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Der kluge Peter

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Der kluge Peter


Der Peter sass im Sonnenschein
     Auf einem Stein
Und freute sich und lachte.
Was freut sich Peter nur so sehr?


Das Rätsel schien mir wahrlich schwer –
     Doch er sass da und lachte.

Als ich die Neugier nicht mehr trug
     Und endlich frug,
Warum er denn so lachte?


Sprach er: »Die Welt ist wunderschön!
Und ich darf drin spazieren gehn!«
     Er sah mich an und lachte.

»Ei, Peter, du hast wirklich Recht!
     Das ist nicht schlecht!«


»Nicht wahr?« sprach er und lachte,
»Die Weisheit lernet Ihr erst jetzt?«
Da hab ich mich zu ihm gesetzt
     Und freute mich, und lachte.


August Sturm, 1852 - 1923





Foto von Albert Klein auf Unsplash

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Uns sei Blume-sein groß!

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Uns sei Blume-sein groß!

Weiß die Natur noch den Ruck,
Da sich ein Teil der Geschöpfe
Abriß vom stetigen Stand?
Blumen, geduldig genug,
Hoben nur horchend die Köpfe,
Blieben im Boden gebannt.

Weil sie verzichteten auf
Gang und gewillte Bewegung,
Stehn sie so reich und so rein.
Ihren tiefinneren Lauf,
Voll von entzückter Erregung,
Holt kein Jagender ein.

Innere Wege zu tun
An der gebotenen Stelle,
Ist es nicht menschliches Los?
Anderes drängt den Taifun,
Anderes wächst mit der Welle, –
Uns sei Blume-sein groß.



Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926






Photo copyright: 
Isabella Kramer



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Auf der Wiese...

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Auf der Wiese...


Auf der Wiese webt und schwebt

Elbenringelreigen;

Feiner Flüsschen Schnee sich hebt

zu geheimen Geigen.

Schleier schlingen sich im Ring,

Silberflechten flimmern,

Flügel wie vom Schmetterling

scheu im Monde schimmern.

Jedes Köpfchen krönt ein Kranz

goldner Leuchtlaternchen,

wunderwirr verstrickt der Tanz

all die tausend Sternchen.




Christian Morgenstern, 1871 - 1914





Gemälde: Midsummer Eve (1908), Edward Robert Hughes



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Fabel vom Unkraut

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Fabel vom Unkraut

Hirtentäschel sprach zur Melde:
„Warum haben wir kein Beet?
Selbst aus seinem größten Felde
mürrisch uns der Bauer jät.

Raps und Leinen sind von allen
wohlgelitten und gehegt,
plumpe Rüben auch gefallen,
und die Erbse wird gepflegt.

Sind wir denn von mindrer Güte
als des Krautes blauer Kopf?
Zierten wir nicht manche Hüte,
flochten Kränze manchem Schopf?“

Und die Nessel und die Möhre
mischten ihre Stimmen ein,
auch des Schachtelhalmes Föhre
wollte nicht verachtet sein.

Schickten drum zu jenem Gotte,
der sie spielend einst gebar.
„Löst uns von diesem Spotte!“
rief der Blumen Klägerschar.

Winde schwenkte weiße Glocken,
Distel ihren Dornenhut,
um den Gott zu sich zu locken,
werbend um sein Gnadengut.

„Ach, wenn nicht die Kinder wären
und die Bienen nimmersatt“,
schrien sie unter Honigzähren,
„längst wärn wir des Blühens satt.“

Beugte sich der Gott zu jeder,
hob sie vor sein Angesicht,
pries der Nelke rote Feder
und des Senfkrauts gelbes Licht.

„Blüht ihr nicht vor meinem Auge?“
mahnte mild, der sie gemacht.
„Fragt ich, ob der Mensch mir tauge,
reuten müsst ich Tag und Nacht.“



Martin Raschke, 1905 - 1943





Photo credit: Isabella Kramer

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Mittsommer

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Mittsommer

Der längste Tag, ganz kurz die Nacht - 
das ist die Sommersonnenwende.
Ein Grund zum Feiern allemal,
denn Sonnenlicht scheint ohne Ende

auf fröhlich strahlende Gesichter,
auf Locken unter Blumenkränzen,
wirbelnde Freunde, die bei Tänzen
sich lachend an den Händen halten.

Johannisnächte heißt's in alten
Geschichten, das sind Zaubernächte. 
Voll Glück und Gaben der Natur,
selbst Seen und Flüsse haben Mächte. 

Manch einer sammelt Blumen, Pflanzen,
heut' Nacht sind ihre Kräfte stark.
Mit Trollen um die Feuer tanzen,
auch drüber springen, wenn man mag.


Durchlässig ist in dieser Nacht
die Wand ins Reich der Feenmagie.
Ja, selbst im Morgentau danach,
natürlich barfuß, spürst du sie. 


veredit©isabella.kramer25



Gemälde copyright: Isabella Kramer 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de


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Am Moor

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Am Moor

Wanderer im schwarzen Wind; leise flüstert das dürre Rohr
In der Stille des Moors. Am grauen Himmel
Ein Zug von wilden Vögeln folgt;
Quere über finsteren Wassern.

Aufruhr. In verfallener Hütte
Aufflattert mit schwarzen Flügeln die Fäulnis;
Verkrüppelte Birken seufzen im Wind.

Abend in verlassener Schenke. Den Heimweg umwittert
Die sanfte Schwermut grasender Herden,
Erscheinung der Nacht: Kröten tauchen aus silbernen Wassern.


Georg Trakl 





Photo credit: Isabella Kramer


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