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Bodensee

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Bodensee

Die Dörfer sind wie im Garten. 
In Türmen von seltsamen Arten
klingen die Glocken wie weh. 
Uferschlösser warten 
und schauen durch schwarze Scharten
mild auf den Mittagsee.

Und schwellende Wellchen spielen,
und goldene Dampfer kielen
leise den lichten Lauf;
und hinter den Uferzielen
tauchen die vielen, vielen
Silberberge auf. 



Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926




Photo copyright: Isabella Kramer

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Vorfrühling

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Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigen’s.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.


Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926





Photo copyright: Isabella Kramer

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Weißt du wieviel Sterne stehen

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Weißt du, wieviel Sterne stehen



Weißt du wieviel Sterne stehen
An dem blauen Himmelszelt?
Weißt du wieviel Wolken gehen
Weithin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet,
Daß ihm auch nicht eines fehlet
An der ganzen großen Zahl.

 
Weißt du wieviel Mücklein spielen
In der hellen Sonnenglut?
Wieviel Fischlein auch sich kühlen
In der hellen Wasserflut?
Gott, der Herr, rief sie mit Namen
Daß sie all′ ins Leben kamen
Daß sie nun so fröhlich sind.


Weißt du, wieviel Kinder frühe
Stehn aus ihrem Bettlein auf,
Daß sie ohne Sorg und Mühe
Fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen
Seine Lust, Sein Wohlgefallen,
Kennt auch dich und hat dich lieb.




Johann Wilhelm Hey, 




Foto von Klemen Vrankar auf Unsplash


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Ein alter Frosch erinnert sich

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Ein alter Frosch erinnert sich


wie stets in hellen Juninächten
Ridibundus beginnt zu plaudern.
Erzählt von unbekannten Mächten,
läßt seine Kinder, Enkel schaudern,
die dennoch stets auf's neue fordern:
"Großvater, bitte noch einmal!" 
Kennt' der doch tausende Geschichten,
die toller werden von Mal zu Mal. 

Die Fröschlein also zapplig quaken:
"Erzähl uns bitte die vom Brunnen,
in den du bist auf deiner Flucht
vor Meister Adebar gesprungen.
Wir wollen nicht mehr länger warten!"

Und selbst die alten Weiden halten
den Wind in ihren Zweigen an,
so dass Ribundubus hebt seine Stimme: 
"Nun gut, ein Sommer war's, als es begann. 
Der Teich war nett, schön grün, gemütlich.
Doch ich war jung und wollte mehr. 
Ich wollte sehen, wie es denn wäre,
als kleiner Frosch am großen Meer.

So tat ich meinen ersten Sprung,
da wär's schon fast um mich geschehen!
Hatte ich doch nicht rechts, nicht links, 
mich vorher auch nur umgesehen. 
Da stand er, schrecklich riesengroß, 
sein Schnabel spitz und leuchtend rot.
Storch Adebar, der Erzfeind, war es.
Ich dachte, so, jetzt bist du tot! 

Doch halfen ohne langes Denken
vier, fünf von unseren Riesensprüngen
weit außer seiner Sicht zu landen
und mich in Sicherheit zu bringen. 
So weit war ich noch nie gesprungen
und meine Flucht, die war geglückt.
Ich landete in einem Brunnen, 
ein ausgesprochen schönes Stück.

Das Terrain war mir unbekannt,
doch schien es ganz entzückend hier. 
Der Brunnen winzig, klein und blau,
doch plätscherte er recht charmant. 
Aus kleinen Schälchen fiel das Wasser
stets noch in eine Untere. Ich fand's 
gemütlich, still, erholsam, ganz anders
als das muntere Gequake daheim in 
unserem Heimatteich. Folglich beschloss
ich hier zu bleiben, der Brunnen wurd'
mein Königreich." 






Der Sommer kam,  die Lust aufs Meer,
sie war verflogen. Ein Tag war schöner
als der andere, mein Brunnen war das 
große Los, was unerwartet ich gezogen. 
Warum sollte ich weiterreisen, hier war ich König
und sonst keiner. Die Tage zogen sacht dahin,
unmerklich wurd' der Sommer kleiner. 

Dann war er da, der Herbstwind brauste
und in den Nächten wurd' es kalt.
Ich suchte rum, jedoch im Brunnen,
da gab es nicht mal einen Spalt, der für
ein Winterschläfchen wichtig. Es zog
mich heimwärts und zwar richtig! 

Der Heimweg, er war schnell gefunden,
Familie, Freunde, alle da! Sofort schwamm
ich zehn große Runden, ich war daheim, 
so ganz und gar. Was war das
für ein Freudequaken von Groß und Klein
im Heimatteich, viel mehr wert
als das allerschönste höchsteigene
Brunnenkönigreich." 



veredit©isabella.kramer24 



Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de



Photos copyright: Isabella Kramer


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Nach dem Gewitter

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Nach dem Gewitter

Das Wetter ist niedergegangen,
Die Wolken, die grollend und grau
Ins schwüle Gebirge gehangen,
Sie stillten der Wälder Verlangen,
Gelöst in unendlichen Thau;
Der Himmel ward heiter und blau.

