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Irrtum und abgeschrägter Zweck

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Ein Irrtum kreist auf einem dunkelroten Tellerrand
und eine Maus haut auf die Pauke mit 'nem Fisch.
Ein gelber Falter bastelt sich aus Gips ein Flaschenpfand
und grüne Angstimpulse lesen Zeitung unterm Tisch.

Das schert den Chef des Schokoladenaufwands wenig,
er trinkt und wirft sich knarrend ins geschnürte Meer.
Doch jenseits glänzt ganz erbsig klein der König,
der ohne Zähne in dem Erbsenbett – halt irgendwer.

Aus Turmalin gedrechselt tänzeln Banderolen,
umhäkeln ruckdizuck den ganzen Sermon innen weg.
Das Einbeinzebra hätt‘ den letzten Kranz gestohlen,
ist die Geduldsschlagzeile und ein abgeschrägter Zweck.






veredit©isabella.kramer2010




Illustration copyright: Isabella Kramer 

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Das Wunderschloss

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Das Wunderschloss


Ich wünsch mir was!

Was ist denn das?

Das ist ein Schloss aus Marzipan -

mit Türmen aus Rosinen dran

und Mandeln an den Ecken.

Ganz zuckersüß und braun gebrannt

und jede Wand aus Zuckerkand -

da kann man tüchtig schlecken!

Und Diener laufen hin und her

mit Saft und Marmelade

und drinnen in dem Schlosse drin,

sitzt meine Frau, die Königin -

die ist aus Schokolade.




Adolf Holst, 1867 - 1945





Foto von Leonis Caeli auf Unsplash

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Epiphanias

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Epiphanias 

Die heil'gen drei König mit ihrem Stern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern.

Die heil'gen drei König sind kommen allhier,
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
Und wenn statt drei es viere war',
So war' ein heil'ger drei König mehr.

Ich erster bin der weiß und auch der schön',
Bei Tage solltet ihr mich nur erst sehn!
Doch ach, mit allen Spezerein
Werd ich sein Tag kein Mädchen mir erfrein!

Ich aber bin der braun' und bin der lang',
Bekannt bei Weibern wohl und beim Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerein,
Da werd ich überall willkommen sein.

Ich endlich bin der schwarz' und bin der klein'
Und kann auch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern, ich trinke gern,
Ich esse, trinke und bedank mich gern.

Die heil'gen drei König' sind wohl gesinnt,
Sie suchen die Mutter und auch das Kind;
Der Joseph fromm sitzt auch dabei,
Der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold;
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

Da wir nun hier schöne Herrn und Fraun,
Aber keine Ochsen und Esel schaun;
So sind wir nicht am rechten Ort
Und ziehn unsers Weges weiter fort.


Johann Wolfgang von Goethe







Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 



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Des Königs Gunst

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Des Königs Gunst


Palemon, der besitzt des Königs Gunst und Ohr.

Ich folgt' ihm durch den Saal bis an des Palasts Tor.

Ich hust', er sieht sich um, ich neige mich, er lacht.

"Ich habe gestern noch", sagt er, "an ihn gedacht."

Ich glaub' es ohne sein Vermessen

Und find' es in der Tat,

Daß er sich meiner hatt'

Erinnert, um mich zu vergessen.


Christian Wernicke, 1661 - 1725








Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Klein Maryke

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Klein Maryke


Klein Maryke ist einmal
übers Land gegangen.
Hat ein goldner Sonnenstrahl
sich im Haar verfangen.
Klein Maryke hielt ihn fest,
daß er nimmer von ihr läßt.
Und die Leute kamen her
und die wunderten sich sehr,
sprachen her und sprachen hin:
Guck, die kleine Königin!
Klein Maryke hat gelacht
und hat nichts dazu gesagt.
Klein Maryke ging vorbei,
hat’s gewußt, was besser sei:
auf der Au zur Königswahl
Kronen zu erlangen
oder einen Sonnenstrahl
sich ins Haar zu fangen.



Manfred Kyber, 1880 - 1933








Gemälde copyright: 
Isabella Kramer 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de
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Lilofee

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Lilofee

  
Es freit ein wilder Wassermann
In der Burg wohl über dem See.
Des Königs Tochter mußt er han,
Die schöne junge Lilofee.

Sie hörte drunten Glocken gehn
Im tiefen, tiefen See.
Wollt' Vater und Mutter wiedersehn,
Die schöne junge Lilofee.

Und als sie vor dem Tore stand,
Vor der Burg wohl über dem See,
Da neigt sich Laub und grünes Gras
Vor der schönen jungen Lilofee.

Und als sie aus der Kirche kam
Von der Burg wohl über dem See,
Da stand der wilde Wassermann
Vor der schönen jungen Lilofee.

"Sprich, willst du hinuntergehn mit mir
Von der Burg wohl über dem See?
Deine Kindlein unten weinen nach dir,
Du schöne junge Lilofee.

"Und eh ich die Kindlein weinen laß
Im tiefen, tiefen See,
Scheid ich von Laub und grünem Gras,
Ich arme junge Lilofee."
  


