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Elfenlied

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Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: Elfe!
Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief
Wohl um die Elfe! -
Und meint, es rief ihm aus dem Tal
Bei seinem Namen die Nachtigall,
Oder Silpelit hätt' ihm gerufen.
Reibt sich der Elf die Augen aus,
Begibt sich vor sein Schneckenhaus,
Und ist als wie ein trunken Mann,
Sein Schläflein war nicht voll getan,
Und humpelt also tippe tapp
Durchs Haselholz ins Tal hinab
Schlupft an der Mauer hin so dicht,
Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.
"Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
Die Kleinen sitzen beim Mahle,
Und treiben's in dem Saale.
Da guck ich wohl ein wenig 'nein!"
- Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?
Gukuk! Gukuk!




Eduard Mörike, 1804 - 1875







Gemälde Copyright: Isabella Kramer 

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Irrtum und abgeschrägter Zweck

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Ein Irrtum kreist auf einem dunkelroten Tellerrand
und eine Maus haut auf die Pauke mit 'nem Fisch.
Ein gelber Falter bastelt sich aus Gips ein Flaschenpfand
und grüne Angstimpulse lesen Zeitung unterm Tisch.

Das schert den Chef des Schokoladenaufwands wenig,
er trinkt und wirft sich knarrend ins geschnürte Meer.
Doch jenseits glänzt ganz erbsig klein der König,
der ohne Zähne in dem Erbsenbett – halt irgendwer.

Aus Turmalin gedrechselt tänzeln Banderolen,
umhäkeln ruckdizuck den ganzen Sermon innen weg.
Das Einbeinzebra hätt‘ den letzten Kranz gestohlen,
ist die Geduldsschlagzeile und ein abgeschrägter Zweck.






veredit©isabella.kramer2010




Illustration copyright: Isabella Kramer 

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Die Weihnachtsfee Ebony

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Vorweihnacht, das ist Feenzeit, 
nach Mitternacht zu hören;
das Wispern, Kichern, Glöckchenklingeln.
Du solltest sie nicht stören!

Jetzt üben sie den Weihnachtsreigen,
zaubern sich neue Roben;
mit Sternenfunkeln, goldbehaucht, 
die Vielfalt ist zu loben. 

Distellas Schwester Ebony,
mit Haar wie Sternennacht,
ist stets ein echter Wirbelwind
und die am hellsten lacht. 

Jongliert sogar mit Christbaumkugeln
und das auch noch kopfüber.
Man wird vom Zuschau'n schon ganz wirr. 
Dann singt sie auch noch Lieder, 

die Sterne selbst zum Strahlen bringen, 
melodisch, überirdisch schön.
Die Stimme perlt sanft durch die Nacht,
die Zeit bleibt einfach stehen. 

Sofort vergisst man allen Kummer
und Träume werden friedlich. 
Die Welt versinkt im Weihnachtsschlummer, 
das ist den Proben dienlich. 

So wird geübt, getanzt, gelacht,
bis dann, der Morgen graut.
Das Weihnachtszimmer liegt ganz still,
als du verdutzt reinschaust. 



veredit©isabella.kramer25



Mehr über Weihnachtsfeen findest du hier-> Weihnachtsfeen



Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 



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Wunschhut

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Wunschhut 

ich wünsche mir
einen üppigen Hut
darauf soll ein prachtvoller
Garten erblühen

mit Blumen in allen
Nuancen der Welt
auch Vögelchen, die
vor Fröhlichkeit sprühen

sie sollen ruhig nisten
mir wär‘ das nur recht
ihr Zwitschern vertreibt
die düsteren Töne

aus Stroh sollt' er sein
fein geflochten und hell
ein Gespinst für das
Lichte und Schöne

die Krempe ganz breit
und mit Bändern aus Samt
ich will ihn ja fest
an mich binden

denn unter dem Hut
das weiß ich genau
wird Trübsal mich
niemals mehr finden




veredit©isabella.kramer2010




Gemälde copyright: Isabella Kramer 



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Wolkenreise

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Wolkenreise

War einst ein kleines Wölckchen,
das hatte sich komplett verflogen.
Es träumte vor sich hin mit offen'n Augen
und schwupps war die Familie
meilenweit davon gezogen.

