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Föhn

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Föhn

Laß deinen Atem wehen,
Frühling, du Held!
Mag auch zugrunde gehen,
Was morsch auf der Welt!

Die Erde will keinen Freier,
Der lahm und lack,
Solch eine Hochzeitsfeier
Feiert im Frack.

Nein! einen wilden tollen
Nackten Geselln,
und in die Küsse sollen
Todschreie gelln!

Wogen sollen brüllen
Gepeitscht an den Strand,
Brechende Wälder füllen
Mit Stöhnen das Land,

Lawinen sollen dröhnen
Ins zitternde Tal,
Um das Brautbett tönen
Soll Sturmchoral!

So empfangen und zeugen
Riesen ihr Kind. –
– Uns ziemt es zu schweigen,
Zwerge, die wir sind …


A. de Nora, 1864 - 1936




Foto von Alessio Soggetti auf Unsplash


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Märchenadresse





Märchenadresse

Außen umspinnen gläserne Fäden das Haus,
innen ist alles winzig klein,
Möbel, Geschirr, selbst die Kleidung 
sehen so aus,
als würde da niemand da passen hinein,
der auch nur größer ist, als der Daumen des Riesen Klaus. 
  

Selbst vor den Fenstern hängende Schalen mit lila Gras,
das schon vor Wochen, jemand zu gießen vergaß.
Faktisch braucht man auch für die Türe viel Humor,
stehen doch in der Tat sieben bärtige Zwerge davor.


Am Zaun mehlige Säckchen mit roten Äpfeln hängen.
Und aus den Dachluken sich niedliche Mäuse rauszwängen.
Rate mal - wessen Name ziert das Kingelschildchen?
Klar doch! - Schneewittchen, dazu noch mit Bildchen.


 

veredit©isabella.kramer08





Gemälde Copyright: Isabella Kramer 

auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Grafiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Grafiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über E-Mail: vere_dit@yahoo.de

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Der Zwerg

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Der Zwerg

Hang an Hang, und Hang an Feld und Felder,
Strauch an Baum, und Wald an Wälder,
Tal an Berg und Tal an Berg:
Erden-Weite-Breite rundherüberall:

Und der Mensch, der Zwerg:

Tappt verschüchtert,
Geht ernüchtert,
Stolzt voll Dünkel hier und dort,
Schürft sich Lehm und backt sich Ziegel,
Häuft aus Mauern, Dächern seinen Ort.
Schließt mit Schloß und Riegel
Sorgevoll sein Haus,
Klopft und bohrt darin herum –
Dünkt sich klug und andre dumm –
Geht kaum aus der Straße raus – –

Draußen reiht sich Feld an Feld:
Draußen weitet sich die Welt:
Ungeheure Runde!




Gerrit Engelke, 1890 - 1918




Photo copyright: Isabella Kramer

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Leben auf Zeit



 


Leben auf Zeit 

und Träume von schneeigen Bergen
von saftigen Wiesen im Sonnenlicht
lustigen Feen und witzigen Zwergen
alles ist möglich unmöglich gibt es nicht

abends les ich dir Märchen von Riesen
die einfach so was von niedlich sind
tagsüber steigen wir hoch in die Wolken
fühlen uns winzig und glücklich
und sind...

irgendwie unsichtbar 
nur für einander zu sehen 
Leben auf Zeit 
zwischen schillernden Seen
und schneeigen Bergen
ist ohne jede Frage
so was von schön 


veredit©isabella.kramer22

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Gemälde copyright: Isabella Kramer 





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Fischer Wichtel

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Fischer Wichtel 

Gunnar Garrlson ist sein Name
und man rollt dabei das R,
das kann Gunnar echt gut leiden
fast so sehr wie jedes Meer,
dass der Gunnar je befahren.
Ja, da staunst du ganz zu Recht, 
denn das Wichtel gern zur See fahr'n,
weiß fast niemand, das steht fest. 

Gunnar ist schon so geboren,
immer eine Hand am Fisch
und wo andere seekrank wurden,
ist der Gunnar munter, frisch.
Sturm ist seine zweite Heimat,
ihm kann's gar nicht genug brausen.
Gunnar liebt es wichtelmäßig
über Wellen hinzusausen. 

Dabei hilft er, wo er kann,
ob beim Fischfang ganz weit draußen,
oder wenn die Mannschaft wieder vorhat
einen Hafen anzulaufen. 
Gunnar ist ein Fischerwichtel,
wie es keinen zweiten gibt.
Und sein Weihnachtsdienst am Leuchtturm,
macht ihn gleich noch mehr beliebt.

