet wieder!



Conrad Ferdinand Meyer, 1825 - 1898




Photo copyright: Isabella Kramer

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Der Nöck

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Der Nöck*

Es tönt des Nöcken Harfenschall:
Da steht sogar still der Wasserfall,
Umschwebt mit Schaum und Wogen
Den Nöck im Regenbogen.

Die Bäume neigen
Sich tief und schweigen,
Und atmend horcht die Nachtigall. –
"O Nöck, was hilft das Singen dein?
Du kannst ja doch nicht selig sein!
Wie kann dein Singen taugen?"

Der Nöck erhebt die Augen,
Sieht an die Kleinen,
Beginnt zu weinen...
Und senkt sich in die Flut hinein.
Da rauscht und braust der Wasserfall,
Hoch fliegt hinweg die Nachtigall,
Die Bäume heben mächtig
Die Häupter grün und prächtig.

O weh, es haben
Die wilden Knaben
Den Nöck betrübt im Wasserfall!
"Komm wieder, Nöck, du singst so schön!
Wer singt, kann in den Himmel gehn!
Du wirst mit deinem Klingen
Zum Paradiese dringen!

O komm, es haben
Gescherzt die Knaben:
Komm wieder, Nöck, und singe schön!"
Da tönt des Nöcken Harfenschall,
Und wieder steht still der Wasserfall,
Umschwebt mit Schaum und Wogen
Den Nöck im Regenbogen.

Die Bäume neigen
Sich tief und schweigen,
Und atmend horcht die Nachtigall. –
Es spielt der Nöck und singt mit Macht
Von Meer und Erd und Himmelspracht.

Mit Singen kann er lachen
Und selig weinen machen!
Der Wald erbebet,
Die Sonn entschwebet...
Er singt bis in die Sternennacht!


August Kopisch, 1799 - 1853



*Was ist ein Nöck? Es ist ein Wassergeist, ein Fabelwesen, launisch und unstet, wie sein Element das Wasser. Er kommt in vielen Märchen und Sagen im europäischen Raum vor. 


Waldlied






Waldlied  


Arm in Arm und Kron' an Krone steht der Eichenwald verschlungen,
Heut hat er bei guter Laune mir sein altes Lied gesungen.

Fern am Rande fing ein junges Bäumchen an sich sacht zu wiegen,
Und dann ging es immer weiter an ein Sausen, an ein Biegen;

Kam es her in mächt'gem Zuge, schwoll es an zu breiten Wogen,
Hoch sich durch die Wipfel wälzend kam die Sturmesflut gezogen.

Und nun sang und pfiff es graulich in den Kronen, in den Lüften,
Und dazwischen knarrt' und dröhnt' es unten in den Wurzelgrüften.

Manchmal schwang die höchste Eiche gellend ihren Schaft alleine,
Donnernder erscholl nur immer drauf der Chor vom ganzen Haine!

Einer wilden Meeresbrandung hat das schöne Spiel geglichen;
Alles Laub war weißlich schimmernd nach Nordosten hingestrichen.

Also streicht die alte Geige Pan der Alte laut und leise,
Unterrichtend seine Wälder in der alten Weltenweise.

In den sieben Tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder,
In den sieben alten Tönen, die umfassen alle Lieder.

Und es lauschen still die jungen Dichter und die jungen Finken,
Kauernd in den dunklen Büschen sie die Melodien trinken.





Gottfried Keller, 1819 - 1890




Photo copyright: Isabella Kramer

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Am Meeresstrand

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Zwei Jungfrauen sitzen am Meeresstrand;
Die Eine weint in die Fluthen,
Die Andre mit dem Kranz in der Hand
Wirft Rosen in die Fluthen.

Die eine, trüber Wehmuth Bild,
Stöhnt mit geheimem Beben:
"O Meer, o Meer, so licht und wild,
Wie gleichst du so ganz dem Leben!"

Die Andre, lichter Freude Bild,
Jauchzt selig lächelnd daneben:
"O Meer, o Meer, so licht und wild,
Wie gleichst du so ganz dem Leben!"

Fortbraust das Meer und überklingt
Das Jauchzen und das Stöhnen;
Fort wogt das Meer und, ach, verschlingt
Die Rosen und die Thränen.


Anastasius Grün, 1806 - 1876


Photo copyright: Isabella Kramer
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Eine traurige Geschichte

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Eine traurige Geschichte

Ein Hering liebt' eine Auster
Im kühlen Meeresgrund;
Es war sein Dichten und Trachten
Ein Kuß von ihren Mund.

Die Auster, die war spröde,
Sie blieb in ihrem Haus;
Ob der Hering sang und seufzte,
Sie schaute nicht heraus.

Nur eines Tags erschloß sie
Ihr duftig Schalenpaar;
Sie wollte im Meeresspiegel
Beschauen ihr Antlitz klar.

Schnell kam der Hering geschwommen,
Streckt seinen Kopf herein
Und dacht' an einem Kusse
In Ehren sich zu freu'n!

O Harung, armer Harung,
Wie schwer bist du blamiert!
- Sie schloß in Wut die Schalen,
Da war er guillotiniert.

Jetzt schwamm sein toter Leichnam
Wehmütig im grünen Meer
Und dachte: "In meinem Leben
Lieb' ich keine Auster mehr!"


