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Am Moor

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Am Moor

Wanderer im schwarzen Wind; leise flüstert das dürre Rohr
In der Stille des Moors. Am grauen Himmel
Ein Zug von wilden Vögeln folgt;
Quere über finsteren Wassern.

Aufruhr. In verfallener Hütte
Aufflattert mit schwarzen Flügeln die Fäulnis;
Verkrüppelte Birken seufzen im Wind.

Abend in verlassener Schenke. Den Heimweg umwittert
Die sanfte Schwermut grasender Herden,
Erscheinung der Nacht: Kröten tauchen aus silbernen Wassern.


Georg Trakl 





Photo credit: Isabella Kramer


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Der weite Gesichtskreis

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 Der weite Gesichtskreis

Die Kröte kroch mit großem Schnaufen
Bedächtig auf den Maulwurfshaufen,
Und sah sich um, von Stolz geschwellt:
"Wie groß ist doch die weite Welt!"


Heinrich Seidel, 1842 - 1906

 

 

Gemälde copyright: Isabella Kramer 

Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de



 


Das Hirtenfeuer

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Das Hirtenfeuer

Dunkel, Dunkel im Moor,
Über der Heide Nacht,
Nur das rieselnde Rohr
Neben der Mühle wacht,
Und an des Rades Speichen
Schwellende Tropfen schleichen.

Unke kauert im Sumpf,
Igel im Grase duckt,
In dem modernden Stumpf
Schlafend die Kröte zuckt,
Und am sandigen Hange
Rollt sich fester die Schlange.

Was glimmt dort hinterm Ginster,
Und bildet lichte Scheiben?
Nun wirft es Funkenflinster,
Die löschend niederstäuben;
Nun wieder alles dunkel -
Ich hör' des Stahles Picken,
Ein Knistern, ein Gefunkel,
Und auf die Flammen zücken.

Und Hirtenbuben hocken
Im Kreis' umher, sie strecken
Die Hände, Torfes Brocken
Seh' ich die Lohe lecken;
Da bricht ein starker Knabe
Aus des Gestrüppes Windel,
Und schleifet nach im Trabe
Ein wüst Wacholderbündel.

Er läßt's am Feuer kippen -
Hei, wie die Buben johlen,
Und mit den Fingern schnippen
Die Funken-Girandolen!
Wie ihre Zipfelmützen
Am Ohre lustig flattern,
Und wie die Nadeln spritzen,
Und wie die Äste knattern!

Die Flamme sinkt, sie hocken
Aufs Neu' umher im Kreise,
Und wieder fliegen Brocken,
Und wieder schwehlt es leise;
Glührote Lichter streichen
An Haarbusch und Gesichte,
Und schier Dämonen gleichen
Die kleinen Heidewichte.

Der da, der Unbeschuhte,
Was streckt er in das Dunkel
Den Arm wie eine Rute?
Im Kreise welch Gemunkel?
Sie spähn wie junge Geier
Von ihrer Ginsterschütte:
Hah, noch ein Hirtenfeuer,
Recht an des Dammes Mitte!

Man sieht es eben steigen
Und seine Schimmer breiten,
Den wirren Funkenreigen
Übern Wacholder gleiten;
Die Buben flüstern leise,
Sie räuspern ihre Kehlen,
Und alte Heideweise
Verzittert durch die Schmehlen.

»Helo, heloe!
Heloe, loe!
Komm du auf unsre Heide,
Wo ich meine Schäflein weide,
Komm, o komm in unser Bruch,
Da gibt's der Blümelein genug, -
Helo, heloe!«

Die Knaben schweigen, lauschen nach dem Tann,
Und leise durch den Ginster zieht's heran:

»Helo, heloe!
Ich sitze auf dem Walle,
Meine Schäflein schlafen alle,
Komm, o komm in unsern Kamp,
Da wächst das Gras wie Brahm so lang! -
Helo, heloe!
Heloe, loe!«




Annette von Droste-Hülshoff, 1797 - 1848





Photo by Joris Voeten on Unsplash

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Wer klappert von dem Turme

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Wer klappert von dem Turme 
Seltsamen Gruß mir? horch! 
Das ist in seinem Neste 
Mein alter Freund, der Storch. 

