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Wenn's schneit! - Kindervers

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Wenn's schneit, wenn's schneit,

ist Weihnacht nicht mehr weit.

Dann geht der alte Nikolaus

mit seinem Sack von Haus zu Haus.


Wenn's schneit, wenn's schneit,

ist Weihnacht nicht mehr weit.

Dann kann man durch die Straßen gehn

und all die schönen Sachen sehn.


Wenn's schneit, wenn's schneit,

ist Weihnacht nicht mehr weit.

Dann riecht es, ach, so wundersam,

nach Äpfeln und nach Marzipan.


[Kindervers]





Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de


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Epiphanias

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Epiphanias 

Die heil'gen drei König mit ihrem Stern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern.

Die heil'gen drei König sind kommen allhier,
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
Und wenn statt drei es viere war',
So war' ein heil'ger drei König mehr.

Ich erster bin der weiß und auch der schön',
Bei Tage solltet ihr mich nur erst sehn!
Doch ach, mit allen Spezerein
Werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfrein!

Ich aber bin der braun' und bin der lang',
Bekannt bei Weibern wohl und beim Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerein,
Da werd ich überall willkommen sein.

Ich endlich bin der schwarz' und bin der klein'
Und kann auch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern, ich trinke gern,
Ich esse, trinke und bedank mich gern.

Die heil'gen drei König' sind wohl gesinnt,
Sie suchen die Mutter und auch das Kind;
Der Joseph fromm sitzt auch dabei,
Der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold;
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,
Aber keine Ochsen und Esel schaun;
So sind wir nicht am rechten Ort
Und ziehn unsers Weges weiter fort.


Johann Wolfgang von Goethe







Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 



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Ein H-Gedicht

 



Ein H-Gedicht


Hiltrud hascht nach Hagebutten.
Harzer Hallimasch schmeckt lecker!

Heckenigel häufig husten.
Hanni hofft auf gutes Wetter,

Herbstwinde die heftig pusten
hunderttausend Herbstwäldblätter.

Hedwig häkelt gerne Hüte, 
Horst fänd' eigentlich Handschuh netter. 

Helga haucht auf Scheiben Herzen.
Hektor sucht verzweifelt Kerzen.

Heringshappen sind recht sauer,
Hasenkinder sind viel schlauer,

als man unlängst noch vermutet.
Hosenträger sind was Gutes. 

Heidrun strickt 'ne Haube sich, 
warum eigentlich nicht für mich?

Heißer Heinrich macht betrunken.
Holger hätschelt kranke Unken.

Heidelinde heult of heftig,
Hefeknödel schmecken deftig.

Haltet ein!, ruft Hans der Wicht,
und so schließt das H-Gedicht.



veredit©isabella.kramer23 





 ABC Reihe für Kinder 



Photo Copyright: Isabella Kramer




auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


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In dieser Nacht

  


 

In dieser Nacht 

 

Sahst du schon mal die Weihnachtsfrau
mit ihrem roten Mützchen?
Sie fällt schon auf,
erst rechts ihr Paar Goldflügelchen,
die blitzen besonders schön bei Kerzenlicht.

Natürlich kann sie fliegen!
Wie sollte sie wohl sonst schon auch
 ihr Werk erledigt kriegen?
Verloren wär' der Weihnachtsmann,
wenn sie nicht helfen würde.

Geschenke bringen, weltumspannend,
ist schon 'ne rechte Bürde.
Da ist es gut, wenn man zu zweit
die Arbeit kann sich teilen.

Schaust du in Richtung Nordpol
siehst du, die beiden sich beeilen,
den braven Kinder auf der Welt
Herzwünsche zu erfüllen,
geheimnisvoll und unbemerkt,
in dieser Nacht, der stillen. 

 

 

veredit©isabella.kramer21



Gemälde Copyright: Isabella Kramer 



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Der Luftballon

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Der Luftballon

Das war wohl nicht nach deinem Sinn,
O weh, mein kleiner Hans!
Da fliegt dein Luftballon dahin
Im Morgensonnenglanz.

Und alle Leute um und um,
Sie stehn und sehn empor
Und freun sich gar und lachen drum,
Daß Hänschen ihn verlor.

