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Sommernacht - Manfred Kyber

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Sommernacht 

Wenn der Mond ins weite Land
seine Silbersichel spannt,
lugt hervor beim Eulenruf,
was ein Zauberwort erschuf,
was auf leisen Sohlen geht
und der Nachtwind hergeweht.

Käferlein im grünen Tann
zünden ihr Laternchen an.
Blau im blauen Mondenschein
tanzt der Elfen Geisterreihn.

Jedes aus der kleinen Schar
trägt ein Falterflügelpaar,
schwingt es durch die laue Luft
taumeltoll im Blütenduft.

In der Glockenblumen Klang
summt ihr feiner Silbersang,
und im wunderwirren Lauf
flammen kleine Kronen auf.

Aus verfallnem Geisterhaus
heimlich huscht Frau Fledermaus.
Krallenflügel flattern schnell
überm Abendrock von Fell.

Eine Moosfrau, fingergroß,
wiegt ein Kind auf ihrem Schoß,
hat es an ihr Kleid genäht,
dass es nicht verloren geht.
Und ein Männchen dürr und klein
steht auf einem Entenbein.

Alte Unken, Mann und Frau,
baden sich im Abendtau.
Dicke Pilze, rotgetupft,
kommen aus dem Wald gehupft,
nicken mit den Köpfen schwer
und bewundern alles sehr.
Und ein Rabe mit Geschrei
predigt Wissenschaft vom Ei.

Eine Maus hat sehr erschreckt
schnell ihr Abendbrot versteckt.
Meister Maulwurf klagt empört,
dass man seine Ruhe stört.

Und Titanias Lachen lacht
silbern durch die Sommernacht.
Wie ein bunter Schmetterling
flieht und fängt sich jedes Ding,
Reih'um Reihe, Ring um Ring,
Ring um Ring und Reih'um Reih'-

und beim ersten Hahnenschrei
ist's vorbei.



Manfred Kyber (1880 - 1933)


Gemälde copyright: Isabella Kramer 


Christkindchen




Christkindchen

Wo die Zweige am dichtesten hangen,
die Wege am tiefsten verschneit,
da ist um die Dämmerzeit
im Walde das Christkind gegangen.

Es mußte sich wacker plagen,
denn einen riesigen Sack
hat's meilenweit huckepack
auf den schmächtigen Schultern getragen.

Zwei spielende Häschen saßen
geduckt am schneeigen Rain.
Die traf solch blendender Schein,
daß sie das Spielen vergaßen.

Doch das Eichhorn hob schnuppernd die Ohren
und suchte die halbe Nacht,
ob das Christkind von all seiner Pracht
nicht ein einziges Nüßchen verloren.


Anna Ritter 1865-1921



Winternacht





Winternacht

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum ...
Und es war einmal eine Flocke,
die fiel dazu wie im Traum ...

Die fiel dazu wie im Traum ...
Die sank so leis hernieder
wie ein Stück Engleingefieder
aus dem silbernen Sternenraum.

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum ...
Und es war einmal eine Flocke,
so leis als wie im Traum ...

So leis als wie im Traum ...
Und als vieltausend gefallen leis,
da war die ganze Erde weiß
als wie vom Engleinflaum.

Da war die ganze Erde weiß
als wie vom Engleinflaum.



Christian Morgenstern



Photo credit: Isabella Kramer




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Die stille Stadt





Die stille Stadt

Liegt eine Stadt im Tale,
Ein blasser Tag vergeht;
Es wird nicht lange dauern mehr,
Bis weder Mond noch Sterne,
Nur Nacht am Himmel steht.

Von allen Bergen drücken
Nebel auf die Stadt;
Es dringt kein Dach, nicht Hof noch Haus,
Kein Laut aus ihrem Rauch heraus,
Kaum Türme noch und Brücken.

Doch als den Wandrer graute,
Da ging ein Lichtlein auf im Grund;
Und durch den Rauch und Nebel
Begann ein leiser Lobgesang,
Aus Kindermund.




Richard Dehmel 1863-1920






Foto copyright: Isabella Kramer




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Im Herbst - Wilhelm Busch





Im Herbst 

Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst, der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Die ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewußt bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.


Wilhelm Busch









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Lied vom Monde

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Lied vom Monde 


Wind, Wind, sause,
der Mond ist nicht zu Hause;
er ist wohl hinter den Berg gegangen,
will vielleicht eine Sternschnuppe fangen,
Wind, Wind, sause.

Stern, Stern, scheine,
der Mond, der ist noch kleine;
Stern, Stern, scheine,
er hat die Sichel in der Hand,
er mäht das Gras am Himmelsrand,
Stern, Stern, scheine.

Singe, Vogel, singe,
der Mond ist guter Dinge;
er steckt den halben Taler raus,
das sieht blank und lustig aus,
singe, Vogel, singe.

Und hell wird's, immer heller;
der Mond, der hat 'nen Teller
mit allerfeinstem Silbersand,
den streut er über Meer und Land,
und hell wird's, immer heller.


Paula Dehmel, 1862-1918







Photo copyright: 
Isabella Kramer




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