Hach, dachte es, das ist doch fein,
die Sonne kitzelt meinen Bauch, 
der Wind ist warm, es duftet schön
nach Frühling. Hier will ich sein und
blieb. Der Rest der Sippe weitertrieb.

Es schaukelte sich so dahin, genoss
die Gärten, Parks und Felder im 
Frühlingslicht. Vermisste nichts und 
niemanden und sorgte sich kein bisschen,
rein so garnicht, nicht. 

Der Abend kam, die Sonne war schon in
ihr Bett gegangen, da dachte Wölckchen 
sich, ich sollte wohl mal an zu suchen 
fangen. Wo ist Mama, Papa und auch 
die Großeltern sind nicht zu sehen?

Da sah sie alle bauschig, wartend an dem
Fuß des Berges stehen. Sie schmunzelten
und keiner gab auch nur ein böses Wort.
Sie nahmen Wölckchen in die Familienmitte
und folgen mit ihm fort. 



veredit©isabella.kramer25




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Photos copyright: Isabella Kramer


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Märchenadresse





Märchenadresse

Außen umspinnen gläserne Fäden das Haus,
innen ist alles winzig klein,
Möbel, Geschirr, selbst die Kleidung 
sehen so aus,
als würde da niemand da passen hinein,
der auch nur größer ist, als der Daumen des Riesen Klaus. 
  

Selbst vor den Fenstern hängende Schalen mit lila Gras,
das schon vor Wochen, jemand zu gießen vergaß.
Faktisch braucht man auch für die Türe viel Humor,
stehen doch in der Tat sieben bärtige Zwerge davor.


Am Zaun mehlige Säckchen mit roten Äpfeln hängen.
Und aus den Dachluken sich niedliche Mäuse rauszwängen.
Rate mal - wessen Name ziert das Kingelschildchen?
Klar doch! - Schneewittchen, dazu noch mit Bildchen.


 

veredit©isabella.kramer08





Gemälde Copyright: Isabella Kramer 

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Ein K-Gedicht




Ein K-Gedicht 


Kokolores mit Kakao
König Kurt mag einfach alles
Krötenschleim auf Krustenbrot
klebrig, köstlich richtig pralle
Kullekalle gern mit Kraut

Kai sein Koch ihm komponiert
Klitsch mit krausen Kielersprotten
liebt der König es doch sehr
wenn der Knax ist gut gesotten

Stapelweise Knusperkuchen
Karamell auf Kill-Kotelett
Kokoskuss darf auch nicht fehlen
Knapssalat schmeckt kühl recht nett

Kniebel-Knabel ganz sanft pochiert
Kirschenkompott gern zum Kliest
Käferpudding gold kandiert

- glaub nicht alles was du liest! 



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 ABC Reihe für Kinder

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C-Gedicht

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C-Gedicht

Chanties nennt man Seemannslieder
Chöre sind's wenn vielen singen
Charlie Chaplin kommt nie wieder
Cremes zu cremen soll was bringen


Coucous schmeckt fast so wie Reis
Conrad sammelt Chiantiflaschen 
Clownfische sind fesch gestreift
Choco Crossies was zum Naschen

Caesar war in Rom ein Kaiser
Chopin spielt man besser leiser
Chilischoten sind recht scharf
ein Chincilla ist kein Schaf


Cordula liebt Chintz auf Couchen
Cupcakes nennt man Minitorten
Collies kann ein Schäfer brauchen
Ceylontee hat viele Sorten


Camouflage heißt sich gut tarnen
CanCan ist kein Tanz für Damen
Canyons nennt man enge Schluchten
Chanel No. 5 soll herrlich duften


nichts zu tun, nennt man heut' chillen
freundlich sein heißt auch charmant
Cobraschlangen tragen Brillen
Ciao wird tschau und Tschüss genannt


veredit©isabella.kramer24








 ABC Reihe für Kinder 



Gemälde copyright: Isabella Kramer 



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Fischer Wichtel

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Fischer Wichtel 

Gunnar Garrlson ist sein Name
und man rollt dabei das R,
das kann Gunnar echt gut leiden
fast so sehr wie jedes Meer,
dass der Gunnar je befahren.
Ja, da staunst du ganz zu Recht, 
denn das Wichtel gern zur See fahr'n,
weiß fast niemand, das steht fest. 

