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Der Krake

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Der Krake

Einmal im Jahr vom Grunde
Des Meeres wird nach oben,
Aus eines Wirbels Schlunde
Der Krak heraufgehoben,
Gleich einem Inselrunde,
Um das die Wasser toben.

Eisbären, Robben, Haie,
Wallfische, Fischernachen
Verschwinden nach der Reihe
In seinem Riesenrachen.
Und daß es ihm gedeihe,
Beweist sein grimmig' Lachen.

Es glüht die kalte Zone
In jeder Eisbergzacke,
Und mit dem frechsten Hohne
Lallt hochvergnügt der Krake:
"Die Welt ist mir Schablone,
Die Welt ist nur Kloake."

Zweihundert Austernbänke
Verschlingt er nun mit Wonne,
Und Cognak zum Getränke,
Und Arak manche Tonne,
Ihm ist's, als ob er denke,
Er blinzelt in die Sonne.

Ja, ruft er, und die grauen
Kinnladen kau'n und rollen,
So viel wir Wesen schauen,
Was ist es, was sie wollen?
Sich gatten und verdauen -
Das ist's auch, was sie sollen!

Nach solch erhabner Lehre
Bewegt er Haupt und Glieder,
Da zieht ihn schon die Schwere
Zur grausen Tiefe nieder,
Und auf dem weiten Meere
Ist Alles ruhig wieder.


Hermann Lingg




Foto von Marcus Woodbridge auf Unsplash


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