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Die Weihnachtsfee Ebony

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Vorweihnacht, das ist Feenzeit, 
nach Mitternacht zu hören;
das Wispern, Kichern, Glöckchenklingeln.
Du solltest sie nicht stören!

Jetzt üben sie den Weihnachtsreigen,
zaubern sich neue Roben;
mit Sternenfunkeln, goldbehaucht, 
die Vielfalt ist zu loben. 

Distellas Schwester Ebony,
mit Haar wie Sternennacht,
ist stets ein echter Wirbelwind
und die am hellsten lacht. 

Jongliert sogar mit Christbaumkugeln
und das auch noch kopfüber.
Man wird vom Zuschau'n schon ganz wirr. 
Dann singt sie auch noch Lieder, 

die Sterne selbst zum Strahlen bringen, 
melodisch, überirdisch schön.
Die Stimme perlt sanft durch die Nacht,
die Zeit bleibt einfach stehen. 

Sofort vergisst man allen Kummer
und Träume werden friedlich. 
Die Welt versinkt im Weihnachtsschlummer, 
das ist den Proben dienlich. 

So wird geübt, getanzt, gelacht,
bis dann, der Morgen graut.
Das Weihnachtszimmer liegt ganz still,
als du verdutzt reinschaust. 



veredit©isabella.kramer25



Mehr über Weihnachtsfeen findest du hier-> Weihnachtsfeen



Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 



Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Grafiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Grafiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen Sie mich bitte. 

Kontakt über E-Mail: vere_dit@yahoo.de



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Plaudertäschchen

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Plaudertäschchen

Und sag' mal, liebe Liese,
Das ein mir bloß,
Der Storch auf der Wiese,
Mit dem ist was los!
Er klappert und klappert,
Daß weithin es dringt,
Ob er mir am Ende
Ein Brüderle bringt?

Und denk' mal, liebe Liese,
Ich hab' was gesehn,
Mein alter Wagen
Geht wieder zu drehn.
Der Vater hat Räder,
Ganz neue gemacht
Und ihn heut zur Mutter
Ins Stüble gebracht!

Und glaub' man, liebe Liese,
Das ist sicher wahr,
Erst kommen die Küken
Zu uns jedes Jahr,
Und dann erst die Kinder,
Wenn's nicht mehr so kühl,
Denn alles auf einmal,
Das wär' doch zuviel!




E. von Hauff (19./20. Jhdt.?), deutsche(r) DichterIn


 Gemälde copyright: Isabella Kramer


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Schwertlilien

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Schwertlilien

Das sind die Blumen, die wie Kirchen sind.
Ein Blick in sie hinein zwingt uns zu schweigen.
Wie Weihrauch fromm berauschend strömt ihr Duft,
Wenn wir uns zu der schönen Blüte neigen.
Sie sind wie Schmetterlinge dünn und zart.
Und wissen ihr Geheimnis doch zu hüten.
Es hellen goldne Kerzen sanft den Pfad
Ins Allerheiligste der Wunderblüten.


Francisca Stoecklin, 1894 - 1931





 Gemälde copyright: Isabella Kramer

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Tiere im Wald

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Tiere im Wald

Wald, wie betreuend
verhüllst du die Tiere
in deinem unendlichen
Rauschen und Schweigen.
Fern den Menschen
sind sie am schönsten.
Geheim im Blau.
Selten, daß dir ein Reh
am Waldrand scheulos begegnet.
Den runden Tierblick
in deine Menschenaugen taucht.
– Und ward es dir nicht
wie ein geisterhaftes Berühren,
Wink aus dem Zwischenreich
deine Sehnsucht schmerzend –?

Tiere und Bäume
sind sinnvoll verschwistert,
teilen des Waldes Geheimnis.


Francisca Stoecklin, 1894 - 1931





Foto von Saad Chaudhry auf Unsplash

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Waldgefühle

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Waldgefühle


federnde Schritte
auf moosigen Pfaden
sandklare Bäche
murmeln in Moll

Säulenriesen warten
Äonen von Jahren 
wiegende Häupter wandeln
Licht in Strahlenfinger

Goldsprenkel im Farn
Lippen voll Himbeersaft
du hast Blätter im Haar!
ein Häher warnt

tiefgrüne Augen 
mooriger Seen 
Waldstimme flüstert
Kommt wieder!


veredit©Isabella.Kramer2008






auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


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Photo copyright: Isabella Kramer
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Heidenacht

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Heidenacht

Wenn trüb das verlöschende letzte Rot
Herschimmert über die Heide,
Wenn sie liegt so still, so schwarz und tot,
so weit du nur schauest, die Heide,
Wenn der Mond steigt auf und mit bleichem Schein,
Erhellt den granitnen Hünenstein,
Und der Nachtwind seufzet und flüstert darein
Auf der Heide, der stillen Heide. –

Das ist die Zeit, dann mußt du gehn
Ganz einsam über die Heide,
Mußt achten still auf des Nachtwinds Wehn
Und des Mondes Licht auf der Heide:
Was nie du vernahmst durch Menschenmund,
Uraltes Geheimnis, es wird dir kund,
Es durchschauert dich tief in der Seele Grund
Auf der Heide, der stillen Heide.