Klar, das wär' kein Heiligabend 
ohne Gunnars leck'ren Fisch.
Leuchtturmwärters Gattin Gesche
brät ihn, zack, steht auf dem Tisch
ein Kanne Wichtelsaft
und das krosse Brot vom Hinnack.
Ja, das gibt so richtig Kraft,
für ein neues Wichteljahr,
wie wir Gunnar viele wünschen,
ob in grünen Gummistiefel oder 
selbstgestrickten Strümpfen. 




veredit©isabella.kramer2022


Hier gibt es noch ein kleines -> Video zum Bild



Gemälde Copyright: Isabella Kramer 


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Das Puppenhäuschen

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Das Puppenhäuschen

Sieh doch mal: ein Herrenhäuschen!
Was meinst du? Wer wohnt wohl hier?
Reiche Leute, Hund und Kinder?
Butler, Köchin - aus Papier?

Winzigklein sind Tür'n und Fenster,
Treppen Millimeter hoch,
fingernagelgroß die Pfannen
für den Zwergenküchenkoch.

Wie klein sind dann erst die Eier,
die man dort zum Backen braucht?
Und die Hühner, die sie legen -
sieht man die mit freiem Aug?

Stellst dir vor, 's wär dein Zuhause!
Selber wärst du nicht recht groß:
einen Zentimeter Zwanzig.
Nicht gerade ein Koloss.

Plötzlich - eine Hand von oben,
riesengroß, greift nach dem Dach!
Und es dröhnt wie Donnergrollen:
"Guck, das Häuschen! Niedlich! Ach!"

In dein Zimmer blickt ein Auge,
groß wie eine Straßenbahn.
Sieht sich Möbel, Türen, Wände
und auch dich genauer an.

Hoch empor wirst du gehoben.
Alles wackelt, zittert, schwankt.
Aber halt! Du selbst bist's, der sich
all das vorstellt. Gott sei Dank!


Mit freundlicher Genehmigung von: ©die amelie ´ 11 ... zu ihrer Gedichte Website




Fotos und Puppenhaus: die amelie, nach einem Bastelbogen aus dem "Illusteret Familie Journal", einer Zeitschrift mit Bastelbögen für die ganze Familie in den Jahren um 1920

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Bei den Enkeln

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Bei den Enkeln

„Du liebe, Du gute Großmama!
Ich hab’ Dich am liebsten! Nicht wahr? – Ja ja!“
Und schmeichelnde Stimmchen dagegen: „Nein, nein!
Ich hab’ Dich am liebsten, lieb Großmütterlein!“
O glückliche Alte im Enkelhaus!
Sie weiß fast vor Liebe nicht ein noch aus.

Das Eine betrachtet den freundlichen Mund,
Denn der giebt die schönen Geschichten kund
Von den Zwergen in Bergen und Nixen im Thal –
Und das Andere kann an des Augen Strahl
Der Großmama nicht satt sich sehn:
An der Großmama ist ja Alles so schön!

Wie der Mutter der jubelnden Enkel blüht
Im seligen Antlitz die Lust im Gemüth
Vor solchen Sternen! Ihr Licht bescheint
Drei Lebensalter in Liebe vereint:
Drei Geschlechter in einem Glück geweiht!
Gott schirm’ dich, glücksel’ge Dreieinigkeit!


Friedrich Hofmann, 1813 - 1888








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Schneewittchen.

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Schneewittchen 

Ruft uns, Stunden seltner Gnade,
in ein fernes Kinderland, 
führt uns langvergessene Pfade, 
wo der Menschheit Wiege stand. 

Wo sich wilde Rosenranken
um verborgene Schlösser ziehn,
wundergläubige Gedanken
an Schneewittchens Sarge knien -

Betend, dass die tote Erde
wie Schneewittchen auferwacht
und die Welt der Märchen werde,
wie sie einst von Gott gedacht. 


Manfred Kyber, 1880 - 1933






Die wunderschöne Illustration ist von Marianne Strokes, 1855 - 1927  www.wikimedia.commons



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Die Gnomen und das Kartenhaus

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Die Gnomen und das Kartenhaus.

Zwei Gnomen namens Frosch und Frisch
Erblicken Karten auf dem Tisch.

Gar bald vergnügt die beiden sehen:
Die Blätter bleiben aufrecht stehen,

Wenn man sie so zusammenstellt,
Daß eins das andre stützt und hält.

