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Elfen

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Elfen


Mondesstrahl von Zweig zu Zweig,
Silberfüßchen überm Steig,
Märchenauge tief im Teich,
Elfenreich, Wunderreich.

Schwirrt ein ganz klein Elfchen her,
schwirrt ein zweites, schwirren mehr.
Gläslein, Kelchlein stehen leer,
jetzt ein Tänzchen? Bitte sehr. -

Raschelt's wo im nahen Korn,
klingt vom Dorf das Wächterhorn -
Husch, husch, husch - davon - verlorn -
Nur ein Schühlein hängt im Dorn.

Silberschühlein, klein, so klein -
willst du's fassen, zierlich, fein,
ist's ein silber Tröpfelein,
Tröpflein Tau im Mondenschein.



Gustav Falke



Foto copyright: Isabella Kramer


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läppisch klein

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läppisch klein

mein handgepäck, das ist mein buch,

das „blau“-licht meiner anhang-stunden,
und geht die welt um mich zu bruch,
  
hab ich mein paradies gefunden.

gelegentlich geh ich darin verloren

es wachsen berge, meere, grüne auen,
im labyrinth der anderswelten,
kann träumen ich und lauschen, schauen...

in hungersümpfen, rauen klüften,

öffnen sich immer neue pforten,
im taumel ungeahnter düfte
sauge ich lustvoll an den worten

hinauf zu ungeahnten lüften

ertaste staunend alle orte
die welt sie dreht und wendet sich,
ich finde immer wieder mich... 
 

2012gabriele brunsch


von Gabriele Brunsch ... zu ihrer Website



Photo copyright: Isabella Kramer
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Mai

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Mai

Nun aber hebt zu singen an
Der Mai mit seinen Winden.
Wohl dem, der suchen gehen kann
Und bunte Blumen finden!

Die Schönheit steigt millionenfach
Empor aus schwarzer Erden;
Manch eingekümmert Weh und Ach
Mag nun vergessen werden.

Denn dazu ist der Mai gemacht,
Daß er uns lachen lehre.
Die Herzen hoch! Und fortgelacht
Des Grames Miserere!


von Otto Julius Bierbaum





Foto copyright: Isabella Kramer
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Der Storch

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Der Storch kommt aus Egypterland,
Weil Frühlingslüfte riefen.
Er steht auf seinem alten Stand
Und klappert Hieroglyphen.

Da nun Poeten überall
Der Vogelsprache kundig,
So auch den ganzen Klapperschwall
Des braven Storchs verstund ich.

Da er zurück von Pyramid,
Von Nil und Krokodil kam,
So war's ein gar vergnüglich Lied
Vom wunderschönen Nilschlamm.

Ein jeder Storch am Nilschlamm hängt
Und klapprig ihm zu Muth wird,
Wenn er an seinen Nilschlamm denkt,
Und wie's dem Storch da gut wird!

Da krabbelt's hin, da krabbelt's her,
Und allerwegen hüpft es! -
Man geht umher und schmauset sehr,
So glatt hernieder schlüpft es.

Auch weiß der Störche Tradition
Aus grauer Zeit zu sagen:
Die wundervolle Mähre von
Egyptens sieben Plagen.

Die Frösche millionenweis'!
Das war ein Morden schmausend! -
O Zeit, du aller Zeiten Preis,
Du schwandest manch Jahrtausend!

Doch ward erzählt von Ahn zu Ahn
Die Sage so vorzüglich -
Jetzt denkt auch dieser Storch daran
Und klappert so vergnüglich.





von Heinrich Seidel, 1842 - 1906



 Foto von mit freundlicher Genehmigung von meiner Blogfreundin von Smilla-Allerlei (Blog existiert leider nicht mehr) 



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Frühlingserwachen

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Nie vergißt der Frühling wiederzukommen;
Wenn Störche ziehn, wenn Schwalben auf der Wiese sind,
Kaum ist dem Winter die Herrschaft genommen,
So erwacht und lächelt das goldene Kind.

Dann sucht er sein Spielzeug wieder zusammen,
Das der alte Winter verlegt und verstört,
Er putzt den Wald mit grünen Flammen,
Die Nachtigall er die Lieder lehrt.

Er rührt den Obstbaum mit rötlicher Hand,
Er klettert hinauf die Aprikosenwand,
Wie Schnee die Blüte noch vor dem Blatt ausdringt,
Er schüttelt froh das Köpfchen, daß ihm die Arbeit gelingt.

Dann geht er und schläft im waldigen Grund
Und haucht den Atem aus, den süßen;
Um seinen zarten, roten Mund
Im Grase Viol' und Erdbeer' sprießen.
Wie rötlich und bläulich lacht
Das Tal, wenn er erwacht!

In den verschloss'nen Garten
Steigt er über's Gitter in Eil',
Mag auf den Schlüssel nicht warten,
Ihm ist keine Wand zu steil.

Er räumt den Schnee aus dem Wege,
Er schneidet das Buchsbaumgehege,
Und feiert auch am Abend nicht,
Er schaufelt und arbeitet im Mondenlicht.

Dann ruft er: Wo säumen die Spielkameraden,
Daß sie so lang in der Erde bleiben?
Ich habe sie alle eingeladen,
Mit ihnen die fröhliche Zeit zu vertreiben.

Die Lilie kommt und reicht die weißen Finger,
Die Tulpe steht mit dickem Kopfputz da,
Die Rose tritt bescheiden nah,
Aurikelchen und alle Blumen, vornehm und geringer.

Dann küßt der Frühling die zarten Blumenwangen
Und scheidet und sagt: Ich muß nun gehn.
Da sterben sie alle an süßem Verlangen,
Daß sie mit welken Häuptern stehn.

Der Frühling spricht: "Vollendet ist mein Tun,
Ich habe schon die Schwalben herbestellt,
Sie tragen mich in eine and're Welt,
Ich will in Indiens duftenden Gefilden ruhn.

Ich bin zu klein, das Obst zu pflücken,
Den Stock der schweren Traube zu entkleiden;
Mit der Sense das goldne Korn zu schneiden;
Dazu will ich den Herbst euch schicken.

Ich liebe das Spielen, bin nur ein Kind
Und nicht zur ernsten Arbeit gesinnt;
Doch wenn ihr des Winters überdrüssig seid,
Dann komm' ich zurück zu eurer Freud'.










 Ludwig Tieck, 1773-1853

Photo copyright: Isabella Kramer


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Morgenlied - oder Wecker Wind

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Wer schlägt so rasch an die Fenster mir
Mit schwanken grünen Zweigen?
Der junge Morgenwind ist hier
Und will sich lustig zeigen.

Heraus, heraus, du Menschensohn,
So ruft der kecke Geselle,
Es schwärmt von Frühlingswonnen schon
Vor deiner Kammerschwelle.

Hörst du die Käfer summen nicht?
Hörst du das Glas nicht klirren,
Wenn sie, betäubt von Duft und Licht,
Hart an die Scheiben schwirren?

Die Sonnenstrahlen stehlen sich
Behende durch Blätter und Ranken,
Und necken auf deinem Lager dich
Mit blendendem Schweben und Schwanken.

Die Nachtigall ist heiser fast,
So lang hat sie gesungen,
Und weil du sie gehört nicht hast,
Ist sie vom Baum gesprungen.

Da schlug ich mit dem leeren Zweig
An deine Fensterscheiben.
Heraus, heraus in des Frühlings Reich!
Er wird nicht lange mehr bleiben.





von Wilhelm Müller, 1794 – 1827




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