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Wegwarte

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Wegwarte


Mit nackten Füßchen am Wegesrand,
die Augen still ins Weite gewandt
saht ihr bei Ginster und Heide
das Mädchen im blauen Kleide?

 „Das Glück kommt nicht in mein armes Haus,
drum stell' ich mich hier an den Weg heraus;
und kommt es zu Pferde, zu Fuße,
ich tret' ihm entgegen mit Gruße."

Es ziehen der Wanderer mancherlei
zu Pferd, zu Fuß, zu Wagen vorbei.
— „Habt ihr das Glück nicht gesehen?"
Die lassen sie lachend stehen.

Der Weg wird stille, der Weg wird leer.
„So kommt denn heute das Glück nicht mehr?"
Die Sonne geht rötlich nieder,
ihr starren im Wind die Glieder.

Der Regen klatscht ihr ins Angesicht,
sie steht noch immer, sie merkt es nicht:
— „Vielleicht ist es schon gekommen,
hat die andere Straße genommen."

Die Füßchen wurzeln am Boden ein,
zu Blumen wurde der Augen Schein.
Sie fühlt's und fühlt's wie im Traume,
sie wartet am Wegessaume.



Isolde Kurz, 1852 - 1944




Photo credit: Isabella Kramer

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Frohes Beginnen

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Frohes Beginnen

Des Spinnleins Netz im Stubeneck
reißt mit Gewalt der Sturmwind weg.
Wohl steht das Tierlein ganz entsetzt
vorm Kunstwerg, das nun so zerfetzt. 

Ameisenvölchen baut mit Fleiß
sich einen Staat. Da naht sich leis
verderbenbringende Gewalt,
zerstört den Bau. Allein alsbald
ist jedes Tierlein auf dem Plan
und fängt die Arbeit wieder an!
            
Was wir gespielt einst und gesungen,
ist lange ungehört verklungen.
Das macht uns keinen großen Schmerz.
Wir fassen uns vergnügt ein Herz
und fangen frisch von Neuem an!
Helf' jeder mit, so gut er kann! 


Friedel Rüdinger




Foto copyright: Isabella Kramer

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Wasser

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Wasser


Doch nun will ich dienen der Menschenhand,

In der Thäler sanftes, grünes Gewand

Will ich den silbernen Gürtel weben,

Will die frommen, hellen,

Plaudernden Wellen

Ruhig schlängelnd durch Gärten gießen,

Will schwatzend an Blumen vorüberfließen;

Der Hirsch, das Reh

Sollen aus meinen Fluten trinken

Und in holdem Weh,

Wenn die Sterne blinken,

Mag eine Jungfrau, die einsam wacht

In lauer Sommernacht,

Meinem Rauschen

Lauschen.




Friedrich Theodor von Vischer, 1807 - 1887



Photo copyright: Isabella Kramer

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Hochsommer

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Hochsommer

In schwüler Mittagsstunde
Lieg' ich am Bach ins Gras gestreckt;
Kein Laut in weiter Runde,
Der mich aus dämmerndem Traume weckt.

Leicht in den Lüften weben
Sommerfäden den silbernen Zwirn,
Halme und Gräser schweben
Über der Brust mir und über der Stirn.

Und Bienen und Schmetterlinge
Blaue Libellen umsummen mich leis:
Viel süßere, heimliche Dinge
Trag' ich im Herzen, die keiner weiß.

Buntschimmernde Liebesgedanken,
Lange verborgen in tiefer Gruft,
Sie heben die Flügel, die schwanken,
Und schwirren hinaus in den Sommerduft.

Ich seh' sie flattern und gaukeln
Um wehende Gräser im Sonnenstrahl,
Wie Elfen auf Blumen sich schaukeln,
Ein lustiges Völkchen allzumal.

Freut euch, ihr goldnen Dinger,
Die Lust wird rasch zu Ende sein,
Des Herzens dunkler Zwinger
Schließt bald euch alle wieder ein.


