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Der Flockenzähler - Teil 2

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Der Flockenzähler


hat allen Grund zum Freuen
die Luft ist längst nicht mehr so kalt,
der Frühling naht, er spürt’s genau.
Natur erwacht von Neuem.

Frau Holle packt die Kissen fort,
Schluss nun mit dicken Flocken.
Jetzt ist's vorbei mit tagelang,
nur in der Stube hocken.

Herr Igel und Frau Dachs sind wach,
Schneeglöckchen läuten leise,
Narzissen schaukeln sanft im Wind,
der Bach befreit vom Eise.

Nun braucht er nicht mehr zählen,
ob irgendwo ein Flöckchen fällt.
Sein langer Dienst er endet jetzt,
denn warm und sonnig wird die Welt.

So räumt er schnell die Listen fort,
verstaut die Wintersocken,
zum Regenbogen-Wohlfühl-Ort
läßt er sich gerne locken.

Wer so viel zählt, der braucht auch Pausen,
zum Tanzen und zum fröhlich sein.
Das gilt nicht nur für Flockenzähler,
nein, auch für uns, für Groß und Klein.



veredit©Isabella Kramer 2024



weitere Gedichte vom: Flockenzähler





Photo copyright: 
Isabella Kramer



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Winter im Garten

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 Winter im Garten


Von feinstem Raureif überzogen
der Garten frostig schauernd liegt.
Wo einst im Sommer Blüten wogten,
ertönt der Amsel Winterlied.

Der Buchs schmückt sich mit weißer Mütze,
die schmalen Wege sind verschneit,
zum Eissee wird die kleinste Pfütze.
Natur im seidig kühlen Kleid.

Mit tausend glitzernden Kristallen
verziert sind jeder Baum und Strauch.
Gleich schimmernd weißen Seekorallen,
sehn selbst die kahlsten Äste aus.

Bewehrt mit tausend Nadelspitzen,
dick überzuckert, doch nicht zu süß,
am Stock die letzten Rosen sitzen -
frostkonserviert fürs Paradies.

Sieh, auf dem Rasen liegt ein Schleier,
ein Netz aus diamant'nem Staub.
Trug ihn die Eisfee jüngst zur Feier
und hat ein Prinz ihn ihr geraubt?

Doch als der Wind von Süden kam,
kam auch der Frühling in den Garten.
Des Winters Kraft ein Ende nahm,
und neues Leben lohnt das Warten.

 
 
veredit©Isabella.Kramer
 
 
 



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Isabella Kramer


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Der Reiter und der Bodensee

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Der Reiter und der Bodensee


Der Reiter reitet durch’s helle Tal,
Auf’s Schneefeld schimmert der Sonne Strahl.

Er treibet im Schweiß durch den kalten Schnee, –
Will heut noch erreichen den Bodensee;

Noch heut mit dem Pferd’ in den sichern Kahn
Will drüben noch landen vor Nacht er an.

Auf schlimmem Weg, über Dorn und Stein,
Er braust auf rüstigem Roß feldein.

Aus den Bergen heraus, in’s ebene Land,
Weit sieht er sich dehnen das Schneegewand.

Weit hinter ihm schwindet so Dorf wie Stadt,
Der Weg wird eben, die Bahn wird glatt.

In weiter Fläche kein Bühl, kein Haus,
Die Bäume gingen, die Felsen aus;

So flieget er hin eine Meil’ und zwei,
Er hört in den Lüften der Schneegans Schrei;

Es flattert das Wasserhuhn empor,
Nicht andere Laute vernimmt sein Ohr;

Keinen Wandersmann sein Auge schaut,
Der ihm den rechten Pfad vertraut.

Fort geht’s wie auf Samt, auf dem weichen Schnee;
Wann rauscht denn das Wasser? wann glänzt der See?

Da bricht der Abend, der frühe herein,
Von Lichtern blinket ein ferner Schein.

Es hebt aus dem Nebel sich Baum an Baum,
Und Hügel schließen den weiten Raum.