Wohl zittern wie flammend die Lüfte,
Doch kühlet ein Wehen sie lind
Und trägt durch die dampfenden Klüfte
Der Kräuter gewürzige Düfte;
Wo rege die Wipfel noch sind,
Erschauern die Sträucher im Wind.

Breit fluthet der Bach von den Fällen,
Der wirbelnd im Thale noch schwillt;
Rings tausend lebendige Quellen
Enteilen mit murmelnden Wellen:
Der Balsam, der köstliche, quillt,
Der Durst ist in Strömen gestillt.


Martin Greif, 1839 - 1911





Photo copyright: Isabella Kramer


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Den Fluss hinab

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Den Fluß hinab

Im Mittagsschein
fahr ich im Boot allein
den Fluß hinab, der mit mir sinnt und träumt.
Kein Laut im Kreis;
der Kiel gluckst schläfrig, leis;
von Linden ist das Ufer hoch umsäumt.

Der Sonne Glut
strahlt wider aus der Flut
mit Bäumen, deren Kronen abwärts stehn.
Im Fluß erhellt
sich eine Spiegelwelt,
wieviel auch Wellen kommen und vergehn.

Metallen blank,
stahlblau und zierlich schlank
fliegt die Libelle auf der Spiegelung.
So leichtbeschwingt,
von Sonnengold umringt,
flog meine Seele einst, sehnsuchtsvoll, jung.

Zu jung vielleicht,
getäuscht, enttäuscht so leicht,
genoß sie Hoffnung nur, wenn sie genoß;
verfolgte wild
ihr eignes Spiegelbild
in einer Welt, die wie ein Fluß zerfloß.



Eduard Stucken, 1865 - 1936




Photo copyright: Isabella Kramer



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Fünf Freunde

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Zähl die Freunde, die ich habe:

Kiefer, Bambus, Stein und Wasser.

Mond, auch du bist mein Gefährte,

leuchtend überm Ostgebirg.

Sag, wie sollt ich mehr mir wünschen,

sind nicht diese fünf genug?



Yun Son-Do, 1587 - 1671





Photo copyright: Isabella Kramer

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DA-Da leuchtet das krumme Gelb

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DA-Da leuchtet das krumme Gelb

Wenn das krumme Gelb
den arroganten Säbel löchert,
weiß der Küchenschatz noch nicht,
wer im grellen Dunkel still verharrt.
Eigenfüßig hat ein Blitz
jüngst Tomaten ins Gefüge seiner selbst
gestreut und startet, bumm,
aufgeplustert, sei es drum.
Wenn der Hahn dem Wasser
Pfötchen gibt und dann ergiebig
aus der Kanne Perlen schöpft,
delegiert der Frosch sein heißes Rosa
nach Formosa in den Ausguss.
Als ein Mann an der Krawatte
Silberfische durch die Nase zieht,
singt ein Weib wie müde Suppe
mit der Lupe, diese Puppe.
Weh, oh weh, 
wenn sich das rumspricht,
dass mit leerem Magen
sich ein Schwein im Schlafe dreht.
Seht, an der Ecke fallen Worte
ohne Aussicht auf Verstand
in ein frisch-gefärbtes Mauseloch
und doch! Als erregte Lindenzweige
sich beim Kennenlernen
niederhocken, läuten Glocken,
läuten Glocken!



mit freundlicher Genehmigung der Autorin © Ingrid Hassmann  





Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 




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Wasser

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Wasser

Wasser trägt im Ozeane
Tröstend fernhin den Betrübten,
Spült im Fluß auf leichtem Kahne
Den Geliebten zur Geliebten.

Wasser rauscht aus Felsenklüften
Als Gesang herab zum Tale,
Perlt als Tau aus Morgenlüften
In der Blumen Duftpokale.

Wasser träuft, als milder Regen,
Kühlend in die trockne Erde,
Wasser labt als Quell an Wegen
Wand'rer, Hirten, Wild und Herde.

Ohne daß es Wasser sauge,
Stürb' auf Erden alles Schöne,
Ach! und nur im Menschenauge
Ist das Wasser – eine Träne.



Karl Egon Ebert, 1801 - 1882





Foto von Todd Cravens auf Unsplash

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Der Geizhals

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Der Geizhals


Ein Geizhals fiel in einen Fluß, der tief

Und reißend war. Ein Fischer, der das Leben

Ihm retten wollte, sprang hinein und rief:

Er möchte nur die Hand ihm geben;

Allein der Geizhals sprach, indem er untersank:

Ich kann nichts geben, und ertrank.



