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Winterlied

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Winterlied

Das Feld ist weiß, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille;
Hell, wie Kristall
Blinkt überall
Der Fluren Silberhülle.

Der Lichtstrahl spaltet sich im Eis,
Er flimmert blau und rot und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
Aus Schnee heraus
Ragt, nackt und kraus,
Des Dorngebüsches Garbe.

Von Reifenduft befiedert sind
Die Zweige rings, die sanfte Wind'
Im Sonnenstrahl bewegen.
Dort stäubt vom Baum
Der Flocken Pflaum
Wie leichter Blütenregen.

Tief sinkt der braune Tannenast
Und drohet, mit des Schnees Last
Den Wandrer zu beschütten;
Vom Frost der Nachtmei
Gehärtet, kracht
Der Weg, von seinen Tritten.

Das Bächlein schleicht, von Eis geengt;
Voll lautrer blauer Zacken hängt
Das Dach; es stockt die Quelle;
Im Sturze harrt,
Zu Glas erstarrt,
Des Wasserfalles Welle.

Die blaue Meise piepet laut;
Der muntre Sperling pickt vertraut
Die Körner vor der Scheune.
Der Zeisig hüpft
Vergnügt und schlüpft
Durch blätterlose Haine.

Wohlan! auf festgediegner Bahn,
Klimm ich den Hügel schnell hinan,
Und blicke froh ins Weite;
Und preise den,
Der rings so schön
Die Silberflocken streute.



Johann Gaudenz von Salis-Seewis, 1762 - 1834






Photo credit: Isabella Kramer


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Sieben kleine Meisen

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Sieben kleine Meisen

Sieben kleine Meisen
saßen auf dem Ast.

Sieben kleine Meisen
hielten kurze Rast.

Sieben kleine Meisen
gaben sich Bericht,

Sieben kleine Meisen.
Ich verstand sie nicht.

Sieben kleine Meisen
flogen wieder fort

in die blaue Weite.
Und ich blieb am Ort.

Liebe sieben Meisen
kommt doch wieder her,

liebe sieben Meisen
und erzählt mir mehr!




Matthias Claudius, 1740 - 1815



Gemälde copyright: Isabella Kramer 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de


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Frühling

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Frühling

Hoch oben von dem Eichenast
eine bunte Meise läutet
ein frohes Lied, ein helles Lied,
ich weiß auch, was es bedeutet.

Es schmilzt der Schnee, es kommt das Gras,
die Blumen werden blühen;
Es wird die ganze weite Welt
in Frühlingsfarben glühen.

Die Meise läutet den Frühling ein,
ich hab’ es schon lange vernommen;
Er ist zu mir bei Eis und Schnee
mit Singen und Klingen gekommen.


Hermann Löns







Photo copyright: Isabella Kramer




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Die Meise

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Die Meise



Kopfüber, kopfunter, zweigab und zweigauf!
Ein lustiges kleines Ding,
Und immer geschwätzig und flink,
Und immer obenauf!

Denn ob die ganze Welt vereist,
Sie findet den Tisch gedeckt:
Hier wird ein Körnchen geschleckt,
Und dort ein Püppchen verspeist.

"Zizidä, zizidä! Der Frühling ist da!"
So ruft sie im knospenden Wald,
Und wehn auch die Winde noch kalt:
Sie weiss es, glaubt es nur ja!

Sie hat in das Herz der Knospe gesehn,
In die Wiege von Blume und Grün,
Sie weiss: Bald wird es nun blühn,
Und die Welt in Veilchen stehn.


Heinrich Seidel






Photo copyright: Isabella Kramer
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Die Meise

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Die Meise

Auguste, wie fast jede Nichte,
weiss wenig von Naturgeschichte.
Zu bilden sie in diesem Fache,
ist für den Onkel Ehrensache.

" Auguste ", sprach er, " glaub es mir,
die Meise ist ein nettes Tier.
Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
auch ist sie schwarz, weiss, gelb und blau.

Hell flötet sie und klettert munter
am Strauch kopfüber und kopfunter.
Das härteste Korn verschmäht sie nicht,
sie hämmert, bis die Schale bricht.

Mohnköpfchen bohrt sie mit Verstand
ein Löchlein in den Unterrand,
weil dann die Sämerei gelind
von selbst in ihren Schnabel rinnt.

Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
der Grundsatz gilt auch für die Meisen.
Sie gucken scharf in alle Ritzen,
wo fette Käferlarven sitzen


und fangen sonst noch Myriaden
Insekten, die dem Menschen schaden
und hieran siehst du ausserdem,
wie weise das Natursystem."



Wilhelm Busch 1832 - 1908





Photo copyright: Isabella Kramer




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