Hermann Ludwig Allmers, 1821 - 1902




Photo copyright: Isabella Kramer


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Der Herbst

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Der Herbst

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt und steigt
Und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh –
Er klagt ihr nach.

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
O Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst?
Welch ein Geheimnis lehrte dich
Die Nacht,
Daß eisiger Schauder deine Wange,
Die Purpur-Wange deckt? –

Du schweigst, antwortest nicht?
Wer redet noch? – –

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
Ich bin nicht schön
– so spricht die Sternenblume –,
Doch Menschen lieb ich
Und Menschen tröst ich –

Sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
Nach mir sich bücken
Ach! und mich brechen –
In ihrem Auge glänzet dann
Erinnerung auf,
"Erinnerung an Schöneres als ich: –
– ich seh's – und sterbe so." –

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!




Friedrich Wilhelm Nietzsche, 1844 - 1900




Foto copyright: Isabella Kramer

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Wolken am Berg - Manfred Kyber

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Wolken am Berg

Nebelwolken am Bergeshang
schwanken und schweben
und weben
wallende Schleier grau und lang.
Erdgewalten,
ehe es tagt,
habe sie aufgejagt
aus heimlichen Falten
verwachsene Spalten,
aus verborgenem Grunde
um eine mitternächtliche Stunde.
Nebelwolken am Bergeshang
schwanken und schweben,
als ob es sie riefe,
die Geister der Tiefe,
sehnsuchtsbang
aufwärts zu streben
durch grüne Wipfel
Zweige und Kanten
zum Gipfel.
Sie schweben und schwanken -
Ein Wolke fällt.
Die andere, morgenlichterhellt,
segelt auf sonnengoldener Bahn
himmelan
in jene Welt ...





Manfred Kyber, 1880 - 1933



Photo copyright: Isabella Kramer


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Der Tanz der Weihnachtsfeen

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Der Tanz der Weihnachtsfeen



Die Weihnachtsfee Distella
hat silberweißes Haar,
verziert mit tausend Sternen,
so schön, kaum vorstellbar!

Ihr Kleid aus feinster Seide
umschwebt sie wie ein Traum,
rot, grün in Weihnachtsfarben,
goldsternbestickt am Saum.

Sie schickt in Kindernächte
ihr Weihnachtsglöckchenlachen,
verscheucht mit Feenhänden
die Angst vor bösen Drachen.

Am Tag träumt sie am liebsten
im Grün des Tannenkranzes
und übt mir ihren Schwestern
den Dreh des Weihnachtstanzes.

Dann fliegen ihre Haare,
dass Glitzerfunken sprühn,
die Hände, Füße wirbeln,
jetzt noch ein Sprung, ganz kühn.

Am Baum die Kugeln schwanken
gefährlich her und hin.
Die Feen kichern leise,
so stimmt’s, der Schwung ist drin.

Siehst du nun scheinbar grundlos,
den Christbaum sich bewegen,
dann hat es wohl am Reigen
der Weihnachtsfeen gelegen.



veredit©isabella.kramer13




Gemälde copyright: Isabella Kramer 



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Weltgeheimnis

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...  Jedem leisen Verfärben
Lausch ich mit stillem Bemühn,
Jedem Wachsen und Sterben,
Jedem Welken und Blühn.

Was da webet im Ringe,
Was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
Ists dem Schauenden nur.

Jede sprossende Pflanze,
Die mit Düften sich füllt,
Trägt im Kelche das Ganze
Weltgeheimnis verhüllt.



Emanuel Geibel, 1815 - 1884

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Ballade in Ur-Dur

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Ballade in Ur-Dur 

Es lebte Herr Kunz von Karfunkel
Mit seiner verrunzelten Kunkel
Auf seinem Schlosse Punkpunkel
In Stille und Sturm.
Seine Lebensgeschichte war dunkel,
Es murmelte manch Gemunkel
Um seinen Turm.

Täglich ließ er sich sehen
Beim Auf- und Niedergehen
In den herrlichen Ulmenalleen
Seines adlichen Guts.
Zuweilen blieb er stehen
Und ließ die Federn wehen
Seines Freiherrnhuts.

Er war just hundert Jahre,
Hatte schneeschlohweiße Haare
Und kam mit sich ins klare:
Ich sterbe nicht.
Weg mit der verfluchten Bahre
Und ähnlicher Leichenware!
Hol sie die Gicht!

