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Auf der Wiese...

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Auf der Wiese...


Auf der Wiese webt und schwebt

Elbenringelreigen;

Feiner Flüsschen Schnee sich hebt

zu geheimen Geigen.

Schleier schlingen sich im Ring,

Silberflechten flimmern,

Flügel wie vom Schmetterling

scheu im Monde schimmern.

Jedes Köpfchen krönt ein Kranz

goldner Leuchtlaternchen,

wunderwirr verstrickt der Tanz

all die tausend Sternchen.




Christian Morgenstern, 1871 - 1914





Gemälde: Midsummer Eve (1908), Edward Robert Hughes



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Elfenlied

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Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: Elfe!
Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief
Wohl um die Elfe! -
Und meint, es rief ihm aus dem Tal
Bei seinem Namen die Nachtigall,
Oder Silpelit hätt' ihm gerufen.
Reibt sich der Elf die Augen aus,
Begibt sich vor sein Schneckenhaus,
Und ist als wie ein trunken Mann,
Sein Schläflein war nicht voll getan,
Und humpelt also tippe tapp
Durchs Haselholz ins Tal hinab
Schlupft an der Mauer hin so dicht,
Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.
"Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
Die Kleinen sitzen beim Mahle,
Und treiben's in dem Saale.
Da guck ich wohl ein wenig 'nein!"
- Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?
Gukuk! Gukuk!




Eduard Mörike, 1804 - 1875







Gemälde Copyright: Isabella Kramer 

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Die Weihnachtsfee Ebony

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Vorweihnacht, das ist Feenzeit, 
nach Mitternacht zu hören;
das Wispern, Kichern, Glöckchenklingeln.
Du solltest sie nicht stören!

Jetzt üben sie den Weihnachtsreigen,
zaubern sich neue Roben;
mit Sternenfunkeln, goldbehaucht, 
die Vielfalt ist zu loben. 

Distellas Schwester Ebony,
mit Haar wie Sternennacht,
ist stets ein echter Wirbelwind
und die am hellsten lacht. 

Jongliert sogar mit Christbaumkugeln
und das auch noch kopfüber.
Man wird vom Zuschau'n schon ganz wirr. 
Dann singt sie auch noch Lieder, 

die Sterne selbst zum Strahlen bringen, 
melodisch, überirdisch schön.
Die Stimme perlt sanft durch die Nacht,
die Zeit bleibt einfach stehen. 

Sofort vergisst man allen Kummer
und Träume werden friedlich. 
Die Welt versinkt im Weihnachtsschlummer, 
das ist den Proben dienlich. 

So wird geübt, getanzt, gelacht,
bis dann, der Morgen graut.
Das Weihnachtszimmer liegt ganz still,
als du verdutzt reinschaust. 



veredit©isabella.kramer25



Mehr über Weihnachtsfeen findest du hier-> Weihnachtsfeen



Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 



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Auf einer Burg

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Auf einer Burg


Eingeschlafen auf der Lauer
Oben ist der alte Ritter;
Drüber gehen Regenschauer,
Und der Wald rauscht durch das Gitter.


Eingewachsen Bart und Haare,
Und versteinert Brust und Krause,
Sitzt er viele hundert Jahre
Oben in der stillen Klause.
 

Draußen ist es still und friedlich,
Alle sind ins Tal gezogen,
Waldesvögel einsam singen
In den leeren Fensterbogen.
 

Eine Hochzeit fährt da unten
Auf dem Rhein im Sonnenscheine,
Musikanten spielen munter,
Und die schöne Braut die weinet.

 


Joseph von Eichendorff






Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Die Hexenschülerin (ein Rosalind Gedicht)

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Die Hexenschülerin (ein Rosalind Gedicht)

Rosalindes kleine Nichte
will natürlich Hexe werden,
wie die Tante prächtig zaubern
und die größte Hexe, die auf Erden
jemals lebte sein, ist klar! 

Ann-Sophie übt Jahr für Jahr,
mörsert Unken, bröselt Schlangen,
rührt und zischelt, riecht voll Bangen,
ob der Trank wohl diesmal richtig.
Dreimal links, dann rechts, was wichtig!