Da geht er ab und segelt fort,
Empor mit leichtem Flug
Und sucht sich einen andern Ort -
Die Welt ist groß genug.

In blaue Luft steigt er gemach,
Und unerreichbar fern
Verstrahlt er überm Kirchendach
Als wie ein roter Stern.

Nach Süden segelt er geschwind,
Zum fernen Afrika,
Wo all die Schwarzen Menschen sind,
Und bald ist er schon da.

Wie dann sich wohl die Schwarzen freun,
Und alles tanzt und springt,
Wenn übermorgen um halb neun
Er dort heruntersinkt.


Heinrich Seidel, 1842 - 1906








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Bäume leuchtend

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Bäume leuchtend

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend.
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend –
Solch ein Fest ist uns bescheret.
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und Her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dir’s begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Von dir glänzten all zusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.


Johann Wolfgang von Goethe





Photo credit: Isabella Kramer




Hans Hexelmann

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Hans Hexelmann

Der Drechselmann Hans Hexelmann
hat seinen Laden aufgetan.
Nun kommt, ihr Kinder, groß und klein,
und kauft die schönen Sachen ein!
Hier eine Peitsche, hier ein Pferd,
Da einen Helm und dort ein Schwert;
hier eine Puppe, hier ein Bett,
und dorten Küch und Kabinett;
Hanswurstel auch und Hutzelmann,
Kurz - was ein Herz nur wünschen kann.
Drum kommt, ihr Kinder, groß und klein,
und kauft die schönen Sachen ein!


Friedrich Güll

 

 

 

Photo credit: Isabella Kramer




Sankt Niklas' Auszug



Sankt Niklas' Auszug

Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus,
klopft seine lange Pfeife aus
und sagt zur heiligen Kathrein:
Öl mir die Wasserstiefel ein,
bitte hol auch den Knotenstock
vom Boden und den Fuchspelzrock,
die Mütze lege oben drauf,
und schütte dem Esel tüchtig auf,
halt auch sein Sattelzeug bereit;
wir reisen, es ist Weihnachtszeit.

Und dass ich's nicht vergess, ein Loch
ist vorn im Sack, das stopfe noch!
Ich geh derweil zu Gottes Sohn
und hol mir meine Instruktion.
Die heilige Käthe, sanft und still,
tut alles, was Sankt Niklas will.
Der klopft indes beim Herrgott an,
Sankt Peter hat ihm aufgetan
und sagt: Grüß Gott! wie schaut's denn aus?
und führt ihn ins himmlische Werkstättenhaus.

Da sitzen die Englein an langen Tischen,
ab und zu Feen dazwischen,
die den kleinsten zeigen, wie's zu machen,
und weben und kleben die niedlichsten Sachen,
hämmern und häkeln, schnitzen und schneidern,
fälteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern,
packen die Schachteln, binden sie zu
und haben so glühende Bäckchen wie Du.

Herr Jesus sitzt an seinem Pult
und schreibt mit Liebe und Geduld
eine lange Liste. Potz Element,
wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt!
Die sollen die schönen Engelsgaben
zu Weihnachten haben.
Was fertig ist, wird eingepackt
und auf das Eselchen gepackt.
Sankt Niklas zieht sich recht warm an;
Kinder, er ist ein alter Mann,
und es fängt tüchtig an zu schnein,
da muss er schon vorsichtig sein.

So geht es durch die Wälder im Schritt,
manch Tannenbäumchen nimmt er mit;
und wo er wandert, bleibt im Schnee
manch Futterkörnchen für Hase und Reh.
Aus Haus und Hütte strahlt es hell,
da hebt er dem Esel den Sack vom Fell,
macht leise alle Türen auf,
jubelnd umdrängt ihn der kleine Hauf:
Sankt Niklas, Sankt Niklas,
was hast du gebracht?
was haben die Englein
für uns gemacht?
»Schön Ding, gut Ding,
aus dem himmlischen Haus;
langt in den Sack! holt euch was raus!«



Paula Dehmel, 1862-1918





Gemälde copyright: Isabella Kramer



Kaufmann

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Kaufmann

Kommt, ihr Leute, schnell herbei,
Wer nur will was kaufen!
Gute Sachen allerlei
Hab’ ich hier in Haufen.