Richard von Volkmann, 1830 - 1889




Gemälde: Dulcibella the Bubble Fairy, Illustration aus dem Kinderbuch: Dulcibella and the Fairies von Hilda T. Milla 1922


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Das Kornfeld

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Das Kornfeld

Was ist schöner als ein Feld,
wenn die Halme, all die schlanken,
leise schwanken
und ein Halm den anderen hält?

Wenn im Korn die Blumen blühn,
leuchtend rot und blau dazwischen,
und sich mischen
lieblich in das sanfte Grün?

Wenn es flüsternd wogt und wallt,
Lerchen sich daraus erheben,
drüber schweben,
und ihr Lied herniederschallt?

Dann den schmalen Pfad zu gehen
Durch das Korn, welch eine Wonne!
Nur die Sonne,
nur die Lerche kann uns sehen!

Johannes Trojan, !837 - 1915






Photo credit: Isabella Kramer

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Sommernacht

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Sommernacht

An ferne Berge schlug wie Donnerkeulen
ein rasch verrauschtes Nachmittagsgewitter.
Die Bauern zogen heim auf müden Gäulen,
und singend kehrten Winzervolk und Schnitter.
Auf allen Dächern qualmten blaue Säulen
genügsam himmelan, ein luftig Gitter.
Nun ist es Nacht, es geistern schon die Eulen,
einsam aus einer Laube klingt die Zither.


Detlev von Liliencron, 1844 - 1909









Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Sommertraum

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Sommertraum


Golddurchflammte Ätherwogen,
Schwerer Äste grüne Bogen,
Süß verwob'ne Träumerei'n…
Sommer, deine warmen Farben,
Helle Blumen, gold'ne Garben
Leuchten mir ins Herz hinein…

In dem Wald, dem dämm'rig düstern,
Hörst du's rauschen, lispeln, flüstern,
Elfenmärchen – Duft und Schaum…?
Blumenkinder nicken leise,
Lauschen fromm der alten Weise
Von des Waldes Sommertraum…

Und der See, der windumfächelt
Lallend plätschert, sonnig lächelt,
Netzt das Schilf aus lauem Born…
Rosen blühen am Gelände,
Rosenglut, wo ich mich wende,
Und im Herzen tief ein Dorn…





Lisa Baumfeld, 1877 - 1897




Photo credit: Isabella Kramer


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Die beiden Kornähren

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Die beiden Kornähren


Mit stolz erhabener Stirn und nicht durch Last gedrückt

sprach einst ein leerer Halm zu einer vollen Ähre:

Wie kommt es, dass dein Haupt so nach dem Boden nickt?

Sogleich versetzt die dem Brüderchen zur Lehre:

Ich stünde freilich nicht so tief hinab gebückt,

wenn ich so leer wie du in meiner Stirne wäre!



 - Johann Nikolaus Götz, 1721 - 1781






Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Der kluge Peter

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Der kluge Peter


Der Peter sass im Sonnenschein
     Auf einem Stein
Und freute sich und lachte.
Was freut sich Peter nur so sehr?


Das Rätsel schien mir wahrlich schwer –
     Doch er sass da und lachte.

Als ich die Neugier nicht mehr trug
     Und endlich frug,
Warum er denn so lachte?


Sprach er: »Die Welt ist wunderschön!
Und ich darf drin spazieren gehn!«
     Er sah mich an und lachte.

»Ei, Peter, du hast wirklich Recht!
     Das ist nicht schlecht!«


»Nicht wahr?« sprach er und lachte,
»Die Weisheit lernet Ihr erst jetzt?«
Da hab ich mich zu ihm gesetzt
     Und freute mich, und lachte.


August Sturm, 1852 - 1923





Foto von Albert Klein auf Unsplash

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Uns sei Blume-sein groß!

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Uns sei Blume-sein groß!

Weiß die Natur noch den Ruck,
Da sich ein Teil der Geschöpfe
Abriß vom stetigen Stand?
Blumen, geduldig genug,
Hoben nur horchend die Köpfe,
Blieben im Boden gebannt.

Weil sie verzichteten auf
Gang und gewillte Bewegung,
Stehn sie so reich und so rein.
Ihren tiefinneren Lauf,
Voll von entzückter Erregung,
Holt kein Jagender ein.