Schlecht Gerührtes kann misslingen,
diesmal will sie ihn bezwingen, 
diesen Trank, der blubbert mächtig,
Hexenzahngeklapper rächt sich
meistens auf die schlechte Weise. 

Ann-Sophie klappert ganz leise,
zappelt da ein Spinnenbein?
Schwupps, das kommt dann auch 
noch rein. Spinne kann ja niemals
schaden! Würde man die Mäuse baden,
wirkten die dann nicht noch besser?

Wo steckt nur das Zwirbelmesser,
welcher Giftpilz schmeckt nach Galle?
Fragen über Fragen schwirren durch
den kleinen Hexenkopf. Plötzlich brennt
Ann-Sophies Zopf, rasch mal in den Topf
getaucht. 

Worauf jener grünlich raucht und
es wabern durch die Gegend, dicke 
Schwaden, scheinbar lebend,
die umschlängeln Hexenohren.
Hach, der Trank ist wohl verloren!
Doch da schallt aus dem Gewaber,
Tantchens Stimme: "Aber, aber,

Kleines Hexchen, gut gemacht!"
Ann-Sophie, erleichtert lacht. 
Beide kosten von der Brühe, 
Rosalind lobt Hexchens Mühe.
Schmeckt der Trank auch etwas lau,
wirken tut er ganz genau. 

Warzen sind zack, weggehext.
Ann-Sophie guckt ganz perplex.
"Am Geschmack musst du noch feilen,
doch nicht heut', kein Grund zu eilen. 
Gleich, ob Zufall, Können, Glück, 
Hauptsache das Resultat
bringt dich vorwärts Stück für Stück." 


veredit©isabella.kramer24


Inspiriert von den unvergleichlich wunderbaren Rosalind-Gedichten von der amelie


Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


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Ein O-Gedicht






Ein O-Gedicht


 Orgeln haben viele Pfeifen 
und ein Orca ist ein Wal
Otto züchtet Orchideen
Oberstdorf liegt tief im Tal

ein Orkan ist starker Sturm
Olme leben nur im Dunkeln
Opern haben viel Töne
ein Opossum ist kein Wurm

Ottfried onduliert gern Locken
Oder heißt ein großer Strom
Orks sind böse Märchenwesen
und ein Onkel heißt auch Ohm

Oskar schwimmt grad wie ein Otter
Originale sind wohl echt 
Ostern hat's oft schlechtes Wetter
Oberrichter sprechen Recht

Orgien nennt man wilde Feste
Ochsenaugen süße Kuchen
Ortrud hat gern viele Gäste
Ordnung ist gut gegen Suchen

Omsk ist eine Stadt im Osten
Orion ein ferner Stern
Oberschwester Olga lacht viel
Ohrenbären hab' ich gern

Oberförster können gut schießen
Obelisken sind recht spitz
Ohrensessel sind zum Sitzen
ein Orakel ist kein Witz



veredit©isabella.kramer24






 ABC Reihe für Kinder 


Illustration copyright: Isabella Kramer 



auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


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Ein alter Frosch erinnert sich

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Ein alter Frosch erinnert sich


wie stets in hellen Juninächten
Ridibundus beginnt zu plaudern.
Erzählt von unbekannten Mächten,
läßt seine Kinder, Enkel schaudern,
die dennoch stets auf's neue fordern:
"Großvater, bitte noch einmal!" 
Kennt' der doch tausende Geschichten,
die toller werden von Mal zu Mal. 

Die Fröschlein also zapplig quaken:
"Erzähl uns bitte die vom Brunnen,
in den du bist auf deiner Flucht
vor Meister Adebar gesprungen.
Wir wollen nicht mehr länger warten!"

Und selbst die alten Weiden halten
den Wind in ihren Zweigen an,
so dass Ribundubus hebt seine Stimme: 
"Nun gut, ein Sommer war's, als es begann. 
Der Teich war nett, schön grün, gemütlich.
Doch ich war jung und wollte mehr. 
Ich wollte sehen, wie es denn wäre,
als kleiner Frosch am großen Meer.