Seht, wie reichlich ausgeschmückt
Ist mein ganzer Laden,
Wie sind fest- und vollgedrückt
Kisten und Schubladen!

Wie bis oben angestopft
All’ die großen Fässer!
Ei, so kommt herbei und klopft,
Nirgends kauft ihr besser.

Hier ist echt Chineser Tee,
Schokolade dorten,
Und da Zucker und Kaffee
Von verschied’nen Sorten.

Pfeffer, Ingwer, Nelken, Zimt
Und Muskatenblüte
Hab’ ich hier, sie sind bestimmt
Von besondrer Güte.

Gerste, Sago, Nudeln, Reis,
Senf und Öl und Essig
Geb’ ich auch um niedern Preis,
Und recht reichlich mess’ ich.

Wollt ihr dann für euren Tisch
Heringe, Sardellen,
Oder Stock- und andre Fisch’,
Dürft ihr mir nur schellen.

Braucht ihr auch zur sauren Brüh’
Lorbeerblatt und Kapern,
Dürft ihr spät noch und schon früh
Nur am Laden klappern.

Hab’ auch Gurken zum Salat,
Billige Zitronen,
Echten Arak und Muskat,
Saftige Melonen. -

Diener, meine feinen Herrn!
Können Sie nichts brauchen?
Und ihr Bauern, die ihr gern
Schnupfen tut und rauchen?

Hier Zigarren mancherlei:
Maryland, Havanna,
Portoriko in dem Blei
Und Louisianna.

Dorten nach dem Pfund und Lot:
Knaster, Quak und Reiter,
Bestelmeyer, Oldenkott,
Stadthaus und so weiter.

Wer mag Käs? Das ganze Pfund
Nur für zwanzig Kreuzer!
Sagt mir, wollt ihr vom Burgund,
Oder einen Schweizer?

Außerdem empfehl ich euch
Die Gewürzlebkuchen,
Und dergleichen süßes Zeug’
Wollt ihr’s nicht versuchen?

Datteln und Johannisbrot,
Zwetschgen, Feigen, Mandeln;
Gerstenschleim und Anisbrot
Könnt ihr auch erhandeln.

Nur soll mir zum Schabernack
Von den losen Schlingeln
Keiner ohne Geld im Sack
An dem Laden klingeln.

Denn für solche Schelmenleut’,
Die nur alles borgen,
Hab’ ich keine Ehren heut’,
Keine Waren morgen.

Darum sorget, eh’ ihr schellt
Und was wollt ermäkeln,
Daß ihr wacker gutes Geld
Habt in euren Säckeln.




Friedrich Wilhelm Güll, 1812 - 1879 aus der Sammlung Kinderheimat




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Weihnachten

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Weihnachten

Und wieder nun läßt aus dem Dunkeln
Die Weihnacht ihre Sterne funkeln!
Die Engel im Himmel hört man sich küssen
Und die ganze Welt riecht nach Pfeffernüssen ...

So heimlich war es die letzten Wochen,
Die Häuser nach Mehl und Honig rochen,
Die Dächer lagen dick verschneit
Und fern, noch fern schien die schöne Zeit.
Man dachte an sie kaum dann und wann.
Mutter teigte die Kuchen an
Und Vater, dem mehr der Lehnstuhl taugte,
Saß daneben und las und rauchte.
Da plötzlich, eh man sich's versah,
Mit einem Mal war sie wieder da.

Mitten im Zimmer steht nun der Baum!

Man reibt sich die Augen und glaubt es kaum ...
Die Ketten schaukeln, die Lichter wehn,
Herrgott, was giebt's da nicht alles zu sehn!
Die kleinen Kügelchen und hier
Die niedlichen Krönchen aus Goldpapier!
Und an all den grünen, glitzernden Schnürchen
All die unzähligen, kleinen Figürchen:
Mohren, Schlittschuhläufer und Schwälbchen,
Elephanten und kleine Kälbchen,
Schornsteinfeger und trommelnde Hasen,
Dicke Kerle mit rothen Nasen,
Reiche Hunde und arme Schlucker
Und Alles, Alles aus purem Zucker!