Innere Wege zu tun
An der gebotenen Stelle,
Ist es nicht menschliches Los?
Anderes drängt den Taifun,
Anderes wächst mit der Welle, –
Uns sei Blume-sein groß.



Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926






Photo copyright: 
Isabella Kramer



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Auf der Wiese...

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Auf der Wiese...


Auf der Wiese webt und schwebt

Elbenringelreigen;

Feiner Flüsschen Schnee sich hebt

zu geheimen Geigen.

Schleier schlingen sich im Ring,

Silberflechten flimmern,

Flügel wie vom Schmetterling

scheu im Monde schimmern.

Jedes Köpfchen krönt ein Kranz

goldner Leuchtlaternchen,

wunderwirr verstrickt der Tanz

all die tausend Sternchen.




Christian Morgenstern, 1871 - 1914





Gemälde: Midsummer Eve (1908), Edward Robert Hughes



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Fabel vom Unkraut

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Fabel vom Unkraut

Hirtentäschel sprach zur Melde:
„Warum haben wir kein Beet?
Selbst aus seinem größten Felde
mürrisch uns der Bauer jät.

Raps und Leinen sind von allen
wohlgelitten und gehegt,
plumpe Rüben auch gefallen,
und die Erbse wird gepflegt.

Sind wir denn von mindrer Güte
als des Krautes blauer Kopf?
Zierten wir nicht manche Hüte,
flochten Kränze manchem Schopf?“

Und die Nessel und die Möhre
mischten ihre Stimmen ein,
auch des Schachtelhalmes Föhre
wollte nicht verachtet sein.

Schickten drum zu jenem Gotte,
der sie spielend einst gebar.
„Löst uns von diesem Spotte!“
rief der Blumen Klägerschar.

Winde schwenkte weiße Glocken,
Distel ihren Dornenhut,
um den Gott zu sich zu locken,
werbend um sein Gnadengut.

„Ach, wenn nicht die Kinder wären
und die Bienen nimmersatt“,
schrien sie unter Honigzähren,
„längst wärn wir des Blühens satt.“

Beugte sich der Gott zu jeder,
hob sie vor sein Angesicht,
pries der Nelke rote Feder
und des Senfkrauts gelbes Licht.

„Blüht ihr nicht vor meinem Auge?“
mahnte mild, der sie gemacht.
„Fragt ich, ob der Mensch mir tauge,
reuten müsst ich Tag und Nacht.“



Martin Raschke, 1905 - 1943





Photo credit: Isabella Kramer

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Mittsommer

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Mittsommer

Der längste Tag, ganz kurz die Nacht - 
das ist die Sommersonnenwende.
Ein Grund zum Feiern allemal,
denn Sonnenlicht scheint ohne Ende

auf fröhlich strahlende Gesichter,
auf Locken unter Blumenkränzen,
wirbelnde Freunde, die bei Tänzen
sich lachend an den Händen halten.

Johannisnächte heißt's in alten
Geschichten, das sind Zaubernächte. 
Voll Glück und Gaben der Natur,
selbst Seen und Flüsse haben Mächte. 

Manch einer sammelt Blumen, Pflanzen,
heut' Nacht sind ihre Kräfte stark.
Mit Trollen um die Feuer tanzen,
auch drüber springen, wenn man mag.


Durchlässig ist in dieser Nacht
die Wand ins Reich der Feenmagie.
Ja, selbst im Morgentau danach,
natürlich barfuß, spürst du sie. 


veredit©isabella.kramer25



Gemälde copyright: Isabella Kramer 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 
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Am Moor

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Am Moor

Wanderer im schwarzen Wind; leise flüstert das dürre Rohr
In der Stille des Moors. Am grauen Himmel
Ein Zug von wilden Vögeln folgt;
Quere über finsteren Wassern.

Aufruhr. In verfallener Hütte
Aufflattert mit schwarzen Flügeln die Fäulnis;
Verkrüppelte Birken seufzen im Wind.

Abend in verlassener Schenke. Den Heimweg umwittert
Die sanfte Schwermut grasender Herden,
Erscheinung der Nacht: Kröten tauchen aus silbernen Wassern.