So tat ich meinen ersten Sprung,
da wär's schon fast um mich geschehen!
Hatte ich doch nicht rechts, nicht links, 
mich vorher auch nur umgesehen. 
Da stand er, schrecklich riesengroß, 
sein Schnabel spitz und leuchtend rot.
Storch Adebar, der Erzfeind, war es.
Ich dachte, so, jetzt bist du tot! 

Doch halfen ohne langes Denken
vier, fünf von unseren Riesensprüngen
weit außer seiner Sicht zu landen
und mich in Sicherheit zu bringen. 
So weit war ich noch nie gesprungen
und meine Flucht, die war geglückt.
Ich landete in einem Brunnen, 
ein ausgesprochen schönes Stück.

Das Terrain war mir unbekannt,
doch schien es ganz entzückend hier. 
Der Brunnen winzig, klein und blau,
doch plätscherte er recht charmant. 
Aus kleinen Schälchen fiel das Wasser
stets noch in eine Untere. Ich fand's 
gemütlich, still, erholsam, ganz anders
als das muntere Gequake daheim in 
unserem Heimatteich. Folglich beschloss
ich hier zu bleiben, der Brunnen wurd'
mein Königreich." 






Der Sommer kam,  die Lust aufs Meer,
sie war verflogen. Ein Tag war schöner
als der andere, mein Brunnen war das 
große Los, was unerwartet ich gezogen. 
Warum sollte ich weiterreisen, hier war ich König
und sonst keiner. Die Tage zogen sacht dahin,
unmerklich wurd' der Sommer kleiner. 

Dann war er da, der Herbstwind brauste
und in den Nächten wurd' es kalt.
Ich suchte rum, jedoch im Brunnen,
da gab es nicht mal einen Spalt, der für
ein Winterschläfchen wichtig. Es zog
mich heimwärts und zwar richtig! 

Der Heimweg, er war schnell gefunden,
Familie, Freunde, alle da! Sofort schwamm
ich zehn große Runden, ich war daheim, 
so ganz und gar. Was war das
für ein Freudequaken von Groß und Klein
im Heimatteich, viel mehr wert
als das allerschönste höchsteigene
Brunnenkönigreich." 



veredit©isabella.kramer24 



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Photos copyright: Isabella Kramer


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Die Suppe sprach

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Die Suppe sprach...

Die Suppe sprach mit leisem Mund:
»Die Kinder mach' ich stark – gesund!
Wenn ihr’s nicht glaubt, so seid jetzt still
Und horcht, was ich erzählen will.

Im Wald, wo Wind und Wetter braust,
Hat eine Hexe einst gehaust,
Die hatte viele Kinderlein,
Die sperrte in den Wald sie ein,
Gab ihnen nichts zu essen mehr;
Die Kinder plagt’ der Hunger sehr.

Doch eine Fee, die wusste dies;
Darum sie Suppe regnen ließ.
Da kamen schnell die Kinderlein
Und fingen sie in Töpfchen ein,
Und wurden groß und kräftig sehr,
Die Hex’ konnt’ sie nicht halten mehr,
Und kamen glücklich in die Stadt –
Die Suppe sie gerettet hat!«


Joachim Ringelnatz, 1883-1934





Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Bei Goldhähnchens

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 Bei Goldhähnchens

Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast!
Sie wohnen im grünen Fichtenpalast
In einem Nestchen klein,
Sehr niedlich und sehr fein.

Was hat es gegeben? Schmetterlingsei,
Mückensalat und Gnitzenbrei
Und Käferbraten famos —
Zwei Millimeter groß.

Dann sang uns Vater Goldhähnchen was,
So zierlich klang's wie gesponnenes Glas;
Dann wurden die Kinder beseh'n:
Sehr niedlich alle zehn!

Dann sagt' ich: „Adieu!“ und: „Danke sehr! “
Sie sprachen: „Bitte, wir hatten die Ehr'
Und hat uns mächtig gefreut '.“
Es sind doch reizende Leut'!


Heinrich Seidel, 1842 - 1906

 

 

Foto von Vincent van Zalinge auf Unsplash  

 

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Wolkenreise

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Wolkenreise

War einst ein kleines Wölckchen,
das hatte sich komplett verflogen.
Es träumte vor sich hin mit offen'n Augen
und schwupps war die Familie
meilenweit davon gezogen.

