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Maikäfer summ summ summ (Knabe und Maikäfer)

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Maikäfer, summ, summ, summ,

Nun sag mir an: warum?
Du fliegst am Fenster hin und her,
Und willst mein Laub und Haus nicht mehr!
Was schwirrst du so? was schnurrst du so?
Warum bist du nicht mehr so froh?

„Lieb Kindlein, still, still. Still!
Hör, was ich sagen will.
Wie sollt´ ich denn wohl fröhlich sein
In deinem dunkeln Haus allein,
So fern von frischer Himmelsluft,
Von lichtem Grün und Laubesduft?“

Maikäfer, summ, summ, summ,
Nun sag mir an: warum?
Hab´ ich doch Fenster dir gemacht,
Und frisches Laub dir stets gebracht,
Dein Haus in Sonnenschein gestellt,
Und dich geführt in Wald und Feld!

„Lieb Kindlein, still, still, still!
Hör, was ich sagen will.
Wenn ich´s mit dir auch so gemacht,
Du würdest weinen Tag und Nacht,
Und wär´ ich noch so gut dabei,
Du sprächst doch allzeit: laß mich frei!“



Hoffmann von Fallersleben, 1798 - 1848 





 
Gemälde copyright: Isabella Kramer



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Das Schicksal eines Christbaumes

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Das Schicksal eines Christbaumes.

Gar fern am stillen Waldessaum
Da steht ein junger Tannenbaum, 
Der Wind streicht durch sein grünes Kleid.
Wie lange wird ihm doch die Zeit! 

Da plötzlich kam zum grünen Tann
Mit blanker Axt ein finst'rer Mann,
Der schlägt die zarte Tanne um, 
sagt nicht wohin und nicht warum.

Der hat sie auf dem Schlitten sacht
Zum Christmarkt in die Stadt gebracht. 
Wo bunt die Leut des Weges wandeln, 
Ein reicher Herr that sie erhandeln. 

Und als der Heilige Abend war, 
Da jubelt laut die kleine Schaar, 
Da stahlt der Christbaum hell von Kerzen, 
Von Spielzeug und von Zuckerherzen. 

Das Zuckerzeug war bald verzehrt, 
Da ward der Christbaum abgeleert, 
Wehmütig stehen herum die Kleinen, 
Auf's Jahr erst gibt es wieder einen. 

Drei Tage nach dem heiligen Christ, 
Da lag er draußen auf dem Mist, 
Der Wind streicht durch sein grünes Kleid, 
Dahin ist alle Herrlichkeit. 








Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de

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Mein Falke

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 Mein Falke


O Sehnsucht, wilder Falke mein,
Willst du auch müde werden?
Dess' Heimat hoch im Blauen war,
Behagt's dir nun auf Erden?

Wie oft hast du den jungen Sinn
Aus diesen grauen Tagen
Hoch über Sorge, Not und Leid
Getragen.

Bis mir das dunkle Tal entschwand
Im märchenweiter Ferne
Und um mein glühend Haupt sich bog
Das Diadem der Sterne.

Nun beugst auch du die stolze Stirn
Und läßt die Flügel hängen,
Nun hat auch dich die Sorgenfrau
Gefangen.

Brich deine Fesseln, Wanderfalk,
Und hebe dein Gefieder -
Siehst du die Sterne droben glühn,
Hörst du die süßen Lieder?

Es ist die Heimat, die uns ruft,
Sie lockt mit Lust und Wonne,
Steig auf mit hellem Jubelschrei
Zur Sonne!


Anna Ritter, 1865 - 1921

 


 

 

Foto von Lance Reis auf Unsplash

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Frühling

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Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
In grünem Knospenschuh;
»Er kam, er kam ja immer noch«,
Die Bäume nicken sich's zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
Nun treiben sie Schuß auf Schuß;
Im Garten der alte Apfelbaum,
Er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
Und atmet noch nicht frei,
Es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
Und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
Und die lange Winterruh:
Es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag's auch du.




Theodor Fontane, 1819 - 1898




Photo copyright: Isabella Kramer
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Wohlgefühl

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Wohlgefühl

Verachten ist ein Wohlgefühl
Und fördert das Verdauen:
So hoch und frei, so stolz und kühl
Vom Berg hinabzuschauen!


Sogar der Käfer auf dem Mist
Blickt wohlgefällig tiefer
Und nennt, was dort versammelt ist,
Elendes Ungeziefer.


Ludwig Fulda, 1862 - 1939




Photo copyright: Isabella Kramer


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Der Esel des Buridan

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Der Esel des Buridan

Rechts Heu und Klee, links Heu und Klee!
Die allerfettsten Weiden –
Dem Esel tut das Wählen weh,
er kann sich nicht entscheiden.
Er schnopert rechts, er schnopert links
und dreht sich dreimal um –
O Buridan, o Buridan,
was ist dein Esel dumm!

Rechts Gras und Korn, links Gras und Korn,
wie knurrt es ihm im Magen!
Und immer wieder geht's von vorn,
er mag die Wahl nicht wagen.
So zwischen beiden bleibt er steh'n
und fällt vor Hunger um –
O Buridan, o Buridan,
was war dein Esel dumm! –

Rechts freie Presse, links Zensur,
rechts Wahrheit, links die Lüge –
Was stehen wir und grübeln nur
und haben's nicht Genüge?
Wir horchen rechts, wir horchen links
und fragen fern und nah –
O Buridan, o Buridan,
wär' doch dein Esel da!

Die Freiheit rechts, links Sklaverei,
wer könnt' es sich verhehlen!
Wir aber steh'n und steh'n dabei
und wissen nicht zu wählen.
So sind wir doch weit ärger noch
und dummer noch fürwahr,
o Buridan, o Buridan,
als wie dein Esel war!


Robert Eduard Prutz, 1816 - 1872




Foto copyright: Isabella Kramer
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Von der Freude

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Von der Freude

"Sage", sprach ich, "holde Freude,
Sage doch, was fliehst du so?
Hat man dich, so fliehst du wieder!
Niemals wird man deiner froh."

"Danke", sprach sie, "dem Verhängnis!
Alle Götter lieben mich;
Wenn ich ohne Flügel wäre,
Sie behielten mich für sich."




Johann Nikolaus Götz 





 
 
Photo credit: Isabella Kramer



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