Ein alter Herr mit weißen Bäffchen
Hängt grade unter einem Äffchen.
Und hier gar schält sich aus seinem Ei
Ein kleiner, geflügelter Nackedei.
Und oben, oben erst in der Krone!!
Da hängt eine wirkliche, gelbe Kanone
Und ein Husarenleutnant mit silbernen Tressen –
Ich glaube wahrhaftig, man kann ihn essen!

In den offenen Mäulerchen ihre Finger,
Stehn um den Tisch die kleinen Dinger,
Und um die Wette mit den Kerzen
Puppern vor Freuden ihre Herzen.
Ihre großen, blauen Augen leuchten,
Indess die unsern sich leise feuchten.
Wir sind ja leider schon längst »erwachsen«,
Uns dreht sich die Welt um andre Achsen

Und zwar zumeist um unser Bureau.
Ach, nicht wie früher mehr macht uns froh
Aus Zinkblech eine Eisenbahn,
Ein kleines Schweinchen aus Marzipan.
Eine Blechtrompete gefiel uns einst sehr,
Der Reichstag interessiert uns heut mehr;
Auch sind wir verliebt in die Regeldetri
Und spielen natürlich auch Lotterie.
Uns quälen tausend Siebensachen.
Mit einem Wort, um es kurz zu machen,
Wir sind große, verständige, vernünftige Leute!

Nur eben heute nicht, heute, heute!

Über uns kommt es wie ein Traum,
Ist nicht die Welt heut ein einziger Baum,
An dem Millionen Kerzen schaukeln?
Alte Erinnerungen gaukeln
Aus fernen Zeiten an uns vorüber
Und jede klagt: Hinüber, hinüber!
Und ein altes Lied fällt uns wieder ein:
O selig, o selig, ein Kind noch zu sein!





Hermann Oscar Arno Alfred Holz, 1863 - 1929


 
 Photo credit: Isabella Kramer








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Vom Honigkuchenmann

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Vom Honigkuchenmann


Keine Puppe will ich haben -
Puppen gehn mich gar nichts an.
Was erfreu’n mich kann und laben
Ist ein Honigkuchenmann.
So ein Mann mit Leib und Kleid
durch und durch an Süßigkeit.

Stattlicher als eine Puppe
Sieht ein Honigkerl sich an,
Eine ganze Puppengruppe
Mich nicht so erfreuen kann.
Aber seh ich recht dich an,
Dauerst du mich, lieber Mann.

Denn du bist zum Tod erkoren -
Bin ich dir auch noch so gut,
Ob du hast ein Bein verloren.
Ob das andre weh dir tut:
Armer Honigkuchenmann,
Hilft dir nicht, du mußt doch ran.



August Heinrich Hoffmann von Fallersleben




Photo credit: Isabella Kramer




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Weihnachten

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Weihnachten


Leise weht's durch alle Lande 
wie ein Gruß vom Sternenzelt, 
schlinget neue Liebesbande 
um die ganze weite Welt. 

Jedes Herz mit starkem Triebe 
ist zu Opfern froh bereit, 
denn es naht das Fest der Liebe, 
denn es naht die Weihnachtszeit. 

Und schon hat mit tausend Sternen 
sich des Himmels Glanz entfacht, 
leise tönt aus Himmelsfernen 
Weihgesang der heil'gen Nacht. 

Hell aus jedem Fenster strahlet 
wundersam des Christbaums Licht, 
und der Freude Schimmer malet 
sich auf jedem Angesicht. 

Lichte Himmelsboten schweben 
ungeseh'n von Haus zu Haus; 
selig Nehmen, selig Geben 
geht von ihrer Mitte aus. 

O willkommen, Weihnachtsabend, 
allen Menschen, groß und klein! 
Friedebringend, froh und labend 
mögst du allen Herzen sein!


