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Vom Büblein, das überall hat mitgenommen sein wollen


Vom Büblein, das überall mitgenommen sein wollte

 

Denk an! Das Büblein ist einmal
Spazieren gegangen im Wiesental;
Da wurd's müd' gar sehr
Und sagt': „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist das Bächlein geflossen kommen
Und hat's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich auf's Bächlein gesetzt
Und hat gesagt. „So gefällt mir's jetzt."

Aber was meinst du? das Bächlein war kalt,
Das hat das Büblein gespürt gar bald;
Es hat's gefroren gar sehr,
Es sagt': „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist das Schifflein geschwommen kommen
Und hat's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich auf's Schifflein gesetzt
Und hat gesagt: „Da gefällt mir's jetzt."

Aber sieh'st du? das Schifflein war schmal,
Das Büblein denkt: „Da fall' ich einmal“;
Da fürcht't es sich gar sehr
Und sagt': „Ich mag nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist die Schnecke gekrochen gekommen
Und hat's Büblein mitgenommen:
Das Büblein hat sich in's Schneckenhäuslein gesetzt
Und hat gesagt: „Da gefällt mir's jetzt."

Aber denk! die Schnecke war kein Gaul,
Sie war im Kriechen gar zu faul;
Dem Büblein ging's langsam zu sehr;
Es sagt': „Ich mag nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist der Reiter geritten gekommen,
Der hat's Büblein mitgenommen;
Das Büblein hat sich hinten auf's Pferd gesetzt
Und hat gesagt: „So gefällt mir's jetzt!"

Aber gib acht! das ging wie der Wind!
Es ging dem Büblein gar zu geschwind;
Es hopft darauf hin und her
Und schreit: „Ich kann nicht mehr;
Wenn nur was käme
Und mich mitnähme!"

Da ist ein Baum ihm ins Haar gekommen;
Und hat das Büblein mitgenommen;
Er hat's gehängt an einem Ast gar hoch,
Dort hängt das Büblein und zappelt noch.

Das Kind fragt:
„Ist denn das Büblein gestorben?“

Antwort
„Nein! Es zappelt ja noch!
Morgen gehen wir ’naus und tun’s runter.“






Friedrich Rückert

 

 

 

Photo copyright: Isabella Kramer

 

Pinguine



Pinguine


Auch die Pinguine ratschen, tratschen,
Klatschen, patschen, watscheln, latschen,
Tuscheln, kuscheln, tauchen, fauchen
Herdenweise, grüppchenweise
Mit Gevattern,
Pladdern, schnattern
Laut und leise.
Schnabel-Babelbabel-Schnack,
Seriöses, Skandalöses, Hiebe, Stiche.


Oben: Chemisette mit Frack.
Unten: lange, enge, hinderliche
Röcke. – Edelleute, Bürger, Pack,
Alte Weiber, Professoren.


Riesenvolk, in Schnee und Eis geboren.
Sie begrüßen herdenweise
Ersten Menschen, der sich leise
Ihnen naht. Weil sie sehr neugierig sind.
Und der erstgesehene Mensch ist neu.
Und Erfahrungslosigkeit starrt wie ein kleinstes Kind
Gierig staunend aus, jedoch nicht scheu.


Riesenvolk, in Schnee und Eis geboren,
Lebend in verschwiegener Bucht
In noch menschenfernem Lande.
Arktis-Expedition. – Revolverschuß –:
Und das Riesenvolk, die ganze Bande
Ergreift die Flucht.



Joachim Ringelnatz






Bild von Wikimedia





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Schneeflockenlied - Manfred Kyber

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Schneeflockenlied


Es steht ein Schloss in Schnee und Eis
aus schimmernden Kristallen.
Es hängt das Mondlicht silber
weiß an Tor und Turm und Hallen.

Schneekönigin - Schneekönigin -
Mit langen, langen Locken,
die sitzt im Zauberschlosse drin
und spinnt an ihrem Rocken.

Sie spinnt mit weicher Feenhand
viel kleine weiße Sterne. 
Die weht der Wind wohl übers Land
weithin in weite Ferne. 

Schneekönigin - Schneekönigin -
die spinnt an ihrem Rocken.
Dann fallen auf die Erde hin
schneeweiße Silberflocken.