Gunnar ist schon so geboren,
immer eine Hand am Fisch
und wo andere seekrank wurden,
ist der Gunnar munter, frisch.
Sturm ist seine zweite Heimat,
ihm kann's gar nicht genug brausen.
Gunnar liebt es wichtelmäßig
über Wellen hinzusausen. 

Dabei hilft er, wo er kann,
ob beim Fischfang ganz weit draußen,
oder wenn die Mannschaft wieder vorhat
einen Hafen anzulaufen. 
Gunnar ist ein Fischerwichtel,
wie es keinen zweiten gibt.
Und sein Weihnachtsdienst am Leuchtturm,
macht ihn gleich noch mehr beliebt.

Klar, das wär' kein Heiligabend 
ohne Gunnars leck'ren Fisch.
Leuchtturmwärters Gattin Gesche
brät ihn, zack, steht auf dem Tisch
ein Kanne Wichtelsaft
und das krosse Brot vom Hinnack.
Ja, das gibt so richtig Kraft,
für ein neues Wichteljahr,
wie wir Gunnar viele wünschen,
ob in grünen Gummistiefel oder 
selbstgestrickten Strümpfen. 




veredit©isabella.kramer2022


Hier gibt es noch ein kleines -> Video zum Bild



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Zauberschwestern

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Zauberschwestern

Zwiefach sind die Fantasien,
Sind ein Zauberschwesternpaar,
Sie erscheinen, singen, fliehen
Wesenlos und wunderbar.

Eine ist die himmelblaue,
Die uns froh entgegenlacht;
Doch die andre ist die graue,
Welche angst und bange macht.

Jene singt von lauter Rosen,
Singt von Liebe und Genuß;
Diese stürzt den Hoffnungslosen
Von der Brücke in den Fluß.




Wilhelm Busch, 1832 - 1908





Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Das Butterbrotpapier

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Das Butterbrotpapier

Ein Butterbrotpapier im Wald, –
da es beschneit wird, fühlt sich kalt ...

In seiner Angst, wiewohl es nie
an Denken vorher irgendwie

gedacht, natürlich, als ein Ding
aus Lumpen usw., fing,

aus Angst, so sagte ich, fing an
zu denken, fing, hob an, begann,

zu denken, denkt euch, was das heißt,
bekam (aus Angst, so sagt ich) – Geist,

und zwar, versteht sich, nicht bloß so
vom Himmel droben irgendwo,

vielmehr infolge einer ganz
exakt entstandnen Hirnsubstanz –

die aus Holz, Eiweiß, Mehl und Schmer,
(durch Angst) mit Überspringen der

sonst üblichen Weltalter, an
ihm Boden und Gefäß gewann –

[(mit Überspringung) in und an
ihm Boden und Gefäß gewann].

Mit Hilfe dieser Hilfe nun
entschloß sich das Papier zum Tun, –

zum Leben, zum – gleichviel, es fing
zu gehn an – wie ein Schmetterling ...

zu kriechen erst, zu fliegen drauf,
bis übers Unterholz hinauf,

dann über die Chaussee und quer
und kreuz und links und hin und her –

wie eben solch ein Tier zur Welt
(je nach dem Wind) (und sonst) sich stellt.

Doch, Freunde! werdet bleich gleich mir! –
Ein Vogel, dick und ganz voll Gier,

erblickts (wir sind im Januar ...) –
und schickt sich an, mit Haut und Haar –

und schickt sich an, mit Haar und Haut –
(wer mag da endigen!) (mir graut) –

(Bedenkt, was alles nötig war!) –
und schickt sich an, mit Haut und Haar – –

Ein Butterbrotpapier im Wald
gewinnt – aus Angst – Naturgestalt ...

Genug!! Der wilde Specht verschluckt
das unersetzliche Produkt ...