Daß dies gelang, erfreut sie sehr,
Drum rasch zwei neue Karten her!

Die lehnen link und rechts sie bei,
Daß fester steh'n die ersten zwei.

Frisch ist zufrieden nicht damit,
Er will noch weiter einen Schritt.

Da warnt ihn Frosch: "Sei nicht so dumm,
Du wirfst damit die andern um!"

Doch sieh', es geht! Der Frisch ist froh,
Nun macht es Frosch gerade so.

Der Appetit kommt oft bei Tisch,
So geht’s den Gnomen Frosch und Frisch.

Ob des Gelingens froh und heiter
Bau'n beide an dem Häuslein weiter.

Sie lehnen, wie sie's erst getan,
Die beiden Seitenblätter an.

Und wiederholen so genau
Im zweiten Stock den untern Bau.

Weil nun der Arm so weit nicht reicht,
Steigt Frisch hinauf – so geht's vielleicht!

Es geht! Noch nicht der Arbeit satt,
Schleppt Frosch herbei ein neues Blatt.

Doch endlich geh'n die Blätter aus
Und fertig ist das Kartenhaus.

Voll Freude, weil das Werk geglückt,
Jetzt beide tanzen wie verrückt;

Doch eh' sie's denken, – eins – zwei – drei –
Da ist der ganze Spaß vorbei!


Franz Bonn, 1830 - 1894




Foto copyright: wiki commons eflen 
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Winterwald - Villanelle

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Im Winterwald ist heute Feen-und Elfenball!
Geladen sind die wundersamsten Gäste.
Es tanzen Zauberwesen dort in großer Zahl.

Da freu´ n sich Faune auf die Damenwahl
beim feierlichsten aller Jahreszeitenfeste.
Im Winterwald ist heute Feen- und Elfenball!

Weich fallen Nymphenkleider lang und schmal,
der Zwerg von Welt trägt seine beste Weste.
Es tanzen Zauberwesen dort in großer Zahl!

Kalt prickelt Schaumwein im Kristallpokal
und am Buffet speist man stets nur das Beste!
Im Winterwald ist heute Feen- und Elfenball -

sieh nur, welch Reigen unter Mondes Strahl!
Schneeglanz im feinsten aller Tanzpaläste!
Es tanzen Zauberwesen dort in großer Zahl.

Vergleichbar Schönes gibt’s nicht noch mal!
Es zeugen tags darauf davon nicht einmal Reste...
Im Winterwald ist heute Feen- und Elfenball.
Es tanzen Zauberwesen dort in großer Zahl!





mit freundlicher Genehmigung von: die amelie ´ 09


Foto copyright: Isabella Kramer



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Auf einem Berg aus Zuckerkant...

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Auf einem Berg aus Zuckerkant


Auf einem Berg aus Zuckerkant, 
unter einem blühenden Machandelbaum*, 
blinkt mein Pfefferkuchenhäuschen.
Seine Fensterchen sind aus Goldpapier, 
aus seinem Schornstein raucht Watte.
Im grünen Himmel, über mir,
rauscht die Weihnachtstanne.

In meinem See aus Staniol 
spiegeln sich alle ihre Engel,
 alle ihre Lichter!
Die kleinen Kinder stehn rum 
und staunen mich an.
Ich bin der Zwerg Turlitipu.
Mein dicker Bauch ist aus Traganth*, 
meine Beinchen Streichhölzer, 
meine listigen Äugelchen 
Korinthen.



Arno Holz, 1863-1929




*Machandelbaum - altes Wort für Wacholderbaum
*Traganth - ist eine sehr alte Masse aus Mehl, Wasser und Gummi, mit der in früheren Zeiten Christbaumschmuck hergestellt wurde.


Photo credit: Isabella Kramer
Gemälde copyright: Isabella Kramer

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Märchenschätze

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Märchenschätze


Gruselwuselgeister hauchen,
Hexenmeisterpfeifen schmauchen,
Drachenmäuler zahnvoll fauchen,
Zwergenhäuserschlote rauchen.

Schlangenzungen lispeln, zischen,
Krötenbeute will entwischen
und tief unten bei den Fischen
ruht das Nixengold in Nischen.

Wassermänner horten Schätze,
Elfen kennen stille Plätze,
Zauberlehrlingshosenmätze
lernen brav Beschwörungssätze.

