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Nach dem Gewitter

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Nach dem Gewitter

Das Wetter ist niedergegangen,
Die Wolken, die grollend und grau
Ins schwüle Gebirge gehangen,
Sie stillten der Wälder Verlangen,
Gelöst in unendlichen Thau;
Der Himmel ward heiter und blau.

Wohl zittern wie flammend die Lüfte,
Doch kühlet ein Wehen sie lind
Und trägt durch die dampfenden Klüfte
Der Kräuter gewürzige Düfte;
Wo rege die Wipfel noch sind,
Erschauern die Sträucher im Wind.

Breit fluthet der Bach von den Fällen,
Der wirbelnd im Thale noch schwillt;
Rings tausend lebendige Quellen
Enteilen mit murmelnden Wellen:
Der Balsam, der köstliche, quillt,
Der Durst ist in Strömen gestillt.


Martin Greif, 1839 - 1911





Photo copyright: Isabella Kramer


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Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de

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Der Nöck

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Der Nöck*

Es tönt des Nöcken Harfenschall:
Da steht sogar still der Wasserfall,
Umschwebt mit Schaum und Wogen
Den Nöck im Regenbogen.

Die Bäume neigen
Sich tief und schweigen,
Und atmend horcht die Nachtigall. –
"O Nöck, was hilft das Singen dein?
Du kannst ja doch nicht selig sein!
Wie kann dein Singen taugen?"

Der Nöck erhebt die Augen,
Sieht an die Kleinen,
Beginnt zu weinen...
Und senkt sich in die Flut hinein.
Da rauscht und braust der Wasserfall,
Hoch fliegt hinweg die Nachtigall,
Die Bäume heben mächtig
Die Häupter grün und prächtig.

O weh, es haben
Die wilden Knaben
Den Nöck betrübt im Wasserfall!
"Komm wieder, Nöck, du singst so schön!
Wer singt, kann in den Himmel gehn!
Du wirst mit deinem Klingen
Zum Paradiese dringen!

O komm, es haben
Gescherzt die Knaben:
Komm wieder, Nöck, und singe schön!"
Da tönt des Nöcken Harfenschall,
Und wieder steht still der Wasserfall,
Umschwebt mit Schaum und Wogen
Den Nöck im Regenbogen.

Die Bäume neigen
Sich tief und schweigen,
Und atmend horcht die Nachtigall. –
Es spielt der Nöck und singt mit Macht
Von Meer und Erd und Himmelspracht.

Mit Singen kann er lachen
Und selig weinen machen!
Der Wald erbebet,
Die Sonn entschwebet...
Er singt bis in die Sternennacht!


August Kopisch, 1799 - 1853



*Was ist ein Nöck? Es ist ein Wassergeist, ein Fabelwesen, launisch und unstet, wie sein Element das Wasser. Er kommt in vielen Märchen und Sagen im europäischen Raum vor.