Er spürt auf dem Boden Stein und Dorn,
Dem Rosse giebt er den scharfen Sporn.

Die Hunde bellen empor am Pferd,
Und es winkt im Dorf ihm der warme Herd.

„Willkommen am Fenster, Mägdelein,
An den See, an den See, – wie weit mag’s sein?“

Die Maid, sie staunet den Reiter an:
„Der See liegt hinter dir und der Kahn.

Und deckt ihn die Rinde von Eis nicht zu,
Ich spräch’, aus dem Nachen stiegest du.“

Der Fremde schaudert, er atmet schwer:
„Dort hinten die Eb’ne, die ritt ich her!“

Da recket die Magd die Arm in die Höh’:
„Herr Gott! so rittest du über den See!“

„An den Schlund, an die Tiefe bodenlos
Hat gepocht des rasenden Hufes Stoß!“

„Und unter dir zürnten die Wasser nicht?
Nicht krachte hinunter die Rinde dicht?“

„Du wardst nicht die Speise der stummen Brut?
Der hungrigen Hecht’ in der kalten Flut?“ –

Sie rufet das Dorf herbei zu der Mähr,
Es stellen die Knaben sich um ihn her;

Die Mütter, die Greise, sie sammeln sich:
„Glückseliger Mann, ja, segne du dich!“

„Herein zum Ofen, zum dampfenden Tisch,
Brich mit uns das Brot und iss vom Fisch!“

Der Reiter erstarret auf seinem Pferd,
Er hat nur das erste Wort gehört.

Es stocket sein Herz, es sträubt sich sein Haar,
Dicht hinter ihm grinset noch die Gefahr.

Es sieht sein Blick nur den grässlichen Schlund,
Im Geist versinkt er im schwarzen Grund.

Im Ohr ihm donnerts, wie krachend Eis,
Wie die Well’ umrieselt ihn kalter Schweiß.

Da seufzt er, da sinkt er vom Roß herab,
Da ward ihm am Ufer ein – trocken Grab.


Gustav Schwab, 1792 - 1850




Foto von Nick Iliasov auf Unsplash


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Das Dorf im Schnee

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Das Dorf im Schnee

Still, wie unterm warmen Dach,
Liegt das Dorf im weißen Schnee;
In den Erlen schläft der Bach,
Unterm Eis der blanke Schnee.

Weiden steh'n im weißen Haar,
Spiegeln sich in starrer Flut;
Alles ruhig, kalt und klar
Wie der Tod der ewig ruht.

Weit, so weit das Auge sieht,
keinen Ton vernimmt das Ohr;
Blau zum blauen Himmel zieht
Sacht der Rauch vom Schnee empor.

Möchte schlafen wie der Baum,
Ohne Lust und ohne Schmerz;
Doch der Rauch zieht wie im Traum
Still nach Haus mein Herz.




Klaus Groth, 1819 - 1899






Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


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Zauberer Geständnis

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Zauberer Geständnis

Schreibzaubern wäre wunderbar
und wahrlich mehr als nützlich.
Man nähm' nen Stift und siehe da,
was aufgeschrieben wäre wahr
und würd' sofort erscheinen.

Mit einem Strich und Kringel gar,
könnte man sich ganz Li, ganz La
die Laune selbst aufhellen
und bräuchte man ein großes Eis
oder 'nen neuen Freundeskreis,
schrieb man es hin und welches Glück,
das so Gewünschte man erblickt.

Auch Schulprobleme kein Problem,
denn schreibgezaubert und bequem,
man ohne Lernen viel erreicht.
Vielleicht das Hirn ganz leicht aufweicht,
doch andere haben schon bewiesen,
das hindert nicht im La, im Liesen,
im Leben kommt man trotzdem weiter.

Drum munter auf!
Schreibzaubert weiter!
Ihr glaubt das könnte nicht gelingen?
Mag sein, ich schreib ja nur von Dingen,
von denen ich nicht viel verstehe.
Es ist gezaubert, ich gestehe.