Adelheid Humperdinck-Wette , 1858 - 1916
 
 
 
Photo credit: Isabella Kramer 
 


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Das Schlaraffenland

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Das Schlaraffenland

Eine Gegend heißt Schlaraffenland,
den faulen Leuten wohlbekannt;
die liegt drei Meilen hinter Weihnachten.
Ein Mensch, der dahinein will trachten,
muß sich des großen Dings vermessen
und durch einen Berg von Hirsebrei essen;
der ist wohl dreier Meilen dick;
alsdann ist er im Augenblick
im selbigen Schlaraffenland.

Da hat er Speis und Trank zur Hand;
da sind die Häuser gedeckt mit Fladen,
mit Lebkuchen Tür und Fensterladen.
Um jedes Haus geht rings ein Zaun,
geflochten aus Bratwürsten braun;
vom besten Weine sind die Bronnen,
kommen einem selbst ins Maul geronnen.

An den Tannen hängen süße Krapfen
wie hierzulande die Tannenzapfen;
auf Weidenbäumen Semmeln stehn,
unten Bäche von Milch hergehn;
in diese fallen sie hinab,
daß jedermann zu essen hab.

Auch schwimmen Fische in den Lachen,
gesotten, gebraten, gesalzen, gebacken;
die gehen bei dem Gestad so nahe,
daß man sie mit den Händen fahe.
Auch fliegen um, das mögt ihr glauben,
gebratene Hühner, Gäns' und Tauben;
wer sie nicht fängt und ist so faul,
dem fliegen sie selbst in das Maul.

Die Schweine, fett und wohlgeraten,
laufen im Lande umher gebraten.
Jedes hat ein Messer im Rück';
damit schneid't man sich ab ein Stück
und steckt das Messer wieder hinein.
Käse liegen umher wie die Stein.
Ganz bequem haben's die Bauern;
sie wachsen auf Bäumen, an den Mauern;
sind sie zeitig, so fallen sie ab,
jeder in ein Paar Stiefel herab.

Auch ist ein Jungbrunn in dem Land;
mit dem ist es also bewandt:
wer da häßlich ist oder alt,
der badet sich jung und wohlgestalt't
Bei den Leuten sind allein gelitten
mühelose, bequeme Sitten.
So zum Ziel schießen die Gäst',
wer am meisten fehlt, gewinnt das Best;
im Laufe gewinnt der Letzte allein;
das Schlafrocktragen ist allgemein,

Auch ist im Lande gut Geld gewinnen:
wer Tag und Nacht schläft darinnen,
dem gibt man für die Stund' einen Gulden;
wer wacker und fleißig ist, macht Schulden.
Dem, welcher da sein Geld verspielt,
man alles zwiefach gleich vergilt,
und wer seine Schuld nicht gern bezahlt,
auch wenn sie wär eines Jahres alt,
dem muß der andere doppelt geben.

Der, welcher liebt ein lustig Leben,
kriegt für den Trunk einen Batzen Lohn;
für eine große Lüge gibt man eine Kron'.
Verstand darf man nicht lassen sehn,
aller Vernunft muß man müßig gehn;
wer Sinn und Witz gebrauchen wollt,
dem wär kein Mensch im Lande hold.
Wer Zucht und Ehrbarkeit hätt lieb,
denselben man des Lands vertrieb,
und wer arbeitet mit der Hand,
dem verböt man das Schlaraffenland.

Wer unnütz ist, sich nichts läßt lehren,
der kommt im Land zu großen Ehren,
und wer der Faulste wird erkannt,
derselbige ist König im Land.
Wer wüst, wild und unsinnig ist,
grob, unverständig zu aller Frist,
aus dem macht man im Land einen Fürsten.
Wer gern ficht mit Leberwürsten,
aus dem ein Ritter wird gemacht,
und wer auf gar nichts weiter acht't
als auf Essen, Trinken und Schlafen,
aus dem macht man im Land einen Grafen.

Wer also lebt wie obgenannt,
der ist gut im Schlaraffenland,
in einem andern aber nicht.
Drum ist ein Spiegel dies Gedicht,
darin du sehest dein Angesicht.


