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Das lüsterne Wildschwein

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Das lüsterne Wildschwein.

Zu seinem Sohn im Walde spricht
Der Holzknecht: "Hansel, fürcht' dich nicht!
 
Ich muß zur Arbeit, du bleibst hier,
Und siedest die Kartoffeln mir."

Der Hans läßt sich's nicht zweimal sagen,
Beginnet Holz herbeizutragen,

Und denkt: "Wie ich schon oft getan,
Ich schüre jetzt ein Feuer an!"

Doch plötzlich – horch nur! Was ist das?
Im nahen Busche raschelt was.

Ein Wildschwein ist’s, hier ist es schon –
Der Hansel lauft voll Schreck' davon.

Indessen Hans zum Vater lauft,
Das Wildschwein ganz behaglich sauft,
 
Bis es dem Ding kommt auf die Spur,
Daß es gemeines Wasser nur.
 
Und als der Hans gekommen kaum
Auf seinem Weg zum nächsten Baum,
 
Hat, was dem Wildschwein besser schmeckt,
Es die Kartoffeln schon entdeckt.

Wie nun der Hans verschwunden ist,
Das Wildschwein immer tiefer frißt

Sich in den hohen Topf hinein,
Gefräßig ist ja jedes Schwein.

Doch allzulüstern tut nicht gut!
Das Wildschwein hat bald einen Hut,

Denn fest steckt im Kartoffeltopf
Auf einmal jetzt sein dicker Kopf.

Und wie der Holzknecht mit Geschrei
Vom Hans geholt nun kommt herbei,

Enteilt das Wildschwein mit Gebrumm,
Und wirft dabei den Kessel um.

Heim trägt der Holzknecht froh das Schwein,
Der Hans den Kessel hinterdrein.
 
Und von dem Ganzen die Moral:
"Zu lüstern schadet jedesmal!"


Franz Bonn, 1830 - 1894




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Foto von Max Saeling auf Unsplash 
 
 
 
 
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Maikäfer summ summ summ (Knabe und Maikäfer)

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Maikäfer, summ, summ, summ,

Nun sag mir an: warum?
Du fliegst am Fenster hin und her,
Und willst mein Laub und Haus nicht mehr!
Was schwirrst du so? was schnurrst du so?
Warum bist du nicht mehr so froh?

„Lieb Kindlein, still, still. Still!
Hör, was ich sagen will.
Wie sollt´ ich denn wohl fröhlich sein
In deinem dunkeln Haus allein,
So fern von frischer Himmelsluft,
Von lichtem Grün und Laubesduft?“

Maikäfer, summ, summ, summ,
Nun sag mir an: warum?
Hab´ ich doch Fenster dir gemacht,
Und frisches Laub dir stets gebracht,
Dein Haus in Sonnenschein gestellt,
Und dich geführt in Wald und Feld!

„Lieb Kindlein, still, still, still!
Hör, was ich sagen will.
Wenn ich´s mit dir auch so gemacht,
Du würdest weinen Tag und Nacht,
Und wär´ ich noch so gut dabei,
Du sprächst doch allzeit: laß mich frei!“



Hoffmann von Fallersleben, 1798 - 1848 





 
Gemälde copyright: Isabella Kramer



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Bei Goldhähnchens

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 Bei Goldhähnchens

Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast!
Sie wohnen im grünen Fichtenpalast
In einem Nestchen klein,
Sehr niedlich und sehr fein.

Was hat es gegeben? Schmetterlingsei,
Mückensalat und Gnitzenbrei
Und Käferbraten famos —
Zwei Millimeter groß.

Dann sang uns Vater Goldhähnchen was,
So zierlich klang's wie gesponnenes Glas;
Dann wurden die Kinder beseh'n:
Sehr niedlich alle zehn!

Dann sagt' ich: „Adieu!“ und: „Danke sehr! “
Sie sprachen: „Bitte, wir hatten die Ehr'
Und hat uns mächtig gefreut '.“
Es sind doch reizende Leut'!


Heinrich Seidel, 1842 - 1906

 

 

Foto von Vincent van Zalinge auf Unsplash  

 

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Wunschhut

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Wunschhut 

ich wünsche mir
einen üppigen Hut
darauf soll ein prachtvoller
Garten erblühen

mit Blumen in allen
Nuancen der Welt
auch Vögelchen, die
vor Fröhlichkeit sprühen

sie sollen ruhig nisten
mir wär‘ das nur recht
ihr Zwitschern vertreibt
die düsteren Töne

aus Stroh sollt' er sein
fein geflochten und hell
ein Gespinst für das
Lichte und Schöne

die Krempe ganz breit
und mit Bändern aus Samt
ich will ihn ja fest
an mich binden

denn unter dem Hut
das weiß ich genau
wird Trübsal mich
niemals mehr finden




veredit©isabella.kramer2010




Gemälde copyright: Isabella Kramer 



Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 

Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de






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Lieben

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Lieben

Ob du's noch denkst, daß ich dir Äpfel brachte
und dir das Goldhaar glatt strich leis und lind?
Weißt du, das war, als ich noch gerne lachte,
und du warst damals noch ein Kind.

Dann ward ich ernst. In meinem Herzen brannte
ein junges Hoffen und ein alter Gram ...
Zur Zeit, als einmal dir die Gouvernante
den ›Werther‹ aus den Händen nahm.

Der Frühling rief. Ich küßte dir die Wangen,
dein Auge sah mich groß und selig an.
Das war ein Sonntag. Ferne Glocken klangen,
und Lichter gingen durch den Tann ...


Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926






Photo copyright: 
Isabella Kramer


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Wolkenreise

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Wolkenreise

War einst ein kleines Wölckchen,
das hatte sich komplett verflogen.
Es träumte vor sich hin mit offen'n Augen
und schwupps war die Familie
meilenweit davon gezogen.

Hach, dachte es, das ist doch fein,
die Sonne kitzelt meinen Bauch, 
der Wind ist warm, es duftet schön
nach Frühling. Hier will ich sein und
blieb. Der Rest der Sippe weitertrieb.

Es schaukelte sich so dahin, genoss
die Gärten, Parks und Felder im 
Frühlingslicht. Vermisste nichts und 
niemanden und sorgte sich kein bisschen,
rein so garnicht, nicht. 

Der Abend kam, die Sonne war schon in
ihr Bett gegangen, da dachte Wölckchen 
sich, ich sollte wohl mal an zu suchen 
fangen. Wo ist Mama, Papa und auch 
die Großeltern sind nicht zu sehen?

Da sah sie alle bauschig, wartend an dem
Fuß des Berges stehen. Sie schmunzelten
und keiner gab auch nur ein böses Wort.
Sie nahmen Wölckchen in die Familienmitte
und folgen mit ihm fort. 



veredit©isabella.kramer25




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Photos copyright: Isabella Kramer


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