Joseph Victor von Scheffel, 1826 - 1886 




Die Guillotine ist ein nach dem französischen Arzt Joseph-Ignace Guillotin benanntes Fallbeil zur Vollstreckung der Todesstrafe durch Enthauptung. Wikipedia 


Foto Copyright: Isabella Kramer


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An meine Mutter

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An meine Mutter

Ach, wär ich ein Vöglein,
ich wüßt, was ich tät:
Ich lernte mir Lieder
von morgens bis spät.
Dann setzt ich mich dort,
wo lieb Mütterlein wär,
und säng ihr die Lieder
der Reihe nach her.

Und wär ich ein Schäflein,
das hätt' ich im Sinn:
Ich gäb alle Wolle
dem Mütterlein hin.
Die spinnt dann die Wolle
und strickt sicherlich
zwei Dutzend Paar Strümpfe
für sich und für mich.

Und wär ich ein Fischlein,
ich wüßt, was da wär:
Ich tauchte zum Grunde
tief unten ins Meer,
holt Perlen und Muscheln.
Ihr glaubt, nur für mich?
Der Mutter die Perlen,
die Muscheln für mich.

Doch mancherlei möchte ich
denn doch wohl nicht sein:
Nicht Apfel, noch Kirschen,
nicht Wasser, noch Wein.
Denn äße man mich
oder tränke mich aus,
dann hätt meine Mutter
kein Kind mehr im Haus.

Robert Reinick, 1805 - 1852



Foto copyright: mit freundlicher Genehmigung des Urhebers 

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Die Badewanne

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Die Badewanne

Die Badewanne prahlte sehr.
Sie hielt sich für das Mittelmeer
Und ihre eine Seitenwand
Für Helgoländer Küstenland.

Die andre Seite - gab sie an -
Sei das Gebirge Hindustan
Und ihre große Rundung sei
Bestimmt die Delagoabai.

Von ihrem schmalen Ende vorn
Erklärte sie, es sei Kap Horn.
Den Kettenzug am Regulator
Hielt sie sogar für den Äquator.

Sie war - nicht wahr, das merken Sie? -
Sehr schwach in der Geographie.
Dies eingebildete Bassin,
Es wohnte im Quartier Latin.*


Joachim Ringelnatz




*Quartier Latin ist ein malerischer Stadtteil von Paris 

Foto Copyright: Isabella Kramer
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Unter Fischen

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Unter Fischen


Schau, da kommen sie geschossen,
pfeilschnell durch das weite Meer!
Rudern eifrig mit den Flossen,
schwimmen dicht an dicht umher.

Ändern blitzgeschwind die Richtung
(auf Kommando? Doch von wem!?)
bei der kleinsten Feindessichtung - 
Anführer sind nicht zu sehn. 

Von der Flosse bis zum Kopf
gleicht ein Fischchen hier dem andern.
Drum ist keins ein eitler Tropf.
Sieh sie mit der Strömung wandern!

Doch – Moment! - hast du verglichen?
Sind sie wirklich alle gleich?
Einer hat sich eingeschlichen
mitten in des Schwarmes Reich!

Leuchtet fröhlich rot hervor,
ist nun nicht mehr so allein.
Singt gern mit im Blubber-Chor.
Will einer von vielen sein!



mit freundlicher Genehmigung von ©die amelie/claudia neubacher




Photo copyright: Isabella Kramer
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Ein Rudel kleiner Wolken

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Ein Rudel kleiner Wolken

Ein Rudel kleiner Wolken
Schwimmt durch die Abendhelle,
Wie graue Fische im Meere
Durch eine blendende Welle.

Und Mückenscharen spielen
Im späten Winde rege,
Sie tanzen zierliche Tänze
Am warmen staubigen Wege.

Und zwischen Wolken und Erde,
Über die Bäume, die schlanken
Zieh'n auf der Straße zum Monde
Die uralten Liebesgedanken.



Max Dauthendey, 1868 - 1918 





Photo copyright: Isabella Kramer
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Lütt Jan

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Lütt Jan

Jan Boje wünscht sich lange schon
ein Schiff – ach Gott, wie lange schon!
Ein Schiff so groß – ein Schiff – hurra:
von hier bis nach Amerika.

Die höchsten Tannen sind zu klein,
die Masten müßten Türme sein,
die stießen – hei, was ist dabei? –
klingling das Himmelsdach entzwei.

Die Wolken wären Segel gut,
die knallen wild im Wind vor Wut;
Jan Boje hängt am Klüverbaum
und strampelt nackt im Wellenschaum.

Jan baumelt an der Reling, Jan!
und schaukelt, was er schaukeln kann.
Wenn's an die Planken plitscht und platscht,
der blanke Steert ins Wasser klatscht.

Wie greift er da die Fische flink:
Ein Butt bei jedem Wellenblink!
Die dörrt auf Deck der Sonnenschein,
und Jantje beißt vergnügt hinein.

Jan Boje segelt immerfort,
spuckt über Back- und Steuerbord
und kommt zurück trotz Schabernack,
das ganze Schiff voll Kautabak.

Wer aber ist Jan Boje, he?
Der Teufelsmaat und Held zur See?
Jan Boje ist ein Fischerjung',
ein Knirps, ein Kerl, ein frischer Jung'.

Grad liegt er auf dem Bauch im Sand
und lenkt ein schwimmend Brett am Band,
und ob die Woge kommt und geht,
ob sich sein Brett im Wirbel dreht –:

Sein starrer Blick ins Ferne steht.

Da schwillt's heran im Sonnengleiß
von tausend Segeln breit und weiß;
da hebt sich manch ein Riesenbug
wie düstrer Spuk und Augentrug...

Das wandert ewig übers Meer.
Wann kommt Jan Bojes Schiff daher?


Otto Ernst, 1862 - 1926




Photo copyright: Isabella Kramer

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