Johann Aloys Blumauer, 1755 - 1798







Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


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Der Hecht

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Der Hecht

Ein Hecht, vom heiligen Antōn
bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.

Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegries.
Doch Gries, Gras, Rose floß, o Graus,
entsetzlich wieder hinten aus.

Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhundert Fische sind verreckt.
Doch Sankt Antōn, gerufen eilig,
sprach nichts als: Heilig! heilig! heilig!



Christian Morgenstern, 1871 - 1914




Photo copyright: Isabella Kramer



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Die Nacht

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Die Nacht

Es fließt im dunklen Norden
Durch ragende Wälder ein Strom,
Auf seinen felsigen Borden
Steht einsam ein grauer Dom.
Die Lüfte des Friedhofs beben,
Die Seelen entpilgern dem Grab
Und streben zum Dom und schweben
Hier dämmernd auf und ab.
Und lispelnde Nymphen erheben
Sich über die spielende Flut
Und ordnen ein liebliches Leben
Mit leichtbeflügeltem Mut.
Und seinen Gesang läßt rauschen
Ein Barde vom Felsenhang,
Und Nymphen und Geister lauschen
Des Herzens bestürmendem Klang!



Johann Fercher von Steinwand, 1828 - 1902







Photo: Nick Smith - unsplash 



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Seepferdchen

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Seepferdchen

Als ich noch ein Seepferdchen war,
Im vorigen Leben,
Wie war das wonnig, wunderbar
Unter Wasser zu schweben.
In den träumenden Fluten
Wogte, wie Güte, das Haar
Der zierlichsten aller Seestuten,
Die meine Geliebte war.
Wir senkten uns still oder stiegen,
Tanzten harmonisch um einand,
Ohne Arm, ohne Bein, ohne Hand,
Wie Wolken sich in Wolken wiegen.
Sie spielte manchmal graziöses Entfliehn,
Auf daß ich ihr folge, sie hasche,
Und legte mir einmal im Ansichziehn
Eierchen in die Tasche.
Sie blickte traurig und stellte sich froh,
Schnappte nach einem Wasserfloh
Und ringelte sich
An einem Stengelchen fest und sprach so:
Ich Hebe dich!
Du wieherst nicht, du äpfelst nicht,
Du trägst ein farbloses Panzerkleid
Und hast ein bekümmertes altes Gesicht,
Als wüßtest du um kommendes Leid.
Seestütchen! Schnörkelchen! Ringelnaß!
Wann war wohl das?
Und wer bedauert wohl später meine restlichen Knochen?
Es ist beinahe so, daß ich weine –
Lollo hat das vertrocknete, kleine
Schmerzverkrümmte Seepferd zerbrochen.



Joachim Ringelnatz, 1883 - 1934





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Isabella Kramer 


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Lilofee

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Lilofee

  
Es freit ein wilder Wassermann
In der Burg wohl über dem See.
Des Königs Tochter mußt er han,
Die schöne junge Lilofee.

Sie hörte drunten Glocken gehn
Im tiefen, tiefen See.
Wollt' Vater und Mutter wiedersehn,
Die schöne junge Lilofee.

Und als sie vor dem Tore stand,
Vor der Burg wohl über dem See,
Da neigt sich Laub und grünes Gras
Vor der schönen jungen Lilofee.

Und als sie aus der Kirche kam
Von der Burg wohl über dem See,
Da stand der wilde Wassermann
Vor der schönen jungen Lilofee.

"Sprich, willst du hinuntergehn mit mir
Von der Burg wohl über dem See?
Deine Kindlein unten weinen nach dir,
Du schöne junge Lilofee.

"Und eh ich die Kindlein weinen laß
Im tiefen, tiefen See,
Scheid ich von Laub und grünem Gras,
Ich arme junge Lilofee."
  


Volkslied - aus der Gegend von Joachimsthal 1813



Photo copyright: Isabella Kramer

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Ein Bach mit Namen Elster

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Ein Bach mit Namen Elster

Ein Bach mit Namen Elster rinnt
durch Nacht und Nebel und besinnt
inmitten dieser stillen Handlung
sich seiner einstigen Verwandlung,
die ihm vor mehr als tausend Jahren
von einem Magier widerfahren.

Und wie so Nacht und Nebel weben,
erwacht in ihm das alte Leben,
er fährt in eine in der Nähe
zufällig eingeschlafene Krähe
und fliegt, dieweil sein Bett verdorrt,
wie dermaleinst als Vogel fort.