Werd ich, neugiertrunken
Ins Gartengras hingesunken,
Entdeckt von dem alten Halunken,
Dann grunzt er plump:
Töw Sumpfhuhn, ick wil di glieks tunken
In den Uhlenpfuhl zu den Unken,
Du schrumpliger Lump.

Einst lag ich im Verstecke
Im Park an der Rosenhecke,
Da kam auf der Ulmenstrecke
Etwas angemufft.
Ich bebe, ich erschrecke:
Ohne Sense kommt mit Geblecke
Der Tod, der Schuft.

Und von der andern Seite,
Mit dem Krückstock als Geleite,
In knurrigem Geschreite,
Kommt auch einer her.
Der sieht nicht in die Weite,
Der sieht nicht in die Breite,
Geht gedankenschwer.

Hallo, du kleine Mücke,
Meckert der Tod voll Tücke,
Hier ist eine Gräberlücke,
Hinunter ins Loch!
Erlaube, dass ich dich pflücke,
Sonst hau ich dir auf die Perücke,
Oller Knasterknoch.

Der alte Herr, mit Grimassen,
Tut seinen Krückstock fest fassen:
Was hast du hier aufzupassen,
Du Uhu du!
Weg da aus meinen Gassen,
Sonst will ich dich abschrammen lassen
zur Uriansruh!

Sein Krückstock saust behände
Auf die dürren, gierigen Hände,
Die Knöchel- und Knochenverbände:
Knicksknucksknacks.
Freund Hein schreit: Au, mach ein Ende!
Au, au, ich lauf ins Gelände
Nach Haus schnurstracks.

Noch heut lebt Herr Kunz von Karfunkel
Mit seiner verrunzelten Kunkel
Auf seinem Schlosse Punkpunkel
In Stille und Sturm.
Seine Lebensgeschichte ist dunkel,
Es murmelt und raunt manch Gemunkel
Um seinen Turm.



Detlev von Liliencron, 1844-1909



Photo copyright: Isabella Kramer


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Lob dem Apfel

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Lob dem Apfel
 
Eines mußt Du stehts Dir merken,
wenn Du schwach bist: Äpfel stärken!


Äpfel sind die beste Speise

für zuhause, für die Reise,

für die Alten, für die Kinder,

für den Sommer, für den Winter,

für den Morgen, für den Abend,

Äpfel essen ist stets labend.


Äpfel glätten Deine Stirn,

bringen Phosphor ins Gehirn,

Äpfel geben Kraft und Mut

und
erneuern Dir Dein Blut.

Darum Freund, so laß Dir raten:

Esse frisch, gekocht, gebraten

täglich ihrer fünf bis zehn.


Wirst nicht dick, doch jung und schön,

und kriegst Nerven wie ein Strick.

Mensch – im Apfel liegt Dein Glück !!



Georg Wilhelm Otto von Ries,  1763 - 1846 






Photo copyright: Isabella Kramer



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An den Mond

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An den Mond

Längst, du freundliches Nachtgestirn,
Ist dein Geheimnis verweht.
Erkenntnisstolz blickt der Knabe schon
Zu dir empor,
Denn verfallen bist du, wie alles jetzt,
Der Wissenschaft,
Die deine Höhen und Tiefen mißt –
Und wer weiß, ob du nicht endlich doch noch
Erstiegen wirst auf der Münchhausenleiter
Der Hypothesen.

Dennoch, du alter, treuer Begleiter der Erde,
Webt und wirkt dein alter Zauber fort,
Wenn du, Aug' und Herz erfreuend, emportauchst
Mit dem sanftschimmernden Menschenantlitz
Und seligen Frieden gießest
Über tagmüde Gefilde.
Noch immer, wachgeküßt von deinem Strahl,
Seufzt Liebe zu dir hinan –
Und immer noch, ach! besingen dich Dichter.



Ferdinand von Saar, 1833-1906




Foto copyright: Isabella Kramer
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Das Brot

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Das Brot 

Er saß beim Frühstück äußerst grämlich,
Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich:
»Aha, so ist es mit dem Orden
Für diesmal wieder nichts geworden.

Ja, Freund, wer seinen Blick erweitert
Und schaut nach hinten und nach vorn,
Der preist den Kummer, denn er läutert.
Ich selber war ein Weizenkorn.

Mit vielen, die mir anverwandt,
Lag ich im rauhen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
Macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
Und hat mich an der Nas gezupft.
Und als es Winter ward, verfror,
Was peinlich ist, mein linkes Ohr.

Und als ich reif mit meiner Sippe,
O weh, da hat mit seiner Hippe
Der Hans uns rutschweg abgesäbelt
Und zum Ersticken festgeknebelt

Und auf die Tenne fortgeschafft,
Wo ihrer vier mit voller Kraft
In regelrechtem Flegeltakte
Uns klopften, daß die Schwarte knackte.