Volkslied - aus der Gegend von Joachimsthal 1813



Photo copyright: Isabella Kramer

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Barbarossa

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Barbarossa

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterirdschen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloß verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit,
Und wird einst wiederkommen,
Mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt;
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug’ halboffen zwinkt;
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß ich auch noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.



Friedrich Rückert, 1788 - 1866








Barbarossas Erwachen (1880) - Wandgemälde von Hermann Wislicenus (1825-1899) in der Kaiserpfalz zu Goslar




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Unverdaulich

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Unverdaulich


Der Löwe saß auf seinem Thron von Knochen

Und sann auf Sklaverei und Tod.

Ein Igel kam ihm in den Weg gekrochen;

Ha! Wurm! so brüllte der Despot

Und hielt ihn zwischen seinen Klauen,

Mit einem Schluck verschling ich dich!

Der Igel sprach: Verschlingen kannst du mich;

Allein du kannst mich nicht verdauen.



Gottlieb Konrad Pfeffel, 1736 - 1809




Gemälde copyright: Isabella Kramer 


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Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de

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Das Schachspiel

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Auf einem Schachbrett stand der Steine bunte Schar
Nach Stand und Würden hingepflanzt;
Der hölzerne Monarch und seine Dame war
Von Reisigen und Türmen rund umschanzt.
Die Läufer, oder wenn wir sie
Nach gallischen Kanzleistil nennen wollen,
Die Narren spielten große Rollen.
Die Bauern, gar ein zahmes Vieh
So lange sie nicht ihre Stärke kennen,
Die Bauern mußten vorne dran,
Um sich zuerst die Köpfe zu verrennen.
Das deutungsvolle Spiel begann.


Hier war der Knecht vom Herrn und dort der Knecht vom Knechte,
Oft gar der Herr durch seinen Hintermann
Von seinem Platz verdrängt. Der stolze Groß-Sultan
Sah unbewegt zur Rechten und zur Linken
Die Hälfte seiner Nation,
Als Opfer des Geschicks, zu Boden sinken,
Und endlich fiel auch er vom Thron.
Jetzt nimmt der Herr des Spiels, der allen Steinen
Die Rollen ausgeteilt und selbst sie aufgestellt,
Sie weg, und wirft vermengt die Großen und die Kleinen
In einen dunklen Sack. Dies ist das Bild der Welt.





Gottlieb Konrad Pfeffer (1736 - 1809), deutscher Fabeldichter und Erzähler




(Photo: David Lapetina/Wikimedia Commons)



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Wiesenkind





Wiesenkind


Wiesenkind mit gelber Nase
eingetaucht ins Blumenglück,
bäuchlings durch den Gräserteppich
Sträuße pflückend, zwei Hand dick.

Käfer, Raupen in den Locken,
Sommersprossen auf den Wangen,
grüne Flecken an den Knien,
Purzelbaum beim Falterfangen. 

Augen strahlend, blaue Sterne,
leuchten wie der Sommerhimmel.
Füßchen braun gebrannt und nackt,
Gräserkitzeln spürst du gerne. 

Schnell noch einen Kranz ins Haar -
Wiesenköniginnenzeichen,
duftend, üppig, bunt und würzig, 
eine Krone sondergleichen. 

So geschmückt sinkst du zufrieden
abends mit ihr in dein Bett. 
Hörst im Schlaf die Gräser rauschen,
tanzt mit Grillen Menuett. 





veredit©isabella.kramer14 





das Foto hat mein Vater von mir auf einem unseren Wiesenausflüge in den 1960er Jahren gemacht. 


auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Grafiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Grafiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden möchten, fragen Sie mich bitte. 
Kontakt über E-Mail: vere_dit@yahoo.de



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Zwei Träume

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Zwei Träume

Mir träumte, du warst ein Bettelkind
Und saßest frierend am Wege,
Ich jagte, ein freudiger Reitersmann,
Das Reh im wald'gen Gehege.
Ich sah dir ins Auge, es zog mich herab,
Herab von dem knirschenden Rosse,
Und ehe der Schnee auf dem Berge noch schmolz,
Da warst du die Herrin im Schlosse.

Mir träumte, du warst ein Fürstenkind
Umworben von stolzen Vasallen,
Sie häuften zu Füßen dir Perlen und Gold,
Ich war der ärmste von allen.
Du blicktest auf mich, du gabst mir die Hand
Und führtest mich lächelnd zum Throne,
Den purpur'nen Mantel hingst du mir um
Und reichtest die funkelnde Krone!







Edmund Sternau, 1839 - ca. 1913





Photo copyright: Isabella Kramer



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Abendlied - Manfred Kyber

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Abendlied

Der Abend kommt, der Tag ist aus,
Frau Sonne geht zur Ruh.
Sie geht wohl in ihr Wolkenhaus
und macht die Türe zu.

Dann werden alle angebrann
die Sternlein in der Nacht.
Es halten über Meer und Land
die Engel heil’ge Wacht.

Und wenn die goldnen Sterne stehn
und scheint der Mond dazu,
dann müssen alle schlafen gehen:
die Welt und ich und du.

Und schläfst du ein und hast du kaum
die Augen zugemacht,
dann schenkt dir einen lieben Traum
die Königin der Nacht.


Manfred Kyber, 1880 - 1933





Foto copyright: Isabella Kramer