Hach, dachte es, das ist doch fein,
die Sonne kitzelt meinen Bauch, 
der Wind ist warm, es duftet schön
nach Frühling. Hier will ich sein und
blieb. Der Rest der Sippe weitertrieb.

Es schaukelte sich so dahin, genoss
die Gärten, Parks und Felder im 
Frühlingslicht. Vermisste nichts und 
niemanden und sorgte sich kein bisschen,
rein so garnicht, nicht. 

Der Abend kam, die Sonne war schon in
ihr Bett gegangen, da dachte Wölckchen 
sich, ich sollte wohl mal an zu suchen 
fangen. Wo ist Mama, Papa und auch 
die Großeltern sind nicht zu sehen?

Da sah sie alle bauschig, wartend an dem
Fuß des Berges stehen. Sie schmunzelten
und keiner gab auch nur ein böses Wort.
Sie nahmen Wölckchen in die Familienmitte
und folgen mit ihm fort. 



veredit©isabella.kramer25




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Photos copyright: Isabella Kramer


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Wenn's Frühling wird

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Wenns Frühling wird

Die ersten Keime sind, die zarten,
im goldnen Schimmer aufgesprossen;
schon sind die ersten der Karossen
im Baumgarten.

Die Wandervögel wieder scharten
zusamm sich an der alten Stelle,
und bald stimmt ein auch die Kapelle
im Baumgarten.

Der Lenzwind plauscht in neuen Arten
die alten, wundersamen Märchen,
und draußen träumt das erste Pärchen
im Baumgarten.





Rainer Maria Rilke, aus Larenopfer 1895 









Photo copyright: Isabella Kramer



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Der Flockenzähler - Teil 2

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Der Flockenzähler


hat allen Grund zum Freuen
die Luft ist längst nicht mehr so kalt,
der Frühling naht, er spürt’s genau.
Natur erwacht von Neuem.

Frau Holle packt die Kissen fort,
Schluss nun mit dicken Flocken.
Jetzt ist's vorbei mit tagelang,
nur in der Stube hocken.

Herr Igel und Frau Dachs sind wach,
Schneeglöckchen läuten leise,
Narzissen schaukeln sanft im Wind,
der Bach befreit vom Eise.

Nun braucht er nicht mehr zählen,
ob irgendwo ein Flöckchen fällt.
Sein langer Dienst er endet jetzt,
denn warm und sonnig wird die Welt.

So räumt er schnell die Listen fort,
verstaut die Wintersocken,
zum Regenbogen-Wohlfühl-Ort
läßt er sich gerne locken.

Wer so viel zählt, der braucht auch Pausen,
zum Tanzen und zum fröhlich sein.
Das gilt nicht nur für Flockenzähler,
nein, auch für uns, für Groß und Klein.



veredit©Isabella Kramer 2024



weitere Gedichte vom: Flockenzähler





Photo copyright: 
Isabella Kramer



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Märchenadresse





Märchenadresse

Außen umspinnen gläserne Fäden das Haus,
innen ist alles winzig klein,
Möbel, Geschirr, selbst die Kleidung 
sehen so aus,
als würde da niemand da passen hinein,
der auch nur größer ist, als der Daumen des Riesen Klaus. 
  

Selbst vor den Fenstern hängende Schalen mit lila Gras,
das schon vor Wochen, jemand zu gießen vergaß.
Faktisch braucht man auch für die Türe viel Humor,
stehen doch in der Tat sieben bärtige Zwerge davor.


Am Zaun mehlige Säckchen mit roten Äpfeln hängen.
Und aus den Dachluken sich niedliche Mäuse rauszwängen.
Rate mal - wessen Name ziert das Kingelschildchen?
Klar doch! - Schneewittchen, dazu noch mit Bildchen.


 

veredit©isabella.kramer08





Gemälde Copyright: Isabella Kramer 

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Zigeunerlied

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Zigeunerlied

Im Nebelgeriesel, im tiefen Schnee,
Im wilden Wald, in der Winternacht,
Ich hörte der Wölfe Hungergeheul,
Ich hörte der Eulen Geschrei.
Wille wau wau wau!
Wille wo wo wo!
Wito hu!