 

 

 

veredit©isabella.kramer22

 

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Der Traum des kleinen Buchenblattes



Der Traum des kleinen Buchenblattes

Fest klammert es sich unverzagt
an Mutters ausgestreckte Arme,
ob Sturm es ruckelt und zerrt, 
ob Schnee und Eis es schier verbarg.
Es würde bleiben, unverbrüchlich, 
nur seine große Chance zählt, 
erst wenn der Wind aus Süden kommt
und es zum Reisen auserwählt.

"Wir Buchenblätter leben lange!"
erinnert es Großvaters Worte und
glaubt ganz fest an seine Hoffnung;
die es dann bringt an jene Orte,
von denen all die Vögel sprachen
wenn sie auf ihren Ästen saßen.

So war sein Fernweh einst erweckt, 
sein Traum zu reisen war geboren. 
Es war gewiss, es würde merken, 
wenn jener Tag kam, der erkoren
war für den großen Flug und da,
in seinen Traum hinein,
kam ein Böe, zart und klug,
die wisperte: "Ich bin gekommen,
um dir zu zeigen kleines Blatt,
welch Wunderbares man erlebt,
wenn man noch seine Träume hat."

Da löste es die alten Bande,
gleich einem kleinen Schmetterling,
erhob es sich flog Richtung Wolken. 
die Böe es zärtlich, fest umfing.
Sie war ganz warm und roch nach Meer, 
das Blättchen fühlte sich benommen.
Von Aufregung und Glück gepackt,
konnt' gar nicht aus dem Staunen kommen....

Siehst du also am Winterende
ein kleines Blatt gen Süden treiben,
dann weißt du, was dafür der Grund war,
dies alles für dich aufzuschreiben. 




veredit©isabella.kramer2022 

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Am Kamin

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Am Kamin 


Stürme, Dezember, vor meinem Gemach,
Hänge Zapfen von Eis an das Dach;
Nichts doch weiß ich vom Froste;
Hier am wärmenden, trauten Kamin
Ist mir, als ob des Frühlings Grün
Rings um mich rankte und sproßte.


All das Gezweig, wie es flackert und flammt,
Plaudert vom Walde, dem es entstammt,
Redet von seligen Tagen,
Als es, durchfächelt von Sommerluft,
Knospen und Blüten voll Glanz und Duft,
Grünende Blätter getragen.


Fernher hallenden Waldhornklang
Glaub′ ich zu hören, Drosselgesang,
Sprudelnder Quellen Schäumen,
Tropfenden Regen durchs Laubgeäst,
Der die brütenden Vögel im Nest
Weckt aus den Mittagsträumen.


Stürme denn, Winter, eisig und kalt!
An den Kamin herzaubert den Wald
Mir der Flammen Geknister,
Bis ich bei Frühlingssonnenschein
Wieder im goldgrün schimmernden Hain
Lausche dem Elfengeflüster.





Adolf Friedrich Graf von Schack, 1815 - 1894







Photo by Oxana Lyashenko on Unsplash



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Eisnacht

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Eisnacht

Wie in Seide ein Königskind
schläft die Erde in lauter Schnee,
blauer Mondscheinzauber spinnt
schimmernd über der See.


Aus den Wassern der Raureif steigt,
Büsche und Bäume atmen kaum:
durch die Nacht, die erschauernd schweigt,
schreitet ein glitzernder Traum.


Clara Müller-Jahnke, 1860 - 1905



Photo by Federico Bottos on Unsplash

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Winterfreuden

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Winterfreuden

Nicht nur der Sommer, sondern auch
Der Winter hat sein Schönes,
Wiewohl man friert bei seinem Hauch,
So ist doch dies und jenes
Im Winter wirklich angenehm,
Besonders daß man sich bequem
Kann vor dem Frost bewahren,
Und auch im Schlitten fahren.

Das weite Feld ist kreidenweiß,
Wem machte das nicht Freuden?
Die Knaben purzeln auf dem Eis,
Wenn sie zu hurtig gleiten,
Und ist nicht die Bemerkung schön,
Bei Leuten, die zu Fuße geh'n,
Daß sie schier alle springen
Und mit den Händen ringen?