Hans Sachs, geb. 1494 - gest. 1576


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Dezemberfreuden

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Dezemberfreuden
 
 
Dezemberschnee, Dezembereis, 
frohe Kinder, Mütterfleiß, 
Nikolaus und Weihnachtsstern, 
heil'ger Abend nicht mehr fern.
Basteln, singen, Plätzchen backen, 
Zweige stecken, Nüsse knacken,

Päckchen richten, Freude bringen 
hoffen auf ein gut Gelingen. 
Glocken läuten, es ist soweit, 
Weihnachtsabend, Weihnachtsfreud, 
 Kinderlachen, selige Zeit, 
So war's damals, so ist's heut.

 
 
Elise Pinter 
 



Photo credit: Isabella Kramer 
 
 






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zu einem Geschenk

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Zu einem Geschenk

Ich wollte dir was dedizieren,
nein, schenken, was nicht zuviel kostet.
Aber was aus Blech ist, rostet,
und Messing-Gegenstände oxydieren.

Und was kosten soll es eben doch.
Denn aus Mühe mach ich extra noch
was hinzu, auch kleine Witze.
Wär bei dem, was ich besitze,

etwas Altertümliches dabei ---
doch was nützt dir eine Lanzenspitze!
An dem Bierkrug sind die beiden
Löwenköpfe schon entzwei.

Und den Buddha mag ich selber leiden.
Und du sammelst keine Schmetterlinge,
die mein Freund aus China mitgebracht.
Nein - das Sofa und so grosse Dinge kommen

überhaupt nicht in Betracht.
Ach, ich hab die ganze letzte Nacht,
rumgegrübelt, was ich dir geben könnte.
Schlief deshalb nur eine,

allerhöchstens zwei von sieben Stunden,
und zum Schluss hab ich doch nur dies kleine,
lumpige, beschissne Ding gefunden.
Aber gern hab ich für dich gewacht.

Was ich nicht vermochte, tu du's:
Drücke du nur ein Auge zu.
Und bedenke,
dass ich dir fünf Stunden Wache schenke.

Lass mich auch in Zukunft nicht in Ruh.





von Joachim Ringelnatz 1883-1934




Foto copyright: Isabella Kramer


 
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Das Brot

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Das Brot 

Er saß beim Frühstück äußerst grämlich,
Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich:
»Aha, so ist es mit dem Orden
Für diesmal wieder nichts geworden.

Ja, Freund, wer seinen Blick erweitert
Und schaut nach hinten und nach vorn,
Der preist den Kummer, denn er läutert.
Ich selber war ein Weizenkorn.

Mit vielen, die mir anverwandt,
Lag ich im rauhen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
Macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
Und hat mich an der Nas gezupft.
Und als es Winter ward, verfror,
Was peinlich ist, mein linkes Ohr.

Und als ich reif mit meiner Sippe,
O weh, da hat mit seiner Hippe
Der Hans uns rutschweg abgesäbelt
Und zum Ersticken festgeknebelt

Und auf die Tenne fortgeschafft,
Wo ihrer vier mit voller Kraft
In regelrechtem Flegeltakte
Uns klopften, daß die Schwarte knackte.

Ein Esel trug uns nach der Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
Wenn man, zerrieben und gedrillt
Zum allerfeinsten Staubgebild,

Sich kaum besinnt und fast vergißt,
Ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
Nachdem wir erst als zäher Kleister

In seinem Troge baß gehudelt,
Vermengt, geknetet und vernudelt,
Uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?

Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
Greif zu und schneide nicht zu knapp,
Und streiche tüchtig Butter drüber,
Und gib den andern auch was ab!«



von Wilhelm Busch



Photo copyright: Isabella Kramer
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Seemuscheln


 
Ich komme her vom Meeresstrand, 
Da fand ich Blümlein allerhand: 
Die ohne Pfleg‘ und Sonnenschein
Im weißen Sande gut gedeih‘n, 




Die nicht im Reif und Schnee vergehn, 
Vor Regenguß und Sturm bestehn, 
Ja, die da blüh‘n das ganze Jahr 
Am Strande schön und wunderbar. 




„Hast du dabei an mich gedacht
Und mir ein Blümlein mitgebracht?” 
Ich habe wohl an dich gedacht 
Und dir manch Blümlein mitgebracht. 
Nimm diese Muscheln gelb und grau 
Und rosenrot und himmelblau. 



von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben,1798-1874 

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