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Stilles Haus


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Die Fenster glühten an dem stillen Haus,
der ganze Garten war voll Rosendüften.
Hoch spannte über weißen Wolkenklüften
der Abend in den unbewegten Lüften
die Schwingen aus.

Ein Glockenton ergoß sich auf die Au.
Lind wie ein Ruf aus himmlischen Bezirken,
Und heimlich über flüstervollen Birken
sah ich die Nacht die ersten Sterne wirken
ins blasse Blau.


Rainer Maria Rilke,1875 - 1926





Gemälde copyright: Isabella Kramer 


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Kindergebet

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Kindergebet

Kindergebet
Guten Abend, gute Nacht,
Von Sternen bedacht,
Vom Mond angelacht,
Von Engeln bewacht,
Von Blumen umbaut,
Von Rosen beschaut,
Von Lilien bethaut,
Den Veilchen vertraut;
Schlupf`unter die Deck'
Dich reck' und dich streck',
Schlaf fromm und schlaf still,
Wenns Herrgottchen will,
Früh Morgen ohn' Sorgen
Das Schwälbchen dich weck'!



Clemens Brentano, 1778-1842





Photo copyright: Isabella Kramer
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Was der Frühling alles tun muss!

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Erst die Sonne höher heben,
dann die Gräser grün anstreichen,
allen, die auf Erden leben,
brüderlich die Hände reichen,

Schlangen häuten, Schatten schwärzen,
Felder kämmen, auch die Wiesen,
sorgen, dass Kastanienkerzen
brennen, Weidenruten schießen,

für die Vögel Noten schreiben
und die Rosenblätter zählen,
mit den Kindern Unfug treiben,
Wäldern neue Farben wählen,

Käfern ihre Panzer putzen,
Zäunen guten Morgen sagen,
Tau als Schmuck für Gras benutzen,
Licht in Mauselöcher tragen,

weil die Bienen gern was hätten,
Honig in die Blüten stecken,
alle Katzenfelle glätten -
und die Kinder morgens wecken!

Ja der Frühling hat zu tun,
und was machen wir denn nun?


 
 
Frantisek Halas, 1901 - 1949

 

 

 


Gemälde copyright: Isabella Kramer 

 

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Winter im Garten

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 Winter im Garten


Von feinstem Raureif überzogen
der Garten frostig schauernd liegt.
Wo einst im Sommer Blüten wogten,
ertönt der Amsel Winterlied.

Der Buchs schmückt sich mit weißer Mütze,
die schmalen Wege sind verschneit,
zum Eissee wird die kleinste Pfütze.
Natur im seidig kühlen Kleid.

Mit tausend glitzernden Kristallen
verziert sind jeder Baum und Strauch.
Gleich schimmernd weißen Seekorallen,
sehn selbst die kahlsten Äste aus.

Bewehrt mit tausend Nadelspitzen,
dick überzuckert, doch nicht zu süß,
am Stock die letzten Rosen sitzen -
frostkonserviert fürs Paradies.

Sieh, auf dem Rasen liegt ein Schleier,
ein Netz aus diamant'nem Staub.
Trug ihn die Eisfee jüngst zur Feier
und hat ein Prinz ihn ihr geraubt?

Doch als der Wind von Süden kam,
kam auch der Frühling in den Garten.
Des Winters Kraft ein Ende nahm,
und neues Leben lohnt das Warten.

 
 
veredit©Isabella.Kramer
 
 
 



Photo copyright: 
Isabella Kramer


 Auch enthalten im Gedichtband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 



Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de

 
 
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Mittagszauber

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Mittagszauber

Goldstaub die Luft! – Der stille Park verträumt,
Die Rosen schwer, vom eignen Dufte trunken,
Und jeder Halm von weißem Licht umsäumt,
Und selbst das Erlenlaub in Schlaf versunken.

Es ist so still – nur dann und wann im Hag
Ein Wachtelruf, des Hähers Liebeslocken,
Ein schluchzend abgebrochner Amselschlag,
Ein kurzes Brausen wie versunkne Glocken.

Ich selbst verträumt, das Auge sonnenschwer,
Es flutet über mich mit schwüler Welle,
Ein blauer Falter taumelt um mich her,
Vom Schilfe tönt das Schwirren der Libelle.

In meiner Seele wird es licht und weit,
Ein Schwanken ist's, ein selig Untergehn.....
Des Sommertags verlor'ne Einsamkeit
Fühl ich wie gold'ne Nebel mich umwehn.

Noch sieht mein Aug' ein fallend Rosenblatt,
Ein Wasserhuhn ist taumelnd aufgeflogen.
Ich sinke hin – so still und traumesmatt
Und treibe steuerlos auf Traumeswogen.



Hedwig Dransfeld, 1871 - 1925





Photo copyright: Isabella Kramer

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Die Biene

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Die Biene

Als Amor in den goldnen Zeiten
Verliebt in Schläferlustbarkeiten
auf bunten Blumenfeldern lief,
Da stach den kleinsten von den Göttern
Ein Bienchen, das in Rosenblättern,
wo es sonst Honig holte, schlief.