Und wenn man sich versehen hat,
Mit Holz, um einzuheizen,
So muß die Wärme früh und spat
Uns zum Vergnügen reizen,
Man richtet mit zufried'nem Sinn
Den Rücken an den Ofen hin,
Und wärmet sich nach Kräften
Für Haus- und Hofgeschäften.

Ein altes Buch zur Abendzeit
Muß ich zumeist doch lieben,
Wenn man da liest die Albernheit
Der Vorzeit schön beschrieben,
Man sitzt und liest und freuet sich
Und danket Gott herzinniglich
Genügsam und bescheidten
Für uns're jetzgen Zeiten.



Ludwig Eichrodt, 1827 - 1892




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Winterlied

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Winterlied

Das Feld ist weiß, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille;
Hell, wie Kristall
Blinkt überall
Der Fluren Silberhülle.

Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis,
Er flimmert blau und rot und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
Aus Schnee heraus
Ragt, nackt und kraus,
Des Dorngebüsches Garbe.

Von Reifenduft befiedert sind
Die Zweige rings, die sanfte Wind'
Im Sonnenstrahl bewegen.
Dort stäubt vom Baum
Der Flocken Pflaum
Wie leichter Blütenregen.

Tief sinkt der braune Tannenast
Und drohet, mit des Schnees Last
Den Wandrer zu beschütten;
Vom Frost der Nachtmei
Gehärtet, kracht
Der Weg, von seinen Tritten.

Das Bächlein schleicht, von Eis geengt;
Voll lautrer blauer Zacken hängt
Das Dach; es stockt die Quelle;
Im Sturze harrt,
Zu Glas erstarrt,
Des Wasserfalles Welle.

Die blaue Meise piepet laut;
Der muntre Sperling pickt vertraut
Die Körner vor der Scheune.
Der Zeisig hüpft
Vergnügt und schlüpft
Durch blätterlose Haine.

Wohlan! auf festgediegner Bahn,
Klimm ich den Hügel schnell hinan,
Und blicke froh ins Weite;
Und preise den,
Der rings so schön
Die Silberflocken streute.



Johann Gaudenz von Salis-Seewis, 1762 - 1834






Photo credit: Isabella Kramer


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Schneeglöckchen

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Schneeglöckchen

Horch, liebliches Läuten!
Was will es doch sein?
O selig Bedeuten,
Ei, Frühling soll's sein!

Und hast du im Herzen
Noch Eis und noch Schnee,
Noch Sorgen und Schmerzen,
Nun fort mit dem Weh!

Schneeglöckchen rührt helle
Die Glöcklein so fein —
Wie ist's, du Geselle,
Du stimmst doch mit ein?

Franz Alfred Muth, 1839 - 1890




Gemälde copyright: Isabella Kramer
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Die Wintersonne an die Südländer

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Die Wintersonne an die Südländer

Hängt länger euch, o Kinder,
Nicht an mein goldnes Kleid!
Hab' ja noch andre Kinder
Im Norden, weit, weit, weit!

In ihrem grimmen Winter
Bin ich ihr einz'ger Trost:
Komm' ich nicht auf ein Stündchen,
Sie sterben mir vor Frost.

Auf dumpfer Hütten Schwelle,
Um die ein Eiswall ragt,
Erwarten ungeduldig
Sie mich, sobald es tagt.

Sie grüßen laut aufjauchzend
Mit Schmeichelnamen mich,
Und weinen fast, entfernet
Mein goldner Wagen sich.



Elisabeth Kulmann, 1808 - 1825



Photo copyright: Isabella Kramer

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Furchtbar schlimm!

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Furchtbar schlimm!