Christian Morgenstern




photo unsplash 
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Das kleine Mädchen

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Das kleine Mädchen

Es war ein armes kleines Mädchen,
Das stickte nur mit kurzen Fädchen;

Ich glaube, Lina war ihr Name.
Sie wurde eine schöne Dame,

War fleißig, brav und lernte gerne,
Da kam ein Prinz aus weiter Ferne.

Der sagte: »Liebe gute Lina,
Komm mit mir auf mein Schloß nach China.«

Dort sitzen sie nun alle beide
Auf einem Thron von gelber Seide.


Joachim Ringelnatz, 1883 - 1934








Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


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Das Flötenlied

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Das Flötenlied 

Es ziehen Töne durch den herbstlichen Wald
und wer genau lauscht, der wird rasch erkennen, 
es muss eine Fee sein, die hier musiziert, 
bringt doch ihr Lied selbst die Wolken zum Brennen.

So voller Wehmut und Leidenschaft, 
so voller Schmerz und tiefer Freude.

Es ziehen Töne durch den herbstlichen Wald
und wer genau lauscht, der bleibt staunend stehen, 
denn Feen, die musizieren und Wolken die brennen,
bekommt man nicht alle Tage zu sehen. 



veredit©isabella.kramer22




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Gemälde: Summer Fantasy, 1911, by Edward Robert Hughes.

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Ich fürcht' nit Gespenster

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Ich fürcht' nit Gespenster

Ich fürcht' nit Gespenster,
Keine Hexen und Feen,
Und lieb's, in ihre tiefen
Glühaugen zu seh'n.

Am Wald in dem grünen
Unheimlichen See,
Da wohnet ein Nachtweib,
Das ist weiß wie der Schnee.

Es haßt meiner Schönheit
Unschuldige Zier;
Wenn ich spät noch vorbeigeh',
So zankt es mit mir.
Jüngst, als ich im Mondschein
Am Waldwasser stand,

Fuhr sie auf ohne Schleier,
Ohne alles Gewand.
Es schwammen ihre Glieder
In der taghellen Nacht;
Der Himmel war trunken

Von der höllischen Pracht.
Aber ich hab' entblößet
Meine lebendige Brust;
Da hat sie mit Schande
Versinken gemußt!


Gottfried Keller, 1819 - 1890




Bild von Pixabay 

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Seepferdchen

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Seepferdchen

Als ich noch ein Seepferdchen war,
Im vorigen Leben,
Wie war das wonnig, wunderbar
Unter Wasser zu schweben.
In den träumenden Fluten
Wogte, wie Güte, das Haar
Der zierlichsten aller Seestuten,
Die meine Geliebte war.
Wir senkten uns still oder stiegen,
Tanzten harmonisch um einand,
Ohne Arm, ohne Bein, ohne Hand,
Wie Wolken sich in Wolken wiegen.
Sie spielte manchmal graziöses Entfliehn,
Auf daß ich ihr folge, sie hasche,
Und legte mir einmal im Ansichziehn
Eierchen in die Tasche.
Sie blickte traurig und stellte sich froh,
Schnappte nach einem Wasserfloh
Und ringelte sich
An einem Stengelchen fest und sprach so:
Ich Hebe dich!
Du wieherst nicht, du äpfelst nicht,
Du trägst ein farbloses Panzerkleid
Und hast ein bekümmertes altes Gesicht,
Als wüßtest du um kommendes Leid.
Seestütchen! Schnörkelchen! Ringelnaß!
Wann war wohl das?
Und wer bedauert wohl später meine restlichen Knochen?
Es ist beinahe so, daß ich weine –
Lollo hat das vertrocknete, kleine
Schmerzverkrümmte Seepferd zerbrochen.



Joachim Ringelnatz, 1883 - 1934





Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


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Zauberer Geständnis

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Zauberer Geständnis

Schreibzaubern wäre wunderbar
und wahrlich mehr als nützlich.
Man nähm' nen Stift und siehe da,
was aufgeschrieben wäre wahr
und würd' sofort erscheinen.