Ich schoß einmal eine Katz am Zaun,
Der Anne, der Hex, ihre schwarze liebe Katz.
Da kamen des Nachts sieben Werwölf zu mir,
Waren sieben sieben Weiber vom Dorf.
Wille wau wau wau!
Wille wo wo wo!
Wito hu!

Ich kannte sie all, ich kannte sie wohl,
Die Anne, die Ursel, die Käth,
Die Liese, die Barbe, die Ev, die Beth,
Sie heulten im Kreise mich an.
Wille wau wau wau!
Wille wo wo wo!
Wito hu!

Da nannt ich sie alle bei Namen laut:
Was willst du, Anne? Was willst du, Beth?
Da rüttelten sie sich, da schüttelten sie sich,
Und liefen und heulten davon.
Wille wau wau wau!
Wille wo wo wo!
Wito hu!




Johann Wolfgang von Goethe, 1749 - 1832



Foto von freestocks auf Unsplash



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Leben auf Zeit



 


Leben auf Zeit 

und Träume von schneeigen Bergen
von saftigen Wiesen im Sonnenlicht
lustigen Feen und witzigen Zwergen
alles ist möglich unmöglich gibt es nicht

abends les ich dir Märchen von Riesen
die einfach so was von niedlich sind
tagsüber steigen wir hoch in die Wolken
fühlen uns winzig und glücklich
und sind...

irgendwie unsichtbar 
nur für einander zu sehen 
Leben auf Zeit 
zwischen schillernden Seen
und schneeigen Bergen
ist ohne jede Frage
so was von schön 


veredit©isabella.kramer22

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Gemälde copyright: Isabella Kramer 





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Lorelei

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Lorelei

Es ist schon spät, es wird schon kalt,
was reitst du einsam durch den Wald?
Der Wald ist lang, du bist allein,
du schöne Braut! Ich führ dich heim!

»Groß ist der Männer Trug und List,
vor Schmerz mein Herz gebrochen ist,
wohl irrt das Waldhorn her und hin,
o flieh! du weißt nicht, wer ich bin.«

So reich geschmückt ist Roß und Weib,
so wunderschön der junge Leib,
jetzt kenn ich dich – Gott steh mir bei!
Du bist die Hexe Lorelei.

»Du kennst mich wohl – vom hohen Stein
schaut still mein Schloß tief in den Rhein.
Es ist schon spät, es wird schon kalt,
kommst nimmermehr aus diesem Wald!«




Joseph von Eichendorff, 1788 - 1857




Gemälde: Die Lorelei - Eduard Jakob von Steinle - wikimedia commons 

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Walpurgisnacht

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Walpurgisnacht*

Liebe Mutter, heut' Nacht heulte Regen und Wind.
"Ist heute der erste Mai, liebes Kind."
Liebe Mutter, es donnerte auf dem Brocken droben.
"Liebes Kind, es waren die Hexen oben."
Liebe Mutter, ich möcht keine Hexen sehn.
"Liebes Kind, es ist wohl schon oft geschehn."
Liebe Mutter, ob wohl im Dorf Hexen sind?
"Sie sind dir wohl näher, mein liebes Kind."
Liebe Mutter, worauf fliegen die Hexen zum Berg?
"Liebes Kind, auf dem Rauche von heißem Werg."
Liebe Mutter, worauf reiten die Hexen zum Spiel?
"Liebes Kind, sie reiten auf 'nem Besenstiel."
Liebe Mutter, ich sah gestern im Dorf viel Besen.
"Es sind auch viel Hexen auf'm Brocken gewesen."
Liebe Mutter, 's hat gestern im Schornstein geraucht.
"Liebes Kind, es hat Einer das Werg gebraucht."
Liebe Mutter, in der Nacht war dein Besen nicht zu Haus.
"Liebes Kind, so war er zum Blocksberg hinaus."
Liebe Mutter, dein Bett war leer in der Nacht.
"Deine Mutter hat oben auf dem Blocksberg gewacht."



