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Die Mücke

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Die Mücke

Ein leisestes Gesurr. Auf meiner Hand
sinkt flügelschwirrend eine Mücke nieder,
ein Hauch von einem Leib, sechs zarte Glieder -
wo kam sie her aus winterlichem Land?

Ein Rüssel... Schlag' ich zu? Mißgönn' ich ihr
den Tropfen Blut, der solches Wesen nährt?
Den leichten Schmerz, den mir der Stich gewährt?
Sie handelt, wie sie muß. Bin ich ein Tier?

So stich nur zu, du kleine Flügeseele,
so lang mein Blutgefäß dich nähren mag, 
so lang du sorgst um deinen kurzen Tag!

Stich zu, dass es dir nicht an Kräften fehle!
Wir sind ja beide, Mensch und Mücke, nichts
als kleine Schatten eines großen Lichts. 


Albrecht Haushofer, 1903 - 1945


 


Foto von National Institute of Allergy and Infectious Diseases auf Unsplash

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Weißt du wieviel Sterne stehen

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Weißt du, wieviel Sterne stehen



Weißt du wieviel Sterne stehen
An dem blauen Himmelszelt?
Weißt du wieviel Wolken gehen
Weithin über alle Welt?
Gott der Herr hat sie gezählet,
Daß ihm auch nicht eines fehlet
An der ganzen großen Zahl.

 
Weißt du wieviel Mücklein spielen
In der hellen Sonnenglut?
Wieviel Fischlein auch sich kühlen
In der hellen Wasserflut?
Gott, der Herr, rief sie mit Namen
Daß sie all′ ins Leben kamen
Daß sie nun so fröhlich sind.


Weißt du, wieviel Kinder frühe
Stehn aus ihrem Bettlein auf,
Daß sie ohne Sorg und Mühe
Fröhlich sind im Tageslauf?
Gott im Himmel hat an allen
Seine Lust, Sein Wohlgefallen,
Kennt auch dich und hat dich lieb.




Johann Wilhelm Hey, 




Foto von Klemen Vrankar auf Unsplash


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Im Sommerwald

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Im Sommerwald

Im Sommerwald, wo sich die Blätter drücken,
Liegt Sonnenschein in kleinen Stücken,
Drinnen die Mücken schweben und rücken.
Ich muß mich unter die Stille bücken.
Vor den finstern Tannenlücken
Sah ich einen Schmetterling weiß wie einen Geist aufzücken.
Der Wald riecht nach Kien und ist heiß.
Vielleicht hat hier ein Herz gebrannt und nur der Wald davon weiß.





Max Dauthendey, 1867 - 1918




Photo copyright: Isabella Kramer


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Die Republik der Spinnen

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Die Republik der Spinnen

Dem Spinnenvolke fiel es ein,
In Zukunft sicherer zu seyn,
Und nicht Jedwedem zu vergönnen,
In ihrem Schloß herum zu rennen,
Sie wohnten eben dazumal
In einem großen wüsten Saal,
Durch dessen offne Fensterbogen
Stets Mücke, Schwalb' und Sperling flogen.
Wir wollen [murreten die Spinnen]
Den Vortheil euch wohl abgewinnen;
Und zogen in die Läng' und Quer'
Viel Fäden vor den Fenstern her.
Doch Schwalb' und Sperling kamen bald
Und fuhren dreist und mit Gewalt
Durch diese leichten Spinnenwebn,
Und nur die Mücken blieben kleben.
Ganz so, wie diese Spinnennetze,
Sind oft im Staate die Gesetze.
Kein Mächt'ger wird darin gefangen,
Nur bloß der Schwache bleibt d'rin hangen.




Karl Salomo Zachariae, 1769 - 1843





Photo copyright: Isabella Kramer

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Symphonie in Gelb

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Symphonie in Gelb


Über die Brücke kriecht ein Omnibus
Wie ein gelber Schmetterling,
Und hier und dort geht ein Passant,
Wie eine kleine ruhelose Mücke.

Große Kähne, voll mit gelbem Heu,
Sind am schattigen Kai vertäut,
Und wie ein gelber Seidenschal
Hängt der dichte Nebel vor dem Uferdamm.

Die gelben Blätter beginnen zu verblassen
Und taumeln von den Temple* Ulmen,
Und die blassgrüne Themse zu meinen Füßen
Liegt wie ein Zepter aus welliger Jade.



Oscar Wilde, 1854 - 1900


* Stadtbezirk in London, zwischen Fleet Street und der Themse gelegen


Photo copyright: Isabella Kramer
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Ein Rudel kleiner Wolken

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Ein Rudel kleiner Wolken

Ein Rudel kleiner Wolken
Schwimmt durch die Abendhelle,
Wie graue Fische im Meere
Durch eine blendende Welle.

Und Mückenscharen spielen
Im späten Winde rege,
Sie tanzen zierliche Tänze
Am warmen staubigen Wege.

Und zwischen Wolken und Erde,
Über die Bäume, die schlanken
Zieh'n auf der Straße zum Monde
Die uralten Liebesgedanken.



Max Dauthendey, 1868 - 1918 





Photo copyright: Isabella Kramer
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Stets sind Gespräche im Wald

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Stets sind Gespräche im Wald

Stets sind Gespräche im Wald:
Bald winkt dir ein Blatt,
Das dir etwas zu deuten hat.
Bald sitzt ein Käfer an deinem Ärmel und blinkt.
Sein Flügelein blitzt wie ein Liebesgedanke,
Der augenblicklich wieder versinkt.
Die Mücke singend ums Ohr dir schwebt,
Wie Sehnsucht, die vom Blute lebt
Und dir von deinen Poren trinkt.
Wo der Wald sich lichtet,
Steht ungeschlachten Scheitholz geschichtet,
Weht Rindengeruch, der von Bränden dichtet.
Bleibt in den Kleidern dir lang noch hocken,
Als will es dich in ein Feuer locken.




Max Dauthendey




Photo copyright: Isabella Kramer
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In trauter Verborgenheit - Wilhelm Busch

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In trauter Verborgenheit 

Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage
Habt ihr uns zugeteilt.

Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im Sonnenschein,
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.

Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns herniedergerauscht.

Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.

Was ist das für Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.

Wilhelm Busch, 1832 - 1908



Photo copyright: Isabella Kramer

Plumps


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Plumps

Der Frosch und eine Kröte
still hockten beieinander.
Da sprach der Frosch zur Kröte:
Geh, sei doch nicht so blöde
und spiel mir etwas vor
auf deinem Pfeifenrohr.

Der Frosch auf einem Strunken
war gern dazu bereit
und quakte traumversunken,
von feuchter Liebe trunken,
Quak, quak!
ein rührsam Chansonett:

Mücken summen um mein Bett,
die frechen,
sie sind schon worden sommerfett
und stechen.
Quak, quak!

Nun ist es hohe Zeit,
darin zu ruhn zu zweit,
wir könnten dann die Mucken
vereint hinunterschlucken.
Quak, quak!

Sobald das Lied zu End,
gerührt die Kröte flennt
und stürzt entzückt sogleich
dem Frosch nach in den Teich.
Plumps!



Heinrich von Reder 1824 - 1909





Foto von Ed van duijn auf Unsplash
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