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Hexenstunk und Zaubertrank

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Hexenstunk und Zaubertrank

In der Hexenwohngemeinschaft gibt es diesmal großen Stunk.
Durch ein Missgeschick verdorben war der letzte Hexentrunk,
weshalb dieser - heftig blubbernd - unerträglich grässlich stank
und von diesem "Dufte" mancher ohnmächtig zu Boden sank.

Ann-Marie und Dörte meinten, dies wär Margaretes Schuld,
hatte diese doch beim Brauen ihres Tranks voll Ungeduld
jenes Etikett verwechselt, welches auf des Kelches Grund
"Nasenhaare eines Elches" angezeigt, die ungesund

und vor allen Dingen gänzlich, unsagbar und grausig scharf.
Weshalb man des Trankes Reste hinters Haus zum Restmüll warf.
Dies fand Margarete schade und vor allem ungerecht.
Fand sie doch, er war als Mittel gegen Schaben gar nicht schlecht.

Und so schmollen alle dreie schon seit Tagen stur und stumm.
Sprechen nicht mehr, sondern werfen bloß mit bösen Blicken rum.
Könnten diese wirklich töten, bräucht es dazu keinen Trank.
Nicht mal den von Margarete, der so grässlich hässlich stank!




Mit freundlicher Genehmigung von: ©die amelie ´ 08 ... zu ihrer Gedichte Website






Illustration copyright: Isabella Kramer 






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Wohlgefühl

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Wohlgefühl

Verachten ist ein Wohlgefühl
Und fördert das Verdauen:
So hoch und frei, so stolz und kühl
Vom Berg hinabzuschauen!


Sogar der Käfer auf dem Mist
Blickt wohlgefällig tiefer
Und nennt, was dort versammelt ist,
Elendes Ungeziefer.


Ludwig Fulda, 1862 - 1939




Photo copyright: Isabella Kramer


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Guten Abend

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Guten Abend

Es ist schon dunkel um mich her,
Ich finde keine Herberg' mehr,
Ach, liebes Blümchen, laß mich ein;
Das spricht: Komm, Käfer, nur herein, –
Du sollst mir schön willkommen sein!
Guten Abend.

Dem Vöglein ist im Nest so kalt:
Lieb' Mutter, wir erfrieren bald!
Ach, bist du uns denn gar entfloh'n?
Die spricht: Hier, Kinder, bin ich schon,
Mach' euch ein warmes Bett zum Lohn –
Guten Abend.

Drauf schließt die Blum' ihr Pförtchen klein,
Der Vogel fing die Kleinen ein
Und deckt sie mit den Flügeln weich.
Da kommt der Abendwind sogleich
Und wiegt in Ruhe Blum' und Zweig.
Gute Nacht! – Gute Nacht!



Rudolf Löwenstein, 1819 - 1891




Photo by Krzysztof Niewolny on Unsplash

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Wunder

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Wunder

Daß die Lerchen wieder singen,
Daß sich Schmetterlinge schwingen,
Gelb und schwarz mit goldnem Saum,
Daß sich grüne Gräser treiben,
Auch nicht eins zurück will bleiben,
Man glaubt es kaum.

Daß sie bricht, die starre Binde,
Daß die lauen Abendwinde
Knospen zieh'n aus Busch und Baum,
Daß die Amsel tiefe, volle
Töne durch die Wälder rolle,
Man glaubt es kaum.

Daß man durch die Luft, so milde,
Kinderschaaren, liebe wilde,
Jauchzen hört im fernen Raum –
Lang im dumpfen Haus gesessen,
Aber schnelle, schnell vergessen –
Man glaubt es kaum.

Und es will mich immer fragen,
Mir in's Ohr ein Wörtlein sagen,
Und es ist mir wie im Traum,
Daß ich selbst vor Jahren, Jahren
Spielte mit den Kinderschaaren,
Man glaubt es kaum.



Friedrich Theodor von Vischer, 1807 - 1887



Gemälde copyright: Isabella Kramer 


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Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de

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Parabeln und Rätsel - Friedrich Schiller's Pflug

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Das Rätsel

Wie heißt das Ding, das wenige schätzen,
Doch zierts des größten Kaisers Hand,
Es ist gemacht, um zu verletzen,
Am nächsten ists dem Schwert verwandt.
Kein Blut vergießts und macht doch tausend Wunden
Niemand beraubts und macht doch reich,
Es hat den Erdkreis überwunden,
Es macht das Leben sanft und gleich.
Die größten Reiche hats gegründet,
Die ältsten Städte hats erbaut,
Doch niemals hat es Krieg entzündet,
Und Heil dem Volk, das ihm vertraut!



Die Lösung

Dies Ding von Eisen, das nur wenge schätzen,
Das Chinas Kaiser selbst in seiner Hand
Zu Ehren bringt am ersten Tag des Jahrs,
Dies Werkzeug, das unschuldger als das Schwert
Dem frommen Fleiß den Erdkreis unterworfen –
Wer träte aus den öden, wüsten Steppen
Der Tartarei, wo nur der Jäger schwärmt,
Der Hirte weidet, in dies blühende Land
Und sähe rings die Saatgefilde grünen
Und hundert volkbelebte Städte steigen,
Von friedlichen Gesetzen still beglückt,
Und ehrte nicht das köstliche Geräte,
Das allen diesen Segen schuf – den Pflug?


Friedrich Schiller





Bild von Pavlofox auf Pixabay
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Aus der Vogelkunde

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Aus der Vogelkunde

Ich spreche von Flugmaschinen.
Sie summen lauter als Bienen
Und sind eine Kreuzung von Taube,
Ente, Maikäfer und Schiffsschraube.

Sie nisten einzeln, paar- und gruppen-
Weise in Hallen und Schuppen.

Ich habe persönlich festgestellt:
Sie bringen lebendige Junge zur Welt,
Die wie Menschen aussehn,
Wenn sie aus ihnen herausgehn.

Auch legen sie Eier und brüten
Im Krieg. Zeus möge das künftig verhüten.

Ihre Nahrung sind Menschen, Koffer, Benzin
Und Zeitungen aus Berlin.

Sie sind über die ganze Welt
Verbreitet und sehr zahm auch in Freiheit.
Außerdem sind sie der Polizeiheit
Und der Zollbehördlichkeit unterstellt.
Volkstümlich nennt man sie schlechthin Maschinen.

Ich könnte Ihnen mit Näherem dienen,
Aber ich verlange dafür
Eine Flugzeugengebühr.



Joachim Ringelnatz,1883 - 1934



Photo copyright: Isabella Kramer

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