Ein Esel trug uns nach der Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
Wenn man, zerrieben und gedrillt
Zum allerfeinsten Staubgebild,

Sich kaum besinnt und fast vergißt,
Ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
Nachdem wir erst als zäher Kleister

In seinem Troge baß gehudelt,
Vermengt, geknetet und vernudelt,
Uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?

Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
Greif zu und schneide nicht zu knapp,
Und streiche tüchtig Butter drüber,
Und gib den andern auch was ab!«



von Wilhelm Busch



Photo copyright: Isabella Kramer
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von Weihnachtsmäusen

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Von Weihnachtsmäusen


von Weihnachtsmäusen
schrieb James Krüss*,
entlarvte ihre Spuren.
Advent ist ihre Hochsaison
exakt, wie Schweizer Uhren.


Nie sah man sie von Angesicht,
einzig die Nagereste.
So zahlreich ihre Gattung ist,
so heimlich ihre Feste.


Sie gibt es nur zur Weihnachtszeit
in Stuben, Küchen, Kellern,
mit Keksen, Kringeln, Schokowerk.
 Man sieht‘s an leeren Tellern.


Der Dichter wusste wohl Bescheid,
bestimmt aus der Erfahrung.
Sah er die Maus? Er sagt es nicht.
denn Fantasie braucht Nahrung …







veredit©Isabella Kramer 2011






Safe Creative #1112040664063



 * "Die Weihnachtsmaus" ist ein Gedicht von James Krüss


Gemälde copyright: Isabella Kramer 


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Das große Karussel

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Das große Karussel


Im Himmel ist ein Karussell,
Das dreht sich Tag und Nacht.
Es dreht sich wie im Traum so schnell,
Wir sehn es nicht, es ist zu hell
Aus lauter Licht gemacht;
Still, mein Wildfang, gib acht!

Gib acht, es dreht die Sterne, du,
Im ganzen Himmelsraum.
Es dreht die Sterne ohne Ruh
Und macht Musik, Musik dazu,
So fein, wir hören's kaum;
Wir hören's nur im Traum.

Im Traum, da hören wir's von fern,
Von fern im Himmel hell.
Drum träumt mein Wildfang gar so gern,
Wir drehn uns mit auf einem Stern;
Es geht uns nicht zu schnell,
Das große Karussell.





Richard Fedor Leopold Dehmel







Photo copyright: Isabella Kramer



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Lebensfreude









Jedes Lebendige freut sich seines Lebens.
Es fragt und grübelt nicht, wozu es da sei.
Sein Dasein ist ihm Zweck
und sein Zweck sein Dasein.



Johann Gottfried Herder




Foto copyright: Isabella Kramer




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Der Mond A + Z

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Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,

ein a formierend und ein z –

dass keiner groß zu denken hätt’.

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.


















von Christian Morgenstern




Fotos copyright: Isabella Kramer

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Das Veilchen und der Schmetterling

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Das Veilchen und der Schmetterling 
 
Ein Veilchen auf der Wiese stand
an Baches Rand und sandte ungesehen,
bei sanftem Frühlingswehen
süßen Duft durch die Luft.

Da kommt auf schwankendem Flügel
ein Schmetterling über den Hügel
und senket zur kurzen Rast
zum Veilchen sich nieder als Gast.

Schmetterling:
Ei! Veilchen! Wie du töricht bist,
zu blühen, wo niemand dein genießt!

Veilchen
Nicht ungenossen blüh ich hier,
ein Schäfer kommt gar oft zu mir
und atmet meinen Duft und spricht:
"Ein solches Blümchen fand ich nicht,
wei Veilchen du! Auf Wiesen, Auen
ist keines mehr wie du zu schauen!

Schmetterling
`s ist schöner doch, glaub meinem Wort,
zu blühn auf freier Wiese dort,
in jener bunten Blumenwelt,
als hier im dunklen Schattenzelt!

Veilchen
Hier bin ich meines Schäfers Wonne,
dort aber bleichet mich die Sonne,
und ohne Farbe, ohne Duft,
find ich zu früh dort meine Gruft,
drum blüh ich in der Einsamkeit,
wenn auch nur Einer mein sich freut.

Nikolaus Lenau

 

 

 

Photo credit: Isabella Kramer

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Die Wohnung der Maus

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Ich frag die Maus:
Wo ist dein Haus?
Die Maus darauf erwidert mir:
sag's nicht der Katz', so sag ich's dir:
Treppauf,
Treppab,
Erst rechts,
Dann links,
Dann wieder rechts
Und dann grad' aus -
Das ist mein Haus,
Du wirst es schon erblicken!
Die Thür ist klein
Und trittst du ein,
Vergiß nicht, dich zu bücken!



Victor Blütghen


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