Vater, Vater, der Weihnachtsmann!
Eben hat er ganz laut geblasen,
viel lauter als der Postwagenmann.
Er ist gleich wieder weitergegangen,
und hat zwei furchtbar lange Nasen,
die waren ganz mit Eis behangen.
Und die eine war wie ein Schornstein,
die andre ganz klein wie'n Fliegenbein,
darauf ritten lauter, lauter Engelein,
die hielten eine großmächtige Leine,
und seine Stiefel waren wie Deine.
Und an der Leine, da ging ein Herr,
ja wirklich, Vater, wie'n alter Bär,
und die Engelein machten hottehott;
ich glaube, das war der liebe Gott.
Denn er brummte furchtbar mit dem Mund,
ganz furchtbar schlimm, ja wirklich; und –

"Aber Detta, du schwindelst ja,
das sind ja wieder lauter Lügen!"

Na, was schad't denn das, Papa?
Das macht mir doch soviel Vergnügen.
"So? – Na ja."


Richard Dehmel, 1863 - 1920





Gemälde copyright: Isabella Kramer


Der Winter ist gekommen

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Der Winter ist kommen

Der Winter ist kommen,
verstummt ist der Hain;
nun soll uns im Zimmer
ein Liedchen erfreun.

Das glitzert und flimmert
Und leuchtet so weiß
Es spiegelt die Sonne
Im blitzblanken Eis.

Wir gleiten darüber
Auf blinkendem Stahl
Und rodeln und jauchzen
Vom Hügel ins Tal.

Und senkt sich der Abend,
geht's jubelnd nach Haus
ins trauliche Stübchen
zum Bratapfelschmaus.


Volksgut




Foto von Alexander Gilbertson auf Unsplash
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Winter

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Wenn Eis in Zapfen hängt vom Dach
und Thoms, der Hirt vor Frost erstarrt, 
wenn Hans die Klötze trägt in Fach, 
die Milch gefriert in Eimern hart, 
die Spur verweht, der Weg verschneit, 
dann nächtlich friert der Kauz und schreit:
Tuhu, 
Tuwit uhu, ein lustig Lied,
derweil die Hanne Würzbier glüht.

Wenn Sturm dem Giebelfenster droht, 
im Schnee das Vöglein emsig pickt, 
wenn Lisbeths Nasde spröd und rot, 
der Pfarrer hustend fast erstickt, 
Bratapfel zischt in Schalen weit, 
dann nächtlich friert der Kauz und schreit:
Tuhu, 
Tuwit uhu, ein lustig Lied,
derweil die Hanne Würzbier glüht.


Orginalversion:


When icicles hang by the wall,
 And Dick the shepherd blows his nail,
And Tom bears logs into the hall,
 And milk comes frozen home in pail;
When blood is nipp'd, and ways be foul,
Then nightly sings the staring owl,
                      "Tu-whit, to-who!"—
A merry note,
While greasy Joan doth keel the pot.

When all aloud the wind doth blow,
 And coughing drowns the parson's saw,
And birds sit brooding in the snow,
 And Marian's nose looks red and raw;
When roasted crabs hiss in the bowl, 
Then nightly sings the staring owl,
                      "Tu-whit, to-who!"—
A merry note,
While greasy Joan doth keel the pot.





William Shakespeare, 1564 - 1616

Photo copyright: Isabella Kramer
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Ruf zum Sport

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Ruf zum Sport

Auf, ihr steifen und verdorrten
Leute aus Büros,
Reißt euch mal zum Wintersporten
Von den Öfen los.

Bleiches Volk an Wirtshaustischen,
Stellt die Gläser fort.
Widme dich dem freien, frischen,
Frohen Wintersport.

Denn er führt ins lodenfreie
Gletscherfexlertum
Und bedeckt uns nach der Reihe
All mit Schnee und Ruhm.

Doch nicht nur der Sport im Winter,
Jeder Sport ist plus,
Und mit etwas Geist dahinter
Wird er zum Genuß.

Sport macht Schwache selbstbewußter,
Dicke dünn, und macht
Dünne hinterher robuster,
Gleichsam über Nacht.

Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
Kürzt die öde Zeit,
Und er schützt uns durch Vereine
Vor der Einsamkeit,

Nimmt den Lungen die verbrauchte
Luft, gibt Appetit;
Was uns wieder ins verrauchte
Treue Wirtshaus zieht.

