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Bei der Großmutter - Julius Sturm





Wie traulich ist's im stillen Zimmer,
Die Uhr tickt heimlich auf dem Schrank,
Um Blumen spielt der Sonne Schimmer,
Und Tisch und Bank sind spiegelblank.

Im weichen Lehnstuhl sitzt das alte,
Schier achtzigjährige Mütterlein,
Auf welker Stirne Falt' an Falte,
Doch in den Augen Sonnenschein!

Vertraulich schmiegt sich ihrem Schoße
Ein blühend Kinderpärchen an,
Dem sie das Bilderbuch, das große,
Auf vieles Bitten aufgetan.

Nun blühen Märchen aus dem Munde,
Wie Rosen aus dem Dorn erblüh'n,
Die Kleinen lauschen still der Kunde,
Und ihre vollen Wangen glüh'n.

's ist nur ein Bild, doch füllt es immer
Die Augen mir mit Tränentau,
Mir ist, als kennt ich dieses Zimmer,
Die Kinder und die alte Frau.



Julius Karl Reinhold Sturm





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Herbst

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Gärtner, lass die Blätter liegen,
Die jetzt über die Erde rollen
Und die müde von der Reise
Sich zur Ruhe legen wollen.

Wie sie gelb und braun geworden -
Und der Reif an ihrem Rande -
Ruhn sie, tote Sommervögel,
Auf dem dunkelroten Sande.

Sieh, sie wollen deinem rauen
Besen sich nur ungern fügen;
Du vermagst des Winters Nahen
Doch nicht recht hinwegzulügen.




Heinrich Lersch


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Nephele - ein Herbstanz

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Nephele - ein Herbsttanz 


es sind die weichen spuren
des kaum erhellten tages 
die grauen schleier jener 
nicht mehr jungen bräute
die dennoch bebend sehnen
des späten feuers nähe – glut


es ist das leise wispern
das weiße haar so fein gesponnen
dass feen würden neidisch werden
verfangen sacht im windgewiegten ried
das sie verrät die nebelgrauen
sie tanzen ihren eigenen reigen - gut


ganz unbeirrt und forsch der schritt
und mutig einen raschen sprung
der bauscht die röcke hoch im flug
es will gelebt sein dieses restlich kurze jahr
bis hin zum letzten tag - verschwommen 
vage, was wohl kommen mag – nur mut 




veredit©isabella.kramer 11 



Gemälde copyright: Isabella Kramer 



auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Grafiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Grafiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden möchten, fragen Sie mich bitte. 
Kontakt über E-Mail: vere_dit@yahoo.de








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Rotkehlchen

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Rotkehlchen auf dem Zweige hupft,
wipp, wipp,
hat sich ein Beerlein abgezupft,
knipp, knipp,
läßt sich zum klaren Bach hernieder,
tunkt's Schnäblein ein und hebt es wieder,
stipp, stipp, stipp, stipp,
und schwingt sich wieder in den Flieder.

Es singt und piepst
ganz allerliebst,
zipp, zipp, zipp, zipp, tirili,
sich seine Abendmelodie,
steckt's Köpfchen dann ins Federkleid
und schlummert bis zur Morgenzeit.



Wilhelm Busch



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Fliegenbitte

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Fliegen-Bitte
 
Gönnt doch dem kleinen Wintergast
Im warmen Zimmer Ruh und Rast.
Da draußen ist gar schlimme Zeit,
Es stürmt und regnet, friert und schneit.

Ach, mein Begehren ist nur klein,
Ich nehme wenig Raum nur ein!
Im Blumenbusch am Fenster hier,
Da such' ich mir ein Nachtquartier.

Und wird es mir darin zu kalt,
So ist mein liebster Aufenthalt
Beim alten Fritzen auf dem Hut,
Da sitz' ich sicher, warm und gut.

Und kommt der heil'ge Christ heran,
Dann freu' ich mich wie Jedermann,
Weihnachten soll's für mich auch sein,
Ein Kuchenkrümchen wird schon mein.

Drum laß die arme Flieg' in Ruh,
Sie hat ein Recht zu sein wie du.
Nun, liebes Kind, nun freue dich
Und sei noch lustiger als ich!





August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798 - 1874






Foto von Jin Yeong Kim auf Unsplash 
 
 
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Sommerende

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Sommerende 

Wehmut raschelt das trockene Laub
Gräser knistern gestrig im Wind
Birkengold wirbelt, der Böen Raub
Wo nur die Tage geblieben sind


Gräser knistern gestrig im Wind
Flüstern von kommender dunkler Zeit
Wo nur die Tage geblieben sind
Wärme und Leben – Vergangenheit


Flüstern von kommender dunkler Zeit
Hoch am Himmel Wildgänse reisen 
Wärme und Leben – Vergangenheit 
Sehnsuchtsträume gen Süden weisen


Hoch am Himmel Wildgänse reisen
Wehmut raschelt das trockene Laub
Sehnsuchtsträume gen Süden weisen
Birkengold wirbelt, der Böen Raub





veredit©isabella.kramer






aus dem Lyrikband: weniger bis meer von Isabella Kramer


Photo Copyright: 
Isabella Kramer

auch enthalten im neuen Gedichteband "Kinder-Gedichte-Welt" erhältlich über mich oder via blurb.de 


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