Willibald Alexis, 1798 - 1871





*Walpurgisnacht ist die Nacht auf den 1. Mai und ihre Ursprünge gehen tief in den Aber- und Hexenglauben des frühen 15. Jahrhundert zurück 



Illustration copyright: Isabella Kramer 



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Fischer Wichtel

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Fischer Wichtel 

Gunnar Garrlson ist sein Name
und man rollt dabei das R,
das kann Gunnar echt gut leiden
fast so sehr wie jedes Meer,
dass der Gunnar je befahren.
Ja, da staunst du ganz zu Recht, 
denn das Wichtel gern zur See fahr'n,
weiß fast niemand, das steht fest. 

Gunnar ist schon so geboren,
immer eine Hand am Fisch
und wo andere seekrank wurden,
ist der Gunnar munter, frisch.
Sturm ist seine zweite Heimat,
ihm kann's gar nicht genug brausen.
Gunnar liebt es wichtelmäßig
über Wellen hinzusausen. 

Dabei hilft er, wo er kann,
ob beim Fischfang ganz weit draußen,
oder wenn die Mannschaft wieder vorhat
einen Hafen anzulaufen. 
Gunnar ist ein Fischerwichtel,
wie es keinen zweiten gibt.
Und sein Weihnachtsdienst am Leuchtturm,
macht ihn gleich noch mehr beliebt.

Klar, das wär' kein Heiligabend 
ohne Gunnars leck'ren Fisch.
Leuchtturmwärters Gattin Gesche
brät ihn, zack, steht auf dem Tisch
ein Kanne Wichtelsaft
und das krosse Brot vom Hinnack.
Ja, das gibt so richtig Kraft,
für ein neues Wichteljahr,
wie wir Gunnar viele wünschen,
ob in grünen Gummistiefel oder 
selbstgestrickten Strümpfen. 




veredit©isabella.kramer2022


Hier gibt es noch ein kleines -> Video zum Bild



Gemälde Copyright: Isabella Kramer 


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Böser Traum

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Böser Traum.

In meinem Traume sah ich ihn,
in seinen Händen stark und kühn
Schwert und Dolch, vorüberziehn,
wie über die Haide das Ungewitter,
den Ritter

der deutschen Balladen,
der auf Thal- und Waldespfaden,
an Fluss- und Meergestaden,
vorbei an Land und Stadt und Schloss
sein Ross,

schwarz und rot wie in Flammen getränkt,
mit Zaum und Zügel nie behängt,
ohne Zuruf, Gebiss und Peitsche lenkt,
mit dumpfem Röcheln von Ort zu Ort,
immerfort, immerfort.

Ein Filzhut mit langer Feder schützt
sein dunkles Auge, das tiefgeschlitzt
glüht und wieder erlischt. So blitzt
und verglüht im Nebel bei Feuers Strahl
funkelnder Stahl.



Paul Verlaine,1844 - 1896






Photo by Les Anderson on Unsplash


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Die Genevernixe

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Die Genevernixe

In einen Krämerladen,
Es mochte täglich sein,
Trat lächelnd, wie aus Gnaden,
Ein sittsam Fräulein ein.
Und kauft sich Wacholderbeeren,
Hat weiter kein Begehren
Als diesen Wunsch allein.

Die andern Kunden staunten,
Und fragten hin und her,
Und wie sie rieten, raunten,
Das Rätsel wurde schwer.
Das Fräulein schien wie ein Engel,
Fehlt nur der Lilienstengel
Als Gottes Unschuldswehr.

Als einmal voll die Diele,
Trat wieder sie herein,
Und handelt sich am Ziele
Die schwarzen Beeren ein.
Da fangen sie an zu lachen
Und ihre Glossen zu machen:
Seht nur den Heiligenschein.

Und stumm zieht sie von dannen,
Und wird nicht blaß, noch rot,
Doch ihre Tränen rannen,
Als wärs in Angst und Not.
Und sie wendet sich mit Beben:
Mir kauft ich das ewige Leben,
Ihr aber kauft euch den Tod.

Dann geht sie durchs Gedränge,
Durch Gassen fort zum Fluß,
Begleitet von der Menge,
Die folgt ihr, weil sie muß,
Und sieht im Strom sie versinken,
Und unter Sternenblinken
Ufert ein Wellenkuß.



Detlev von Liliencron, 1844 - 1909



Foto von Mimipic Photography auf Unsplash

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