Wald und Moor und Moos und Heide
und die alte Trauerweide
bergen Märchenschatzgeschmeide
voller Fantasie und Freude!



Text mit freundlicher Genehmigung: die amelie ´ 08




Bild: Einband eines Märchenbuchs mit Illustrationen von Carl Offterdinger und Heinrich Leutemann. Ende des 19 Jh.



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Die Heinzelmännchen zu Köln

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Die Heinzelmännchen zu Köln


Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul,... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
Da kamen bei Nacht,
Ehe man's gedacht,
Die Männlein und schwärmten
Und klappten und lärmten,
Und rupften
Und zupften,
Und hüpften und trabten
Und putzten und schabten...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk... bereits gemacht!
Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän' und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
Nahm Meißel und Beil
Und die Säg' in Eil;
Und sägten und stachen
Und hieben und brachen,
Berappten
Und kappten,
Visierten wie Falken
Und setzten die Balken...
Eh sich's der Zimmermann versah...
Klapp, stand das ganze Haus... schon fertig da!

Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich -
Und ächzten daher
Mit den Säcken schwer!
Und kneteten tüchtig
Und wogen es richtig,
Und hoben
Und schoben,
Und fegten und backten
Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,... das neue, vor!

Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
Das ging so geschwind
Wie die Mühl' im Wind!
Die klappten mit Beilen,
Die schnitzten an Speilen,
Die spülten,
Die wühlten,
Und mengten und mischten
Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,...
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!

Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
Und schwefelten fein
Alle Fässer ein,
Und rollten und hoben
Mit Winden und Kloben,
Und schwenkten
Und senkten,
Und gossen und panschten
Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!

Einst hatt' ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
Das schlüpften sie frisch
In den Schneidertisch;
Da schnitten und rückten
Und nähten und stickten,
Und faßten
Und paßten,
Und strichen und guckten
Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht!

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
Eins fähret nun aus,
Schlägt hin im Haus,
Die gleiten von Stufen
Und plumpen in Kufen,
Die fallen
Mit Schallen,
Die lärmen und schreien
Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! - verschwinden all!

O weh! nun sind sie alle fort
und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
Ein jeder muß fein
Selbst fleißig sein,
Und kratzen und schaben
Und rennen und traben
Und schniegeln
Und biegeln,
Und klopfen und hacken
Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder her!

August Kopisch, 1799 - 1853





Foto Copyright: Isabella Kramer



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Spuk - Pantum

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Spuk - Pantum

Der Uhu tut es kund:
"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!
Es schlug zur Geisterstund.
Ein End hats mit der Ruh!"

"Schuhuu! Mein Kind, schuhuu!"
so hallt es durch den Wald.
Du hältst die Ohren zu
und Schatten wird Gestalt.

So hallt es durch den Wald,
bis eins die Turmuhr schlägt.
Und Schatten wird Gestalt,
wo 's im Gehölz sich regt.

Bis eins die Turmuhr schlägt,
da tanzen Elben Reigen.
Wo 's im Gehölz sich regt,
wolln sie ihr Spielchen treiben.

Da tanzen Elben Reigen -
mit Wurzelwicht und Gnom
wolln sie ihr Spielchen treiben
in düstrem Monochrom.

Mit Wurzelwicht und Gnom
da spukt es sich famos!
In düstrem Monochrom
auf Waldes weichem Moos.

Da spukt es sich famos -
dir stehn die Haar zu Berge!
Auf Waldes weichem Moos
siehst Geister du und Zwerge.

Dir stehn die Haar zu Berge:
wild spukts! Im finstren Tann
siehst Geister du und Zwerge.
Nun schlägt es eins - getan!

Wild spukts im finstren Tann.
Es schlug zur Geisterstund.
Nun schlägt es eins - getan!
Der Uhu tut es kund.





mit freundlicher Genehmigung: die amelie 




Gemälde copyright: Isabella Kramer 





Aus der Ferne ...