Wo man dann die sporttrainierten
Muskeln trotzig hebt
Und fortan in illustrierten
Blättern weiterlebt.






Joachim Ringelnatz, 1883 - 1934






Foto Copyright: Isabella Kramer


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Eisblumen

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...da stehst und staunst du gleichermaßen,
das Fensterglas ist eisverziert,
die kleinen Wellen, Glitzerstraßen,
vom kalten Wind herbeigeführt,
sind schwungvoll hingezaubert, schau,
als hätte eine künstlerische Macht,
sich dieses Werk zurechtgedacht,
und planvoll vollends ausgebracht...

Wer, bitte, Wind und Kälte, Eis,
vermag denn so ein Denken denken?
Können sie derlei Kunst verschenken?
Ich sollt verstummen, ja, ich weiß...
Natur ist Wunder, Welt Mathemathik,
das zu erkennen, hei, ist schick.
Was mir verborgen, myriadenfach,
ich werd' es niemals wissen, leider, ach...



©Gabriele Brunsch 






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Eiszeit





Eiszeit

Es würde kälter auf Erden,
So lehrte jüngst ein Beweis,
Und nach Jahrtausenden werden
Hier Berge glänzen von Eis.

Seehunde werden sich kosen,
Bei dreißig Grad unter Null,
Wo jetzt jungfräuliche Rosen
Spazieren im leichten Mull.

Eisbären werden sich tummeln
Und wohlig wälzen im Schnee,
Wo honigsammelnde Hummeln
Jetzt schwärmen im blühenden Klee.

Walfische werden sich schaukeln
Im stürmischen Wogenprall,
Wo Schmetterlinge gaukeln,
Und flötet die Nachtigall.

Ihr liebt, darüber zu scherzen,
Mir scheint dies ernst und gerecht.
Wurden denn wärmer die Herzen?
Schritt fort das Menschengeschlecht?

Warum soll Allmutter Erde
Nach langem, fruchtlosem Schweiß
Nicht sehnen sich, daß sie werde
Auch wieder allmählich zu Eis?



Theobald Nöthig, 1841-1925





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Schneeflockenlied - Manfred Kyber

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Schneeflockenlied


Es steht ein Schloss in Schnee und Eis
aus schimmernden Kristallen.
Es hängt das Mondlicht silber
weiß an Tor und Turm und Hallen.

Schneekönigin - Schneekönigin -
Mit langen, langen Locken,
die sitzt im Zauberschlosse drin
und spinnt an ihrem Rocken.

Sie spinnt mit weicher Feenhand
viel kleine weiße Sterne. 
Die weht der Wind wohl übers Land
weithin in weite Ferne. 

Schneekönigin - Schneekönigin -
die spinnt an ihrem Rocken.
Dann fallen auf die Erde hin
schneeweiße Silberflocken.







Manfred Kyber, 1880 - 1933



Photo Copyright: Isabella Kramer



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Der Eislauf

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Der Eislauf

Der See ist zugefroren
Und hält schon seinen Mann.
Die Bahn ist wie ein Spiegel
Und glänzt uns freundlich an.

Das Wetter ist so heiter,
Die Sonne scheint so hell.
Wer will mit mir ins Freie?
Wer ist mein Mitgesell?

Da ist nicht viel zu fragen:
Wer mit will, macht sich auf.
Wir geh'n hinaus ins Freie,
Hinaus zum Schlittschuhlauf.

Was kümmert uns die Kälte?
Was kümmert uns der Schnee?
Wir wollen Schlittschuh laufen
Wohl auf dem blanken See.

Da sind wir ausgezogen
Zur Eisbahn alsobald,
Und haben uns am Ufer
Die Schlittschuh angeschnallt.

Das war ein lustig Leben
Im hellen Sonnenglanz!
Wir drehten uns und schwebten,
Als wär's ein Reigentanz.



August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874




Gemälde copyright: Isabella Kramer 


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