Durch diesen Stich ward Armor klüger,
der unerschöpfliche Betrüger
Sann einer neuen Kriegslist nach:
Er lauscht in Rosen und Violen;
Und kam ein Mädchen sie zu holen,
Flog er als Bien heraus und stach.




Gotthold Ephraim Lessing, 1729 - 1781





Photo copyright: Isabella Kramer


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Das Rosen-Innere

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Das Rosen-Innere

Wo ist zu diesem Innen
ein Außen? Auf welches Weh
legt man solches Linnen ?
Welche Himmel spiegeln sich drinnen
in dem Binnensee
dieser offenen Rosen,
dieser sorglosen, sieh:
wie sie lose im Losen
liegen, als könnte nie
eine zitternde Hand sie verschütten.
Sie können sich selber kaum
halten; viele ließen
sich überfüllen und fließen
über von Innenraum
in die Tage, die immer
voller und voller sich schließen,
bis der ganze Sommer ein Zimmer
wird, ein Zimmer in einem Traum.



Rainer Maria Rilke, 2.8.1907, Paris




Photo copyright: Isabella Kramer


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Die Glocken läuten Ostern ein!

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Die Glocken läuten Ostern ein

Die Glocken läuten das Ostern ein
In allen Enden und Landen,
Und fromme Herzen jubeln darein:
Der Lenz ist wieder entstanden!

Es atmet der Wald, die Erde treibt
Und kleidet sich lachend im Moose,
Und aus den schönen Augen reibt
Den Schlaf sich erwachend die Rose.

Das schaffende Licht, es stammt und kreist
Und sprengt die fesselnde Hülle;
Und über den Wassern schwebt der Geist
Unendlicher Liebesfülle!



Adolf Böttger, 1815 - 1870



Gemälde copyright: Isabella Kramer 

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Meine Rosen

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Meine Rosen

Ja! Mein Glück – es will beglücken –,
Alles Glück will ja beglücken!
Wollt ihr meine Rosen pflücken?
Müsst euch bücken und verstecken
Zwischen Fels und Dornenhecken,
Oft die Fingerchen euch lecken!
Denn mein Glück – es liebt das Necken!
Denn mein Glück – es liebt die Tücken! –
Wollt ihr meine Rosen pflücken?




Friedrich Nietzsche, 1844 - 1900



Photo copyright: Isabella Kramer
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Am Meeresstrand

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Zwei Jungfrauen sitzen am Meeresstrand;
Die Eine weint in die Fluthen,
Die Andre mit dem Kranz in der Hand
Wirft Rosen in die Fluthen.

Die eine, trüber Wehmuth Bild,
Stöhnt mit geheimem Beben:
"O Meer, o Meer, so licht und wild,
Wie gleichst du so ganz dem Leben!"

Die Andre, lichter Freude Bild,
Jauchzt selig lächelnd daneben:
"O Meer, o Meer, so licht und wild,
Wie gleichst du so ganz dem Leben!"

Fortbraust das Meer und überklingt
Das Jauchzen und das Stöhnen;
Fort wogt das Meer und, ach, verschlingt
Die Rosen und die Thränen.


Anastasius Grün, 1806 - 1876


Photo copyright: Isabella Kramer
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refugio conclusio - Pantum











in sanftes dämmerlicht getaucht
von eisgespinsten zart gekränzt
dezemberrosen frostbehaucht
selbst unscheinbares silbern glänzt

von eisgespinsten zart gekränzt
ein jedes blatt wird zur skulptur
selbst unscheinbares silbern glänzt
raureifdurchwebte schleierspur

ein jedes blatt wird zur skulptur
vertraut und doch verlockend fremd
raureifdurchwebte schleierspur
schönheit entblößt sich ungehemmt

vertraut und doch verlockend fremd
in sanftes dämmerlicht getaucht
schönheit entblößt sich ungehemmt
die letzten rosen frostbehaucht



veredit©09 Isabella Kramer





Safe Creative #0912085080450



Photo copyright: Isabella Kramer



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Traumliedchen - Christian Morgenstern






Traumliedchen


Träum, Kindlein, träum,
im Garten stehn zwei Bäum'.

Der eine, der trägt Rosen,
der andre Aprikosen!

Da kommt der König Abendlust -
und steckt seiner Königin eine Rose an die Brust.

Da reckt sich die Königin mit ihrer Rose -
und pflückt dem Herrn König eine Aprikose.

Der König bricht die Frucht in zwei Stücke
und gibt eine Hälfte der Frau Königin zurücke.

Drauf lassen sie beide sich's trefflich munden.
Den Kern aber, den sie darinnen gefunden,

den Aprikosenkern, klein und fein,
den pflanzen sie in ein Beet hinein.

Und dass er es dort recht artig hat,
umwickelt ihn Frau Königin mit einem Rosenblatt,

mit einem Rosenblatt, mit einem Rosenblatt,
auf dass es der Kern dort recht lieblich hat.

Dort schlummert er lange, dort schlummert er fest,
als wie ein Vögelchen in seinem Nest.

... Träum, Kindlein, träum, im Garten stehn zwei Bäum' ...
... der eine, der trägt Rosen, der andre Aprikosen ...

Träum, Kindlein, träum ...


Christian Morgenstern 1871 - 1914






Photo copyright: 
Isabella Kramer