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Aus der Ferne …



Und wenn du groß bist – nein, du wirst's nicht wissen,
Wie ich's so gut, so gut mit dir gemeint,
Wie dieses stolze Aug' in heiße Kissen
So oft in Sehnsucht hat um dich geweint.
Ich möcht' die Ruh' nicht deines Herzens stören –
Ich bin ja tot … verreist … ich weiß es nicht!
Könnt' ich nur einmal noch dein Stimmchen hören:
"Papa, Papa!" … O Gott, ein andrer flicht
Dir nun den Frühlingskranz von Anemonen,
Erzählt dir Märchen vom kristallnen Berg,
Vom groben Riesen und vom schlauen Zwerg
Und von dem Schloß, darin die Elfen wohnen …
Ach, könnt' ich dann nur still durchs Zimmer gehn,
Den Märchenglanz in deinen Kinderblicken,
Die heißerglühten Bäckchen nur zu sehn,
Und leis den Mund auf deinen Scheitel drücken …
Ich schlich' mich heimlich, wie ein böser Dieb,
An dir vorbei, dir keinen Traum zu trüben –
Weißt du's denn noch, ich hatt' dich einst so lieb …
Fühlst du's denn nicht: ich werd' dich immer lieben!





Rudolf Presber, 1868 - 1935




photo copyright: Isabella Kramer

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Die Zwerge von Pinneberg

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»In Pinneberg eine Hochzeit ist, auf auf, ihr lustigen Geister!
Flink hin, wo's was zu essen gibt, wir sind Schnablierens Meister!«
»Ja!« rief das sämtliche Gezwerg,
»Nach Pinneberg - nach Pinneberg!«
Mit feinen Stimmchen: »Pinneberg!«
Mit gröberen - »Nach Pinneberg!
Ja Pinneberg!
Nach Pinneberg!«

Die Gäste sitzen schon am Tisch und denken nun zu schmausen;
Doch zwischen hockt das Geistervolk, und flink beginnt das Mausen.
Kehrt sich ein Gast zur Nachbarin,
Schlipp schlapp, ist seine Suppe hin!
Es fasst es kein Verstand und Sinn,
Er sieht sich um, wo ist sie hin?
Wo ist sie hin,
Wo ist sie hin?

Es sind die Zwerge nicht zu sehn, sie haben Nebelkappen,
Sie drehen, wenden, ducken sich, man kann sie schwer ertappen.
Sie höhlen aus den ganzen Fisch,
Sie ziehen aus der Gans den Wisch,
Sie langen das Konfekt vom Tisch,
Sie trinken aus den Gläsern frisch
Wein und Gemisch
Verschwenderisch!

Der Tanz beginnt, man steht nun auf, die Gäste sind noch nüchtern,
Es knurrt der Magen, und man war im Nehmen doch nicht schüchtern!
Doch, kam auch noch soviel herein,
Gleich war das Zwergvolk hinterdrein,
Weg war sogleich Bier, Met und Wein,
Im Nu auch jeder Teller rein
Von Leckerein Und Näscherein!

Die Gäste sind zum Tanz so leicht, als war' es vor dem Speisen.
Hei! wie gelang den Paaren es, im Saal herum zu kreisen!
Doch bald erhebt ein Stäuben sich
So mächtiglich und fürchterlich,
Als tanzte hier unsichtbarlich
Der Püsterich mit Alberich
Und Alberich
Mit Kalberich.

Und sieh! so war's; die Zwerge sind vom vielen Wein betrunken:
Da wird im Saal herumgeschleift, gehumpelt und gehunken!
Den einen juckt so weit die Haut,
Er küsst beherzt die schöne Braut,
Und was der eine sich getraut,
Getraut sich alles böse Kraut:
Es graut der Braut,
Die fühlt, nicht schaut.

Den Bräutigam verdrießt das Ding: er schlägt um sich im Zorne
Und trifft, da fliegt ein Käppchen ab dem einen Zwerg von vorne.
Das fängt der Bräutigam sodann
Und sieht nunmehr den kleinen Mann,
Der aber blickt ihn bittend an
Und weint, so sehr man weinen kann:
»Sei kein Tyrann!
Lass los den Bann!«

»Halt fest!« rief da ein Gast ihm zu, »dann kommen andre Zwerge,
Die bringen dir zum Lösegeld viel Schönes aus dem Berge.
So! kneif ihn recht! dann schreit er sehr,
Da kommen Zwerge mehr und mehr:
Sieh! keiner hat die Hände leer,
Und alle tragen Schätze schwer;
Sie keuchen sehr: Kneif ihn noch mehr!«

Wie mühsam kommt nun einer an mit einer goldnen Kette
Und fleht der schönen Braut, dass sie den Kameraden rette.
Die Braut, zufrieden mit dem Kauf,
Setzt nun dem Schelm sein Käppchen auf,
Gibt einen Kuss ihm obenauf
Und sagt: »Nun, armer Schelm, nun lauf.
Lauf Zwergehauf,
Den Berg hinauf!«