Mit einem Strich und Kringel gar,
könnte man sich ganz Li, ganz La
die Laune selbst aufhellen
und bräuchte man ein großes Eis
oder 'nen neuen Freundeskreis,
schrieb man es hin und welches Glück,
das so Gewünschte man erblickt.

Auch Schulprobleme kein Problem,
denn schreibgezaubert und bequem,
man ohne Lernen viel erreicht.
Vielleicht das Hirn ganz leicht aufweicht,
doch andere haben schon bewiesen,
das hindert nicht im La, im Liesen,
im Leben kommt man trotzdem weiter.

Drum munter auf!
Schreibzaubert weiter!
Ihr glaubt das könnte nicht gelingen?
Mag sein, ich schreib ja nur von Dingen,
von denen ich nicht viel verstehe.
Es ist gezaubert, ich gestehe.

 

 

 

veredit©isabella.kramer22

 

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Das Puppenhäuschen

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Das Puppenhäuschen

Sieh doch mal: ein Herrenhäuschen!
Was meinst du? Wer wohnt wohl hier?
Reiche Leute, Hund und Kinder?
Butler, Köchin - aus Papier?

Winzigklein sind Tür'n und Fenster,
Treppen Millimeter hoch,
fingernagelgroß die Pfannen
für den Zwergenküchenkoch.

Wie klein sind dann erst die Eier,
die man dort zum Backen braucht?
Und die Hühner, die sie legen -
sieht man die mit freiem Aug?

Stellst dir vor, 's wär dein Zuhause!
Selber wärst du nicht recht groß:
einen Zentimeter Zwanzig.
Nicht gerade ein Koloss.

Plötzlich - eine Hand von oben,
riesengroß, greift nach dem Dach!
Und es dröhnt wie Donnergrollen:
"Guck, das Häuschen! Niedlich! Ach!"

In dein Zimmer blickt ein Auge,
groß wie eine Straßenbahn.
Sieht sich Möbel, Türen, Wände
und auch dich genauer an.

Hoch empor wirst du gehoben.
Alles wackelt, zittert, schwankt.
Aber halt! Du selbst bist's, der sich
all das vorstellt. Gott sei Dank!


Mit freundlicher Genehmigung von: ©die amelie ´ 11 ... zu ihrer Gedichte Website




Fotos und Puppenhaus: die amelie, nach einem Bastelbogen aus dem "Illusteret Familie Journal", einer Zeitschrift mit Bastelbögen für die ganze Familie in den Jahren um 1920

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Mondendinge

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Mondendinge


Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.

Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien.

Heulend fletschen sie die Zähne
auf der schwefligen Hyäne.

Aus den Kratern aber steigt
Schweigen, das sie überschweigt.

Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.

Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien...



Christian Morgenstern, 1871 - 1914






Photo by Jack Taylor on Unsplash 
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Pilzlied

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Pilzlied

strahlen kann ich
kleidet mich doch
ganz ungemein
mein neuer Hut

schützt mich -
nie mehr zaust
der Herbstwind
mein Haar

hält mir die Tränen
des Waldes fern
schütz meinen Fuß
dass ich mich einlasse

hier kann ich wurzeln
Jahr für Jahr
in meinen Kindern
weiterleben





veredit©isabella.kramer 



Safe Creative #1110070242084


Photo Copyright: 
Isabella Kramer


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Fabelhaftes

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Fabelhaftes

Posaunenschnecken gibt es nicht 
und auch nicht Krokofanten,
auch Absalons sind unbekannt, 
genau wie Triglidanten.
Sah jemand gar ein Wurzelpferd
oder die Linfengerdaschen?
Wer konnte auch nur einen Blick 
auf Flatterguls erhaschen? 

Ganz sicher mehr,
als du so denkst,
doch wer, das ist geheim.
Es bleibt jedoch
auf Blatt und Strauch
ein kleiner Rest Magie,
vielleicht ist es jedoch auch nur
Posaunenschneckenschleim!


veredit©isabella.kramer2021



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Vielen Dank an Eve Mazur für die freundliche Genehmigung zur Verwendung ihres Gemäldes, dass der ausschlaggebende Impuls für dieses Gedicht war.