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Der Krake

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Der Krake

Einmal im Jahr vom Grunde
Des Meeres wird nach oben,
Aus eines Wirbels Schlunde
Der Krak heraufgehoben,
Gleich einem Inselrunde,
Um das die Wasser toben.

Eisbären, Robben, Haie,
Wallfische, Fischernachen
Verschwinden nach der Reihe
In seinem Riesenrachen.
Und daß es ihm gedeihe,
Beweist sein grimmig' Lachen.

Es glüht die kalte Zone
In jeder Eisbergzacke,
Und mit dem frechsten Hohne
Lallt hochvergnügt der Krake:
"Die Welt ist mir Schablone,
Die Welt ist nur Kloake."

Zweihundert Austernbänke
Verschlingt er nun mit Wonne,
Und Cognak zum Getränke,
Und Arak manche Tonne,
Ihm ist's, als ob er denke,
Er blinzelt in die Sonne.

Ja, ruft er, und die grauen
Kinnladen kau'n und rollen,
So viel wir Wesen schauen,
Was ist es, was sie wollen?
Sich gatten und verdauen -
Das ist's auch, was sie sollen!

Nach solch erhabner Lehre
Bewegt er Haupt und Glieder,
Da zieht ihn schon die Schwere
Zur grausen Tiefe nieder,
Und auf dem weiten Meere
Ist Alles ruhig wieder.


Hermann Lingg




Foto von Marcus Woodbridge auf Unsplash


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Fledermaus Party - fast ein F-Gedicht




Fledermaus Party

- fast ein F-Gedicht


Fledermauskind Flügelflatter
folgt nur zu gern dem Gevatter
Fridolinus zu dem Fest,
wo sich treffen Fritz und Frieda.
Flügelflatter war noch nie da.

Letztes Jahr war er zu klein,
aber jetzt darf er hinein
in die feine Festtagshalle,
mit den endlos hohen Fenstern.
Schau, hier tummeln sie sich alle,
graue, braune, auch Gespenster.

Fledermäuse sind da offen,
gruselig ist ganz Familie.
Flügelflatter ist im Stile
Frank des Großen kostümiert.
Flog der doch ganz ungeniert,
fast bis zu Sternen rauf.

Ist geflunkert, glaub ich auch.
Doch egal, der Frack ist chic!
Flügelflatter trägt ihn stolz,
nascht zwei Motten, richtig dick. 

Ja, so macht das Fest ihm Spaß,
könnte ruhig noch Wochen gehen.
Viel Geflatter, netter Fraß und Musik,
zum Haar-hoch-Stehen. 


Leider endet diese Nacht,
alle huschen rasch ins Bett. Ja,
dies Fest war große Klasse, 
doch jetzt schlafen, ist auch nett. 



veredit©isabella.kramer24



 ABC Reihe für Kinder 


Illustration created with AI by © Isabella Kramer



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Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de




Der Wind

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Der Wind

Ich bin der Wind
Und komm' geschwind;
Ich wehe durch den Wald,
Dass weit es widerhallt.

Bald säusle ich gelind
Und bin ein sanftes Kind,
Bald braus' ich wie ein Mann,
Den niemand fesseln kann.

Schließt Tür und Fenster zu,
Sonst habt ihr keine Ruh';
Ich bin der Wind
Und komm' geschwind.



Franz Graf von Pocci





Foto von Khamkéo auf Unsplash

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Die Blätter fallen

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Die Blätter fallen


Die Blätter fallen, fallen wie von weit, 
als welkten in den Himmeln ferne Gärten; 
sie fallen mit verneinender Gebärde. 

Und in den Nächten fällt die schwere Erde 
aus allen Sternen in die Einsamkeit. 

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. 
Und sieh dir andre an: es ist in allen. 

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen 
unendlich sanft in seinen Händen hält.





Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926




Photo copyright: Isabella Kramer 

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Herbst

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Herbst


Rings ein Verstummen, ein Entfärben;
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.

Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir, als hör ich Kunde wehen,
Daß alles Sterben und Vergehen
Nur heimlichstill vergnügtes Tauschen.



Nikolaus Lenau, 1802 - 1850




Photo copyright: Isabella Kramer


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Guano

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Guano


Ich weiß eine friedliche Stelle
Im schweigenden Ozean,
Kristallhell schäumet die Welle
Am Felsengestade hinan.
Im Hafen erblickst du kein Segel,
Keines Menschen Fußtritt am Strand;
Viel tausend reinliche Vögel
Hüten das einsame Land.

Sie sitzen in frommer Beschauung,
Kein einz'ger versäumt seine Pflicht,
Gesegnet ist ihre Verdauung
Und flüssig als wie ein Gedicht.
Die Vögel sind all' Philosophen,
Ihr oberster Grundsatz gebeut:
»Den Leib halt' allezeit offen
Und alles andre gedeiht.«

Was die Väter geräuschlos begonnen,
Die Enkel vollenden das Werk;
Geläutert von tropischen Sonnen,
Schon türmt es empor sich zum Berg.
Sie sehen im rosigsten Lichte
Die Zukunft und sprechen in Ruh':
»Wir bauen im Lauf der Geschichte
Noch den ganzen Ozean zu.«

Und die Anerkennung der Besten
Fehlt ihren Bestrebungen nicht,
Denn fern im schwäbischen Westen
Der Böblinger Repsbauer spricht:
»Gott segn' euch, ihr trefflichen Vögel,
An der fernen Guanoküst', –
Trotz meinem Landsmann, dem Hegel,
Schafft ihr den gediegensten Mist!«

Joseph Victor von Scheffel, 1826 - 1886



Foto von TC Photography auf Unsplash

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