Da lief, so schnell es konnte, fort das ganze Volk der Zwerge
Und zankte sich noch lange Zeit, man hört es tief im Berge.
Sie sagten: »Nie nach Pinneberg -
Spricht einer noch von Pinneberg,
Den schicken wir nach Pinneberg,
Und lassen ihn in Pinneberg!
In Pinneberg,
In Pinneberg.«

Der Braut zu Füßen aber liegt der Saal gehäuft voll Schätze,
Und jeder Gast empfängt ein Stück, dass er sich dran ergötze.
Aufs neu' beginnt das ganze Fest;
Und da nun fort das Wespennest,
Ein jeder sich's auch schmecken lässt,
Was man ihm bringt aus Ost und West,
Und hält es fest
Bis auf den Rest.





August Kopisch, 1799-1853










 Bild: Burleskes Fest von Jan Mandijn - 1550




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Waldkind

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Waldkind

zauberischer Einzelgänger
Waldkind - blattverliebtes
Schätzefinder, Elfenlauscher
tausend offene Wege gibt es

Feennetze, Blättergold
Einhornspuren, Glitzersteine
barfuß durch den Murmelbach
Zauberreich für dich alleine

zuckersüße Waldhimbeeren
Schlemmermahl im Schutz der Bäume
moosig weiche Polster locken
Farne flüstern grüne Träume 

gut gelaunte Zwergenfreunde
zutraulich sind Kauz und Rehe
blätterleise Stimmen wispern
Waldkind lacht: Ja, ich verstehe! 





veredit©isabella kramer 2012





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Nixen Kummer

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Nixen Kummer


Nixen sind oft melancholisch,
warten schon seit tausend Jahren
auf den Prinz, der sie erlöset,
doch die gibt’s nicht mehr in Scharen.

Sehnsuchtsvoll ihr Lied verkündet
all den Glanz vergessner Zeit,
als sie lebten völlig sichtbar,
gegen Kummer wohlgefeit.

Burgen gab es, goldene Schlösser,
Zwergenglück und Glitzerschätze,
edle Ritter, Feenwaldzauber
und für's Einhorn Weideplätze.

Doch die Zeiten sind versunken
in den tiefen grünen Seen.
Burgen meist nur noch Ruinen,
Ritter seltener noch als Feen.

Und so klagen ihre Lieder,
wehen mit dem Wind der Weiden
hinauf bis zu fernen Sternen.
Traurig ist’s wenn Nixen leiden.






veredit©isabella.kramer 2011


Safe Creative #1101248329652


Gemälde copyright: Isabella Kramer 



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Ein Wintermärchen

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Ein Wintermärchen 

Ich bin im Winterwald verirrt. Kann keinen Weg mehr finden.
An allen Tannenzweigen klirrt der Schnee in kalten Winden.

Da huscht ein Wichtelmann vorbei mit Hack und blankem Spaten.
Da ziehen Rehe fromm und scheu auf die verschneiten Saaten.

Da sitzt die Eisfrau tief im Grund und spinnt an Silberwocken.
Und tut den Zwergen Weisheit kund, die lauschend um sie hocken.

Auf weißem Hirsch kommt fein und stolz ein Elf vorbeigeritten.
Ein anderer fährt durchs Unterholz auf einem goldnen Schlitten.

Ein dritter winkt mir lachend zu aus den Machangelzweigen,
ein vierter tanzt ohn' Strümpf und Schuh im Schnee nach lustigen Geigen.

Kreuzschnäbel fliegen rot wie Blut durch silberweiße Äste.
Sie bauen schon für ihre Brut am halbverschneiten Neste.

Da kommt ein großer Wandersmann vom Berge her gegangen.
Sein Bart ist bis zur Brust heran mit lauter Eis behangen.

Sein langer blauer Mantel weht, sein Blick sucht in die Weite.
Ein griesegrauer Wolfshund geht behutsam ihm zur Seite.

Da schweigt der muntre Geigenklang, da wird die Luft so leise.
Nichts stört des mächtigen Alten Gang und seine ewige Reise.

Nur in der Tannen grün Geäst die Kreuzschnäbel singen.
Und um ihr kleines, warmes Nest geht frühlingsfrohes Klingen.

Der Alte hört's. Er steht und schaut und lächelt in die Tannen.
Das Eis in seinem Bart zertaut, und still geht er von dannen.





Anne Marie Koeppen, 1899–1940



Photo copyright: Isabella Kramer

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