Christian Morgenstern, 1871 - 1914




Photo copyright: Isabella Kramer



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Mairegen

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Mairegen 

es rauscht vor den trüben fenstern
und trommelt wie wild auf das dach
gleich sintfluten brausen die massen
die erde lechzt nach dem nass

schau, wie sie streckt ihre glieder
sich dehnt vollgesogen und satt
aus trockenen nischen und fugen
gebiert tausend blüten und blatt

voll sehnsucht dein blick in das treiben
ich weiß da gibt es kein halten
mit blanken füßen im regen
wer mag da schon drinnen bleiben

es rauscht vor den trüben fenstern
ich lausche dem kommen des mai
deinem lachendem spiel im regen
tief innen fühl ich mich frei



veredit©isabella.kramer20





auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


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Die Glocken läuten Ostern ein!

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Die Glocken läuten Ostern ein

Die Glocken läuten das Ostern ein
In allen Enden und Landen,
Und fromme Herzen jubeln darein:
Der Lenz ist wieder entstanden!

Es atmet der Wald, die Erde treibt
Und kleidet sich lachend im Moose,
Und aus den schönen Augen reibt
Den Schlaf sich erwachend die Rose.

Das schaffende Licht, es stammt und kreist
Und sprengt die fesselnde Hülle;
Und über den Wassern schwebt der Geist
Unendlicher Liebesfülle!



Adolf Böttger, 1815 - 1870



Gemälde copyright: Isabella Kramer 

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Der Gesang des Meeres

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Der Gesang des Meeres

Wolken, meine Kinder, wandern gehen
Wollt ihr? Fahret wohl! Auf Wiedersehen!
Eure wandellustigen Gestalten
Kann ich nicht in Mutterbanden halten.

Ihr langweilet euch auf meinen Wogen,
Dort die Erde hat euch angezogen:
Küsten, Klippen und des Leuchtturms Feuer!
Ziehet, Kinder! Geht auf Abenteuer!

Segelt, kühne Schiffer, in den Lüften!
Sucht die Gipfel! Ruhet über Klüften!
Brauet Stürme! Blitzet! Liefert Schlachten!
Traget glühnden Kampfes Purpurtrachten!

Rauscht im Regen! Murmelt in den Quellen!
Füllt die Brunnen! Rieselt in die Wellen!
Braust in Strömen durch die Lande nieder –
Kommet, meine Kinder, kommet wieder!



Conrad Ferdinand Meyer, 1825 - 1898




Photo copyright: Isabella Kramer

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Eisnacht

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Eisnacht

Wie in Seide ein Königskind
schläft die Erde in lauter Schnee,
blauer Mondscheinzauber spinnt
schimmernd über der See.


Aus den Wassern der Raureif steigt,
Büsche und Bäume atmen kaum:
durch die Nacht, die erschauernd schweigt,
schreitet ein glitzernder Traum.


Clara Müller-Jahnke, 1860 - 1905



Photo by Federico Bottos on Unsplash

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Der Fischer von Gotin



Der Fischer von Gotin

Was regt sich dort um Mitternacht?
Elz hat das Netz zu Strand gebracht,
Die Havel hegt viel Fische.

Da rufts von drüben mit fremdem Laut:
"Hol über!" so wüst daß Eulen graut,
Elz aber frägt: "Wer ruft da?"

"Hol über!" rufts mit grimmem Ton;
Ein andrer wär da bald entflohn,
Elz aber ruft: "Wer seid ihr?"

"Hol über!" rufts mit solcher Wut,
Daß her zum Nachen rauscht die Flut,
Elz aber nimmt das Ruder,

Kennt keine Furcht und keinen Schreck,
Er springt ins Schiff und rudert keck,
Bis er gelangt zum Strande.

Da schleppt sich herab aus wildem Wald
Eine riesig dunkle Graungestalt
Ins Schiff wie mit bleiernen Füßen,

So schwer, daß fast es niedergeht.
Doch Elz stößt ab das Boot und steht
Hochschwebend am andern Ende.

Wie auch das schwanke Holz erkracht,
Elz stehet fest und lenkts mit Macht
Hin durch den Strom der Havel.

Der Fremde blickt ihn furchtbar an,
Elz wieder ihn, als echter Mann,
Und schwingt gemach das Ruder.

Und wie er kommt zum andern Strand
Steigt schweren Tritts der Gast ans Land,
Elz aber heischt das Fährgeld.

"Es liegt im Schiff worin ich saß,
Den keiner zu fahren sich je vermaß
Als du allein, du Kühner!

Denn wisse, daß der Tod ich bin:
Ich ziehe vor Tage nach Gotin
Und alles wird da sterben.

Nur du sollst spät mich sonder Graun
Mit leichten Flügeln wiederschaun
Als sanften Seelenlöser."

So sprache der Riese und verschwand,
Elz aber sah ins Schiff und fand
Es strahlend voll von Golde.

August Kopisch, 1799 - 1853




Photo copyright: Isabella Kramer
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