Er rüstet sich zur Reise 
Weit über Land und See, 
Der Herbst kommt angezogen, 
Drum sagt er uns Ade!

Hast recht, daß du verreisest, 
Bei uns wird's kahl und still, 
Grüß mir das Land Italien 
Und auch den Vater Nil.

Es werde dir im Süden 
Ein besser Mahl zuteil, 
Als deutsche Frösch' und Kröten, 
Maikäfer und Langweil'!

Behüt' dich Gott, du Alter, 
Mein Segen mit dir zieht, 
Du hast in stillen Nächten 
Oftmals gehört mein Lied.

Und wenn du nicht zufällig 
Im Nest verschlafen bist, 
So hast du auch gesehen, 
Wie sie mich einst geküßt.

Doch schwatz nicht aus der Schule, 
Schweig still, alter Kumpan! 
Was geht die Afrikaner 
Die Lieb' am Rheine an?




Joseph Victor von Scheffel



Gemälde copyright: Isabella Kramer 


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Die Nebelfee

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Die Nebelfee


Die Nebelfee Griseldis
lebt fern, am großen Moor,
verwunschen liegt ihr Häuschen,
verfallen Zaun und Tor.

Und kommst als Gast du jemals
in ihre kleine Küche,
dann tropft es – Pling, Plang, Plong gleich
vom Dach her auf die Tische.

Aus ihren Haaren sprüht es
ganz allerliebst und fein.
Die Kröten unterm Esstisch
sind auch nicht stubenrein.

Doch nimmt sie dich dann mit sich
auf ihren Liedergang,
kannst staunend du erleben
den Nebelfee-Gesang.

Dabei webt sie dann Tücher
mit Silbertau bestickt
durch Büsche, Bäume, Felder:
hauchzart die Welt entrückt,

löst auf sich hinter Schleiern,
besetzt mit tausend Perlen.
Kaum ahnst du noch die Dörfer,
die Birken, Tannen, Erlen.

Wie Silber klingt ihr Singen,
uralt die Melodien -
durch sie kann sie die Nebel
mal hier-, mal dorthin ziehen.

Verzaubert wirst du staunen
was man im Nebel sieht:
ein Reich der weichen Linien,
wo Fantasie erblüht.

Griseldis wird verschwinden,
ein Hauch nur bleibt - verschwommen.
Am Zweig ein Stück vom Schleier.
Du darfst gern wiederkommen….





veredit©Isabella Kramer 2011


Safe Creative #1107139670827




Gemälde Copyright: Isabella Kramer 



auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Grafiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Grafiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden möchten, fragen Sie mich bitte. 
Kontakt über E-Mail: vere_dit@yahoo.de


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Plumps


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Plumps

Der Frosch und eine Kröte
still hockten beieinander.
Da sprach der Frosch zur Kröte:
Geh, sei doch nicht so blöde
und spiel mir etwas vor
auf deinem Pfeifenrohr.

Der Frosch auf einem Strunken
war gern dazu bereit
und quakte traumversunken,
von feuchter Liebe trunken,
Quak, quak!
ein rührsam Chansonett:

Mücken summen um mein Bett,
die frechen,
sie sind schon worden sommerfett
und stechen.
Quak, quak!

Nun ist es hohe Zeit,
darin zu ruhn zu zweit,
wir könnten dann die Mucken
vereint hinunterschlucken.
Quak, quak!

Sobald das Lied zu End,
gerührt die Kröte flennt
und stürzt entzückt sogleich
dem Frosch nach in den Teich.
Plumps!



Heinrich von Reder 1824 - 1909





Foto von Ed van duijn auf Unsplash
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