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Eine frisch erblühte Blume
Fand ihr Leben gar gering,
Und sie sah sich um und wünschte:
Wär‘ ich doch ein Schmetterling!
Nicht gebannt an diesen Boden
Zög‘ ich frei durch Wies‘ und Feld;
Mir gehörte Erd‘ und Himmel,
Ja, die ganze weite Welt!  — 

Als sie kaum das Wort gesprochen,
Kam ein Schmetterling herzu,
Und er sprach: o schöne Blume,
Hätt‘ ich doch ein Los wie du!
In der Hut der Menschen lebst du
Ruhig deine Tage hin,
Während ich ein armer Flüchtling
Auf der schönen Erde bin.  — 

Und erfüllet ward ihr Wünschen,
Ehe kaum ein Jahr verging:
Schmetterling ward eine Blume,
Und die Blum‘ ein Schmetterling.
Und da hört‘ ich beide wieder,
Als ich just im Garten ging  — 
Schmetterling sprach: wär‘ ich Blume!
Blume: wär‘ ich Schmetterling!



 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben



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