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Irrtum und abgeschrägter Zweck

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Ein Irrtum kreist auf einem dunkelroten Tellerrand
und eine Maus haut auf die Pauke mit 'nem Fisch.
Ein gelber Falter bastelt sich aus Gips ein Flaschenpfand
und grüne Angstimpulse lesen Zeitung unterm Tisch.

Das schert den Chef des Schokoladenaufwands wenig,
er trinkt und wirft sich knarrend ins geschnürte Meer.
Doch jenseits glänzt ganz erbsig klein der König,
der ohne Zähne in dem Erbsenbett – halt irgendwer.

Aus Turmalin gedrechselt tänzeln Banderolen,
umhäkeln ruckdizuck den ganzen Sermon innen weg.
Das Einbeinzebra hätt‘ den letzten Kranz gestohlen,
ist die Geduldsschlagzeile und ein abgeschrägter Zweck.






veredit©isabella.kramer2010




Illustration copyright: Isabella Kramer 

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Der kleine Ritter

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Der kleine Ritter

Hurra, mein neues Steckenpferd
hat feine flinke Beine!
Nun kauf ich mir ein großes Schwert
und reite ganz alleine.

Und reite, wie der Sturmwind weht,
rund dreimal um den Garten,
und wo der große Schneemann steht,
da muss mein Rösslein warten.

Nun komm mal her aus deiner Burg!
Dein Besen macht mich lachen.
Ich hau dich einfach mitten durch;
dann kannst du nichts mehr machen.

Da liegst du nun, du Goliath,
auf deiner weißen Nase,
und ich reit nach der nächsten Stadt,
reit vor das Tor und blase:

"Herr König, Euer Feind ist tot,
mit großem Grimme focht er,
mein gutes Schwert bracht ihn in Not,
nun gebt mir Eure Tochter."

"Herein, Herr Ritter, kommt herein
mit Trommeln und Parade,
und morgen soll die Hochzeit sein,
dann gibt es Schokolade."


Gustav Falke





Foto von Lanju Fotografie auf Unsplash

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Das Wunderschloss

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Das Wunderschloss


Ich wünsch mir was!

Was ist denn das?

Das ist ein Schloss aus Marzipan -

mit Türmen aus Rosinen dran

und Mandeln an den Ecken.

Ganz zuckersüß und braun gebrannt

und jede Wand aus Zuckerkand -

da kann man tüchtig schlecken!

Und Diener laufen hin und her

mit Saft und Marmelade

und drinnen in dem Schlosse drin,

sitzt meine Frau, die Königin -

die ist aus Schokolade.




Adolf Holst, 1867 - 1945





Foto von Leonis Caeli auf Unsplash

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Sich interessant machen - (Für einen großen Backfisch*)

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Sich interessant machen
(Für einen großen Backfisch*)

Du kannst doch schweigen? Du bist doch kein Kind
Mehr! – Die Lederbände im Bücherspind
Haben, wenn du die umgeschlagenen Deckel hältst
Hinten eine kleine Höhlung im Rücken.
Dort hinein mußt du weichen Käse drücken.
Außerdem kannst du Käsepropfen
Tief zwischen die Sofapolster stopfen.

Lasse ruhig eine Woche verstreichen.
Dann mußt du immer traurig herumschleichen.
Bis die Eltern nach der Ursache fragen.
Dann tu erst, als wolltest du ausweichen,
Und zuletzt mußt du so stammeln und sagen:
„Ich weiß nicht, – ich rieche überall Leichen –.“

Deine Eltern werden furchtbar erschrecken
Und überall rumschnüffeln nach Leichengestank,
Und dich mit Schokolade ins Bett stecken.
Und zum Arzt sage dann: „Ich bin seelenkrank.“

Nur laß dich ja nicht zum Lachen verleiten.
Deine Eltern – wie Eltern so sind –
Werden bald überall verbreiten:
Du wärst so ein merkwürdiges, interessantes Kind.



Joachim Ringelnatz, 1883 - 1934




*Backfisch - früher gebräuchliches Wort für Teenager
Photo copyright: Isabella Kramer

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Kaufmann

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Kaufmann

Kommt, ihr Leute, schnell herbei,
Wer nur will was kaufen!
Gute Sachen allerlei
Hab’ ich hier in Haufen.

Seht, wie reichlich ausgeschmückt
Ist mein ganzer Laden,
Wie sind fest- und vollgedrückt
Kisten und Schubladen!

Wie bis oben angestopft
All’ die großen Fässer!
Ei, so kommt herbei und klopft,
Nirgends kauft ihr besser.

Hier ist echt Chineser Tee,
Schokolade dorten,
Und da Zucker und Kaffee
Von verschied’nen Sorten.

Pfeffer, Ingwer, Nelken, Zimt
Und Muskatenblüte
Hab’ ich hier, sie sind bestimmt
Von besondrer Güte.

Gerste, Sago, Nudeln, Reis,
Senf und Öl und Essig
Geb’ ich auch um niedern Preis,
Und recht reichlich mess’ ich.

Wollt ihr dann für euren Tisch
Heringe, Sardellen,
Oder Stock- und andre Fisch’,
Dürft ihr mir nur schellen.

Braucht ihr auch zur sauren Brüh’
Lorbeerblatt und Kapern,
Dürft ihr spät noch und schon früh
Nur am Laden klappern.

Hab’ auch Gurken zum Salat,
Billige Zitronen,
Echten Arak und Muskat,
Saftige Melonen. -

Diener, meine feinen Herrn!
Können Sie nichts brauchen?
Und ihr Bauern, die ihr gern
Schnupfen tut und rauchen?

Hier Zigarren mancherlei:
Maryland, Havanna,
Portoriko in dem Blei
Und Louisianna.

Dorten nach dem Pfund und Lot:
Knaster, Quak und Reiter,
Bestelmeyer, Oldenkott,
Stadthaus und so weiter.

Wer mag Käs? Das ganze Pfund
Nur für zwanzig Kreuzer!
Sagt mir, wollt ihr vom Burgund,
Oder einen Schweizer?

Außerdem empfehl ich euch
Die Gewürzlebkuchen,
Und dergleichen süßes Zeug’
Wollt ihr’s nicht versuchen?

Datteln und Johannisbrot,
Zwetschgen, Feigen, Mandeln;
Gerstenschleim und Anisbrot
Könnt ihr auch erhandeln.

Nur soll mir zum Schabernack
Von den losen Schlingeln
Keiner ohne Geld im Sack
An dem Laden klingeln.

Denn für solche Schelmenleut’,
Die nur alles borgen,
Hab’ ich keine Ehren heut’,
Keine Waren morgen.

Darum sorget, eh’ ihr schellt
Und was wollt ermäkeln,
Daß ihr wacker gutes Geld
Habt in euren Säckeln.




Friedrich Wilhelm Güll, 1812 - 1879 aus der Sammlung Kinderheimat




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