Georg Trakl 





Photo credit: Isabella Kramer


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Der Sommer

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Der Sommer


Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns Freuden viel:
Wir jagen dann und springen
Nach bunten Schmetterlingen
Und spielen manches Spiel.

Der Sommer, der Sommer,
Der schenkt uns manchen Fund:
Erdbeeren wir uns suchen
Im Schatten hoher Buchen
Und laben Herz und Mund.

Der Sommer, der Sommer,
Der heißt uns lustig sein:
Wir winden Blumenkränze
Und halten Reigentänze
Beim Abendsonnenschein.



von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben,1798-1874 




Photo copyright: 
Isabella Kramer

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Die Sonne

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Die Sonne

»Und sollt' der Eulen ganzes Heer
Am Sonnenlicht erblinden,
Noch sendet sie ihr Strahlenmeer,
Das weite Weltall um sich her
Mit Leben zu entzünden.«

Doch sieh, wie sanft sich in der Luft
Die Nebel rings zerstreuen!
Sie läßt den Eulen ihre Kluft,
Dem Maulwurf seine düstre Gruft
Und will mit Licht erfreuen.

So laß, wenn Deine Flammen glühn,
Nicht schrecken sie, nicht toben!
Laß, wer da fliehen will, entfliehn!
Was blühen kann, wird durch sie blühn
Und Dich als Sonne loben.





Johann Gottfried von Herder, 1744 - 1803




Foto copyright: Isabella Kramer

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Siehe, auch ich - lebe!

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Siehe, auch ich – lebe


Also ihr lebt noch, alle, alle, ihr,

am Bach ihr Weiden und am Hang ihr Birken,

und fangt von neuem an, euch auszuwirken,

und wart so lang nur Schlummernde, gleich – mir.


Siehe, du Blume hier, du Vogel dort,

sieh, wie auch ich von neuem mich erhebe...

Voll innern Jubels treib ich Wort auf Wort...

Siehe, auch ich, ich schien nur tot. Ich lebe!




Christian Morgenstern, 1871 - 1914




Foto copyright: Isabella Kramer


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Elfenlied

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Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: Elfe!
Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief
Wohl um die Elfe! -
Und meint, es rief ihm aus dem Tal
Bei seinem Namen die Nachtigall,
Oder Silpelit hätt' ihm gerufen.
Reibt sich der Elf die Augen aus,
Begibt sich vor sein Schneckenhaus,
Und ist als wie ein trunken Mann,
Sein Schläflein war nicht voll getan,
Und humpelt also tippe tapp
Durchs Haselholz ins Tal hinab
Schlupft an der Mauer hin so dicht,
Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.
"Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
Die Kleinen sitzen beim Mahle,
Und treiben's in dem Saale.
Da guck ich wohl ein wenig 'nein!"
- Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?
Gukuk! Gukuk!




Eduard Mörike, 1804 - 1875







Gemälde Copyright: Isabella Kramer 

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Bodensee

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Bodensee

Die Dörfer sind wie im Garten. 
In Türmen von seltsamen Arten
klingen die Glocken wie weh. 
Uferschlösser warten 
und schauen durch schwarze Scharten
mild auf den Mittagsee.

Und schwellende Wellchen spielen,
und goldene Dampfer kielen
leise den lichten Lauf;
und hinter den Uferzielen
tauchen die vielen, vielen
Silberberge auf. 



Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926




Photo copyright: Isabella Kramer

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Ein weisses Kätzchen voller Schliche

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Ein weisses Kätzchen voller Schliche

Ein weisses Kätzchen voller Schliche, 
ging heimlich, weil es gerne schleckt,
des Abends in die Nachbarküche;
wo man es leider bald entdeckt.

Mit Besen und mit Feuerzangen
gejagt in alle Ecken ward's.
Es fuhr zuletzt voll Todesbangen
zum Schlot hinaus und wurde schwarz. 

Ja, siehst du wohl, mein liebes Herze?
Wer schlecken will, was ihm gefällt, 
der kommt nicht ohne Schmutz und Schwärze
hinaus aus dieser bösen Welt.



Wilhelm Busch, 1832 - 1908







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Isabella Kramer 


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