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Pflaumenregen
Es steht ein Baum im Garten,
von Pflaumen voll und schwer.
Die Kinder drunten warten
und lauschen ringsumher,
ob nicht der Wind ihn rüttelt
und all die Pflaumen schüttelt,
daß alle purzeln kreuz und quer.
Doch horcht, wie's rauscht und rappelt!
Im Wald wacht auf der Wind.
Schon zischelt er und zappelt
und trappelt her geschwind
und wiegt und biegt die Äste,
daß schier in ihrem Neste
die Finken nimmer sicher sind.
Nun fällt ein Pflaumenregen,
der aber macht nicht naß.
Im Gras herumzufegen,
ist da der größte Spaß.
O Wind, o Wind, o rüttle,
o Wind, o Wind, o schüttle!
Wir grapsen ohne Unterlaß.
Friedrich Wilhelm Güll, 1812 – 1879
.
Leise
Leise, Peterle, leise!
Der Mond geht auf die Reise,
Er hat ein weißes Pferd gezäumt,
Das geht so still, als ob es träumt…
Leise, Peterle, leise!
Stille, Peterle, stille!
Der Mond hat eine Brille:
Ein graues Wölkchen schob sich vor,
Das sitzt ihm grad auf Nas und Ohr.
Stille, Peterle, stille!
Träume, Peterle, träume!
Der Mond guckt durch die Blume;
Ich glaube gar, nun bleibt er stehn,
Um Peterle im Schlaf zu sehen.
Träume, Peterle, träume!
Ruhe, Peterle, ruhe!
Der Mond hat goldene Schuhe.
Er hat sie schon bei Tag geputzt,
Weil er sie ja nur nachts benutzt.
Ruhe, Peterle, ruhe!
Schlafe, Peterle, schlafe!
Der Mond hat goldene Schafe.
Sie gehn am Himmel still und sacht
Und sagen Peterle "Gut' Nacht!"
Schlafe, Peterle, schlafe!
Paula Dehmel, 1862 - 1918
.
Das Karussell
Das Karussell
Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
Sich eine kleine Weile der Bestand
Von bunten Pferden, alle aus dem Land,
Das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
Doch alle haben Mut in ihren Mienen;
Ein böser roter Löwe geht mit ihnen
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
Nur daß er einen Sattel trägt und drüber
Ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.
Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
Und hält sich mit der kleinen heißen Hand,
Dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
Auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
Fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
Schauen sie auf, irgendwohin, herüber -
Und dann und wann ein weißer Elefant.
Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
Und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
Ein kleines kaum begonnenes Profil.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
Ein seliges, das blendet und verschwendet
An dieses atemlose blinde Spiel ...
Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926
Gemälde "Carousel at Night at the Fair" von Ferdinand du Puigaudeau (1864-1930) ....commons.wikimedia.org
Hutsaison
Hutsaison
Modenschau im Zwergenwald
jetzt ist Hochsaison für Hut
Winterwinde drohen bald
da kommt Chic am Kopfe gut
Die Modelle sind entzückend
Auswahl, Farben – grenzenlos
Formenvielfalt schier berückend
Kreationen ganz famos
Spritzig gelbe für die Elfen
leuchtend, pfiffig, angesagt
kokett, wippend Gräser helfen
fühlt man sich schon zu betagt
Frech, frivole Moosrandmützen
letzter Schrei für jeden Beau*
elegant vor Kälte schützen
zeigen Stil mit viel Niveau
Schillernd blaue, voller Federn
schon als Trend vorhergesagt
andere ähneln Wagenrädern
da ist Mut zum Hut gefragt
Braune, kernig, ganz aus Rinde
für den Zwergenmann von Welt
gar die Farnkrauthochgebinde
wär‘n schon was Frau so gefällt
Zwergenmädchen mit viel Chic
zeigen wahre Traummodelle
Spinnwebschleifchen im Genick
zart getönt, wie Aquarelle
Jeder Typ wird hier verwöhnt
Warmes, Edles mit Esprit
laut der Schlussapplaus ertönt
solche Hüte gab‘s noch nie!
veredit©Isabella Kramer 24.09.08
*Beau - kommt aus dem Französischen und bedeutet "der Schöne" ... du weißt schon, in der Modeszene sprechen sie alle gern mit französischem Akzent ...
Gemälde copyright: Isabella Kramer
auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de
Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Grafiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Grafiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden möchten, fragen Sie mich bitte.
Kontakt über E-Mail: vere_dit@yahoo.de
.
Blätterfall
Der Herbstwald raschelt um mich her.
Ein unabsehbar Blättermeer
Entperlt dem Netz der Zweige.
Du aber, dessen schweres Herz
Mitklagen will den großen Schmerz:
Sei stark, sei stark und schweige!
Du lerne lächeln, wenn das Laub
Dem leichteren Wind ein leichter Raub
Hinabschwankt und verschwindet.
Du weißt, dass just Vergänglichkeit
Das Schwert, womit der Geist der Zeit
Sich selber überwindet.
Christian Morgenstern, 1871 - 1914
Das Mäuselein
Das Mäuslein
Still stand die Wiege, das Kind schlief fest,
Ein Mäuselein sich blicken lässt,
Wippelndes, trippelndes Ding!
Es dreht das Köpfchen hin und her,
Es hüpft und tänzelt kreuz und quer,
Hin und her, kreuz und quer.
Mach' kein Geräusch, o Mäuselein!
Sonst fängt mein Kind gleich an zu schrei'n.
Das Mäuselein nimmt sich wohl in Acht,
Es schleicht zur Wiege sacht, ganz sacht,
Wippelndes, trippelndes Ding!
Es schaut und schnuppert rings umher,
Wo wohl ein Krümchen Kuchen wär',
Kuchen wär', Kuchen wär',
Mach' kein Geräusch, o Mäuselein!
Sonst fängt mein Kind gleich an zu schrei'n.
Und alle Krümchen, die da sind,
Die gönnt dir alle gern mein Kind,
Wippelndes, trippelndes Ding!
Wie hat's geschmeckt dem Mäuslein doch!
's Ist eins zwei drei in seinem Loch,
Seinem Loch, seinem Loch.
Mäuselein, hast es gut gemacht:
Mein Kindlein schläft, nun gute Nacht.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874
Foto von Joshua J. Cotten auf Unsplash
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