Manfred Kyber, 1880 - 1933



Photo Copyright: Isabella Kramer



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Im Winter - ein Gute-Nacht-Gedicht

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Schlaf ein, mein liebes Kind,
da draußen singt der Wind.
Er singt die ganze Welt in Ruh,
Deckt die weißen Betten zu.
Und bläst er ihr auch ins Gesicht,
Sie rührt sich nicht und regt sich nicht.
Tut auch kein Händlein strecken
Aus ihren weißen Decken.

Schlaf ein, mein süßes Kind,
Da draußen geht der Wind.
Pocht an die Fenster und schaut hinein,
Und hört er wo ein Kind noch schrein'n,
Da schilt und brummt und summt er sehr,
Holt gleich sein Bett voll Schnee daher
Und deckt es auf die Wiegen,
Wenn's Kind nicht still will liegen.

Schlaf ein, mein süßes Kind,
Da draußen weht der Wind,
Er rüttelt an dem Tannenbaum,
Da fliegt heraus ein schöner Traum,
Der fliegt durch Schnee und Nacht und Wind,
Geschwind, geschwind zum lieben Kind
Und singt von lustigen Dingen,
Die's Christkind ihm wird bringen.

Schlaf ein, mein süßes Kind,
Da draußen bläst der Wind,
Doch ruft die Sonne: „Grüß Euch Gott!
Bläst er dem Kind die Backen rot.
Und sagt der Frühling; „Guten Tag!"
Bläst er die ganze Erde wach,
Und was fein still gelegen,
Das freut sich allerwegen.

Drum schlaf, mein süßes Kind,
Bläst draußen auch der Wind.




Robert Reinick



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Schlittenfahrt

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Schlittenfahrt


Lustig ist die Winterzeit,
Wenn es draußen Flocken schneit
Und das Wasser wird zu Eis;
Alles ist da licht und weiß!

Lieber Schlitten komm herfür!
Darfst nun wieder vor die Tür!
Unterm Dach in finsterm Gang
Lagest du vergessen lang.

Darfst jetzt wieder an das Licht,
Alter Schlitten! Freut´s dich nicht?
Rühret nicht ein frischer Stolz
Sich in deinem harten Holz?

Fliegest du vom Hügel her,
Wird dir keine Last zu schwer;
Lustig sausest du hinab,
Schneller als ein Pferd im Trab -

Schlittenfahren, hei, juhei!
Saget mir, was schöner sei?
Fliegt die Locke frisch im Wind,
O wie geht es so geschwind!

Nenn´ ich keinen Schlitten mein,
Ist´s ein Brett, war´s noch so klein;
Wenn der Schnee nur fest und hart,
Taugt es wohl zur Schlittenfahrt.

Sagt, wo ist ein Kavalier,
Der so herrlich fährt wie wir?
Sagt, wo ist ein Fürst der Welt,
Dem sein Fuhrwerk so gefällt?!

Ob das Näschen frieren mag,
Frisch den ganzen Nachmittag
Fahren wir in Lust und Saus,
Schleichen abends still nach Haus.

Kurze Lust und Seligkeit,
Währest nur so lang es schneit.
Ach wie bald, so schmilzt der Schnee,
Lieber Schlitten dann ade! -



Franz Bonn, 1830 - 1894



Photo copyright: Isabella Kramer

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Begünstigte Tiere

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Vier Tieren auch verheißen war,
Ins Paradies zu kommen;
Dort leben sie das ew'ge Jahr
Mit Heiligen und Frommen.



Den Vortritt hier ein Esel hat,
Er kommt mit muntren Schritten;
Denn Jesus zur Prophetenstadt
Auf ihm ist eingeritten.



Halb schüchtern kommt ein Wolf sodann,
Dem Mahomet befohlen:
Laß dieses Schaf dem armen Mann!
Dem Reichen magst du's holen.




Nun, immer wedelnd, munter, brav,
Mit seinem Herrn, dem braven,
Das Hündlein, das den Siebenschlaf
So treulich mitgeschlafen.



Abuherriras Katze hier
Knurrt um den Herrn und schmeichelt;
Denn immer ist's ein heilig Tier,
Das der Prophet gestreichelt.





Johann Wolfgang von Goethe





Wolfbild von wikicommons, Hundebild Foto von Barnabas Davoti auf Unsplash, Esel- und Katzenbild  Isabella Kramer



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